Vielen Dank für Ihre Registrierung. Sie haben jetzt den Aktivierungslink für Ihr Konto per E-Mail erhalten.

Ihr Konto ist aktiviert. Wir wünschen Ihnen viel Lesevergnügen.

Vielen Dank für Ihre Bestellung. Wir wünschen Ihnen viel Lesevergnügen.

Musik als tödliche Ablenkung

Hätte er auf seinen Vater gehört und nicht mit seinem iPod, könnte Sascha Bruderer noch leben. Er starb in Münchwilen beim Überqueren der Gleise der Frauenfeld-Wil-Bahn. Viele Unfälle beruhen auf der Unachtsamkeit von Personen.
Erika Pàl
Die Unfallstelle: Hier starb Sascha Bruderer am Samstag nach dem Zusammenstoss mit der FW-Bahn. (Bild: Reto Martin)

Die Unfallstelle: Hier starb Sascha Bruderer am Samstag nach dem Zusammenstoss mit der FW-Bahn. (Bild: Reto Martin)

MÜNCHWILEN. Blumen, Kerzen und Fotos stehen am Bahngleis der Frauenfeld-Wil-Bahn kurz vor dem Ortsausgang Münchwilens. Am Samstagnachmittag verunfallte hier Sascha Bruderer (18) tödlich. Er machte sich knapp vor 15 Uhr auf den Weg, um sich mit Freunden zu treffen. Er setzt sich seine Kopfhörer auf und kürzt den Weg ab, wie schon so oft – über den Zaun und dann übers Bahngleis des Frauenfelder Bähnlis.

Doch dieses Mal erfasst ihn ein Waggon. Der Lokführer kann den 75 Tonnen schweren Zug nicht mehr rechtzeitig bremsen und trifft den Bäckerlehrling mit voller Wucht. Trotz eines Warnpfiffs hat Sascha Bruderer das Herannahen der Bahn nicht bemerkt.

Ob dieser tragische Unfall hätte verhindert werden können, wenn der 18-Jährige keine Musik gehört hätte? Sein Vater, Fritz Bruderer, ist sich sicher: «Er hat die Bahn wegen der Musik aus dem iPod nicht gehört», sagt er der Tageszeitung «Blick». Trotz väterlichem Rat, nicht über den Zaun zu klettern, kürzte der Sohn den Weg regelmässig ab.

Ablenkung und Unachtsamkeit

«Unachtsamkeit ist nach Missachtung des Vortritts im Strassenverkehr die häufigste Unfallursache», sagt Andy Theler von der Kantonspolizei Thurgau. Das Tragen von Kopfhörern ist im Strassenverkehr nicht verboten, obwohl es immer wieder zu Zwischenfällen kommt, weil die Menschen von Musik abgelenkt sind. Auch das Rauchen und das Bedienen von Handys ist gefährlich. «Wir haben im Gegensatz zu den SBB selten Unfälle mit Personen zu beklagen, zumindest keine mit suizidalem Hintergrund», sagt Alexander Liniger, Mediensprecher der Frauenfeld-Wil-Bahn.

Psychologische Betreuung

Nebst der Betreuung der Angehörigen des Opfers steht auch für den Lokomotivführer Hilfe bereit. «Jedem Lokführer steht es frei, ob er eine psychologische Betreuung beanspruchen möchte.» Hierfür zieht das Unternehmen externe Spezialisten zur Unterstützung bei. Der Lokführer befindet sich laut Alexander Liniger in ärztlicher Behandlung und wird psychologisch unterstützt. Es gibt kein Patentrezept für die Bewältigung solcher Unfälle – belastend sind sie allemal; die Folgen: Schlafstörungen und Flashbacks.

Tod am Unfallort

Sascha Bruderer hingegen konnte selbst das rasche Eingreifen einer Ärztin, die in der betroffenen Zugskomposition mitgefahren war, nicht mehr helfen. Er stirbt noch am Unfallort.

Merkliste

Hier speichern Sie interessante Artikel, um sie später zu lesen.

  • Legen Sie Ihr persönliches Archiv an.
  • Finden Sie gespeicherte Artikel schnell und einfach.
  • Lesen Sie Ihre Artikel auf allen Geräten.