Musik aus dem hohen Norden

Am Sonntag hatte das Kammerorchester Flawil zu einem Adventskonzert in die Kirche Oberglatt geladen. Auf dem Programm standen ausnahmslos romantische Komponisten aus nordischen Ländern.

Carola Nadler
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OBERGLATT. Die Strassen waren an diesem Sonntagnachmittag weitgehend wieder entspannt befahrbar, dementsprechend gross war auch wieder die Zahl der Zuhörer, die sich zu diesem Adventskonzert in der Kirche Oberglatt einfand. «Der Norden weist eine gewisse Affinität zu Weihnachten auf», meinte Dirigent Paul K. Haug in seiner Begrüssung. Sicher hat dies etwas mit der Schneesicherheit von Regionen wie Russland und Skandinavien oder Island zu tun: Und wer verbindet tief verschneite Landschaften nicht mit Weihnachten?

Romantik

Sämtliche Komponisten des Konzertprogramms zählen zu den frühen und späten Romantikern, lebten im 19. und 20. Jahrhundert. So war den Werken eine gewisse Ähnlichkeit im Charakter zu eigen, die bisweilen etwas Abwechslung vermissen lies: Weitgehend von schwermütigem Wesen entfalteten die Werke ihre Harmonien, nur hin und wieder von Pizzicati oder einem Anklang an einen volkstümlichen Tanz unterbrochen. Dass es bei dem gut einstündigen Konzert zu keinen Ermüdungserscheinungen beim Zuhören kam, ist dem Kammerorchester Flawil und seinem Dirigenten sehr hoch anzurechnen. Die Musikerinnen und Musiker spielten ausgesprochen präsent und bestimmt, der Orchesterklang blieb dabei aber stets transparent und verklumpte niemals ob der vielen Romantik.

Ohne Sentimentalität

Zu Beginn erklang eine Variations-Komposition des russischen Komponisten Alexander Glasunow. Die Variationen waren vielleicht nicht so klar auszumachen wie bei einem Mozart, doch die Schattierungen der einzelnen Teile waren sehr fein herausgearbeitet. Von Glasunow spielte das Orchester auch die Elegie für Viola und Streichorchester.

Solist war Markus Berthold, ein Profimusiker, welcher seit einigen Monaten als Stimmführer der Bratschen amtet. Der dunklere, wärmere Klang seines Instrumentes gab der Melodie einen weicheren Charakter, als es eine Violine vermocht hätte. Berthold spielte das russisch-melancholische Wesen der Elegie wunderbar aus, ohne in Sentimentalitäten abzugleiten. Glasunow war auch zusammen mit Anatoli Liadow und Nikolai Rimsky-Korsakow an dem Gemeinschaftswerk «Jour de fête» beteiligt, welches am Ende des Konzertes erklang. Darin verarbeiteten die Komponisten Weihnachtslieder und Tänze ihrer Heimat, was dem Konzert einen temperamentvollen und fürstlichen Abschluss gab.

Weitere russische Komponisten waren Vasiliy Kalinikov, dessen «Serenade for Strings» erklang und Eduard Naprawnik, der die «Mélancolie» geschrieben hatte. Pizzicati am Beginn der Serenade sorgten für tänzerische Impulse.

Lebensfreude

Mit Jan Sibelius stand ein Komponist aus Finnland auf dem Programm. Seine «Romanze» wies ein munteres Wechseln zwischen zahlreichen Tonarten auf, was vom Orchester sehr klar ausmusiziert wurde.

Die Pizzicati der tiefen Streicher setzten hier einen reizvollen Kontrast zu der schwermütigen Melodie. Aus Norwegen stammte Johan S. Svendsen, der je zwei Volkslieder aus Island und Schweden bearbeitet hatte, wovon eines kürzlich an der Hochzeit von Prinzessin Viktoria von Schweden gespielt worden war, wie Paul K. Haug erzählte, der zu jedem Stück eine kleine Einführung gab. Diese Stücke waren ähnlich kraftvoll wie die russischen Werke, aber eher von Lebensfreude und weniger von Schwermut geprägt. Das Orchester entwickelte darin eine sehr fein nuancierte Dynamik, die sich oft über weite Strecken hinaus ausbilden konnte.

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