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Musik in den Ohren Lärmgeplagter: Die Stadt geht gegen Strassenlärm vor

Mit verschiedenen Massnahmen will die Stadt dem Verkehrslärm beikommen. Neben Tempo-30-Zonen und Flüsterbelägen sollen umstrittene Lärmschutzfenster eingesetzt werden – aber nur dort, wo dies unumgänglich ist.
Gianni Amstutz
Obwohl derzeit nur einspurig befahrbar, herrscht auf der Mattstrasse reges Verkehrsaufkommen. (Bild: Gianni Amstutz)

Obwohl derzeit nur einspurig befahrbar, herrscht auf der Mattstrasse reges Verkehrsaufkommen. (Bild: Gianni Amstutz)

Als ob die Nähmaschine den ganzen Tag liefe: So muss es sich für einige Bewohner Wils anfühlen, die an stark befahrenen Strassen wohnen. Denn wie eine Studie der Stadt zeigt, wird der Immissionsgrenzwert, der je nach Zone tagsüber zwischen 60 und 70 Dezibel liegt, bei 128 von 556 untersuchten Häusern oder Parzellen überschritten. Ohne Massnahmen steigt diese Zahl bis 2037 auf 186 an.

Diese Überschreitung des zulässigen Lärmpegels ist nicht nur störend, sondern kann der Gesundheit schaden. Bereits ab 40 Dezibel kann es zu Konzentrationsstörungen kommen, ab 65 Dezibel – in etwa der Wert einer Nähmaschine – erhöht sich bei längerer Aussetzung das Risiko für Herz-Kreislauferkrankungen.

Stadt ist verpflichtet, zu handeln

Damit soll nun Schluss sein. Die Stadt will mit einem sieben Massnahmen umfassenden Katalog an den lärmigsten Strassen Wils für Ruhe sorgen. Dazu ist sie aufgrund der Lärmschutzverordnung aus dem Jahr 1987 verpflichtet. Zumindest dann, wenn es sich um Gemeindestrassen handelt.

Doch welche Möglichkeiten gibt es, um das Lärmniveau zu reduzieren? «Die effektivste und zugleich am schwierigsten realisierbare ist, das Verkehrsaufkommen zu reduzieren», erklärte Thomas Buhl vom Büro Widmer in Frauenfeld am Informationsanlass der Stadt am Dienstagabend. Diese Massnahme ist jedoch nicht Teil des Lärmsanierungsprojekts. Von den flankierenden Massnahmen in Zusammenhang mit dem Entwicklungsschwerpunkt Wil West erhofft sich die Stadt jedoch eine Verkehrsberuhigung im Zentrum von Wil.

Daneben seien lärmarme Strassenbeläge sowie Tempo-30-Zonen die effektivsten Mittel, sagte Buhl. Erstere sind aber nur dann finanzierbar, wenn Strassen ohnehin saniert werden müssen, Letztere verlangen eine eingehende Vorprüfung, wodurch die Umsetzung Jahre in Anspruch nehmen kann. Thomas Buhl erklärte:

«Die Stadt hat deshalb entschieden, keine weiteren Tempo-30-Zonen direkt in das Projekt zu integrieren.»

Es sei jedoch vorgesehen, vier weitere Tempo-30-Zonen zu prüfen. Dies jedoch erst, nachdem die anderen Massnahmen des Lärmsanierungsprojekts umgesetzt worden sind. Andere Massnahmen: Das sind im Fall von Wil Flüsterbeläge auf der Fürstenland-, Hub- sowie Teilen der Glärnischstrasse. Dies bewirkt eine Lärmreduktion bis zu acht Dezibel.

Schallschutzfenster als Notfallmassnahme

Mit der Prüfung von vier weiteren Tempo-30-Strecken und dem Einbau von Flüsterbelägen auf drei Strassen ist das Problem aber nur teilweise gelöst. An der Mattstrasse – um nur ein Beispiel zu nennen – sind auch nach den geplanten Lärmsanierungen noch zahlreiche Häuser von Immissionen betroffen, die über dem Grenzwert liegen.

Auch hierfür hat die Stadt eine Massnahme parat – allerdings ist diese eher als Notlösung zu betrachten. Mit Schallschutzfenstern, deren Einbau von der Stadt bezahlt wird, will man Abhilfe schaffen. Dies sei eigentlich keine Massnahme im Sinne der Lärmschutzverordnung, erklärte Marcel Frei, Leiter Tiefbau.

«Wir müssen nichts beschönigen. Lärmschutzfenster bekämpfen nicht die Quelle, also den Lärm selbst.»

In manchen Fällen seien sie aber trotzdem das Mittel der Wahl.

Thomas Buhl erklärt das so: «Wenn andere Massnahmen als unverhältnismässig erachtet werden, wird die Stadt von ihrer Pflicht zu Lärmschutzsanierungen entbunden, ist aber verpflichtet, mit Lärmschutzfenstern eine Alternativlösung zu bieten.» Als unverhältnismässig betrachtet werde beispielsweise, wenn andere Massnahmen zu teuer wären oder überwiegende Interessen wie etwa der Ortsbildschutz betroffen wären.

Offene Kommunikation als Mittel gegen Einsprachen

Ab 2020 soll mit der Umsetzung der Massnahmen begonnen werden. Dazu werden die Pläne beim Departement für Bau, Umwelt und Verkehr aufgelegt. Eigentümer von Liegenschaften, bei denen der Immissionsgrenzwert überschritten wird, erhielten von der Stadt ein persönliches Schreiben, weiter werden Sprechstunden angeboten. Dies, um Streitpunkte und allfällige Einsprachen bereits im Vorfeld auszuräumen.

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