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Museumskauf bachab geschickt

Mit 418 Nein- gegenüber 338 Ja-Stimmen hat Niederbüren den Kauf der Liegenschaft «Textilmuseum Sorntal» an der Urne abgelehnt. Dies bei einer Stimmbeteiligung von 71 Prozent. Gegen den Kauf für 430000 Franken war das Referendum ergriffen worden.
Andrea Häusler
Sie wollen sich weiterhin für den Erhalt des Museums von nationaler Bedeutung einsetzen: Gottlob Lutz, Museumskurator und Vertreter der Eignerfamilie, Richard Holenstein , Präsident des Vereins Textilmuseum Sorntal, und Gemeindepräsident Niklaus Hollenstein. (Bild: Andrea Häusler)

Sie wollen sich weiterhin für den Erhalt des Museums von nationaler Bedeutung einsetzen: Gottlob Lutz, Museumskurator und Vertreter der Eignerfamilie, Richard Holenstein , Präsident des Vereins Textilmuseum Sorntal, und Gemeindepräsident Niklaus Hollenstein. (Bild: Andrea Häusler)

Die Enttäuschung sitzt tief. Richard Holenstein, Präsident des im Sommer gegründeten Vereins «Textilmuseum Sorntal» nimmt kein Blatt vor den Mund: «Ich bin frustriert, kann nicht verstehen, dass eine Mehrheit der Niederbürer Bevölkerung der Kultur nicht jenen Raum geben will, den sie braucht und verdient», sagte er gestern in jenen Räumen, welche die Gemeinde - inklusive knapp 4000 Quadratmeter Land - zum Preis von 430000 Franken hätte erwerben können. Derweil bemühte sich Gemeindepräsident Niklaus Hollenstein um Zweckoptimismus:

«Die 338 Ja-Stimmen und die hohe Anzahl von Mitgliedern des Museumsvereins zeugen davon, dass eine doch beachtliche Zahl von Bürgerinnen und Bürgern für das Museum einstehen und sich dessen Fortbestand wünschen.»

Weit weniger überrascht vom Abstimmungsergebnis zeigte sich Gottlob Lutz, Kurator und Vertreter der Eignerfamilie. Mit einem Nein habe man rechnen müssen, stellte er nüchtern fest. Deshalb halte sich seine Enttäuschung in Grenzen. Das tut sie möglicherweise auch deshalb, weil er zuversichtlich ist, dass der «Initiative-Vereinsvorstand» sich erfolgreich um andere Möglichkeiten einer Trägerschaft bemühen werde.
Immerhin sei das Interesse am Museum gross, sagte er. 750 Besucher hätten in diesem Jahr an einer Führung teilgenommen. 2019 könnten es noch mehr werden, ist Gottlob Lutz überzeugt. Deshalb würden zwei neue Leiter für Museumsführungen ausgebildet. «Wo etwas läuft, sind auch Menschen», sagte Lutz.

Zurück auf Feld eins

Trotz der Lutz’schen Zuversicht: Einen Plan B gibt es nicht. Dies machten Niklaus Hollenstein und Richard Holenstein übereinstimmend klar. «Was die Zukunft des Textilmuseums anbelangt, liegt der Ball wieder bei den Eigentümern der Liegenschaft, die das Objekt veräussern wollen», sagte Richard Holenstein.

Oberstes Ziel müsse nun sein zu verhindern, dass die Liegenschaft mit den rund 4000 Quadratmetern Land als Spekulationsobjekt auf dem Immobilienmarkt angeboten und verkauft werde. Die Eignerfamilie will allerdings nichts überstürzen, sondern dem Verein Zeit gewähren, um eine Lösung ohne Beteiligung der öffentlichen Hand zu finden. Vorausgesetzt, eine alternative Möglichkeit kann zeitnah vorgelegt werden.

Weichenstellung am 7. Dezember

Der Vorstand des Museumsvereins will sich am 7. Dezember zu einer Standortbestimmung und zur Beschlussfassung über das künftige Vorgehen treffen. Dabei soll auch eruiert werden, welche Form von Trägerschaft in Frage kommen könnte. Denn, nach dem ablehnenden Kaufentscheid an der Urne ist die Ausgangslage eine völlig neue, sind viele der getroffenen Vorkehrungen hinfällig geworden. «Die gut 220 Mitglieder des Museumsvereins müssten für das nächste Jahr keine Beiträge zahlen, zumal die Zukunft des Vereins nicht mehr garantiert ist. Die zugesicherten Sponsorengelder sowie die zugesagten Beiträge des Amts für Kultur sind hinfällig und die Schenkungsverträge für das Museumsgut Makulatur geworden», machte Richard Holenstein deutlich.

Blick nach vorne richten

Trotzdem oder gerade deswegen ermunterte Gemeindepräsident Niklaus Hollenstein dazu, die Scherben aufzukehren und den Blick nach vorn zu richten: «Ich hoffe, dass das Textilmuseum weiterhin auf den Museumsverein zählen darf und, dass das zahlreiche Bekenntnis zum Museum in unserer Bevölkerung zu dessen Zukunftssicherung beiträgt.»

Kommentar: Verpasste Chance

Die Abstimmung über den Kauf der Liegenschaft «Textilmuseum» hat die Bevölkerung bewegt. 71 Prozent der Stimmberechtigten haben ihre Meinung an der Urne kundgetan – ein eindrücklicher Wert. Und der Volkswille ist unmissverständlich: 55,3 Prozent stellten sich gegen die Übernahme des Museumsgebäudes durch die Gemeinde.
Der Entscheid überrascht in seiner Deutlichkeit. Der Gegnerschaft ist es offensichtlich gelungen, mit nicht verifizierbaren Zahlen über künftige Unterhaltskosten und Schätzungen anonymer «Liegenschaftsfachleute» Verunsicherung zu säen und die Angst vor einem Fass ohne Boden zu schüren. Und der Gemeinderat hat es nicht geschafft, nebst dem Wert des Museumsguts, auch jenen des Gebäudes überzeugend genug zu «verkaufen».
Mit dem Nein zum Liegenschaftskauf hat Niederbüren die Chance vertan, das Textilmuseum in eine gesicherte Zukunft zu führen. Das Schicksal der Sammlung liegt nun in den Händen einiger kulturell engagierter Personen und deren Fähigkeit, eine private «Lösung» für ein Objekt von lokaler, regionaler und schweizweiten Bedeutung zu finden. Das hinterlässt einen schalen Nachgeschmack.

Andrea Häusler, andrea.haeusler@wilerzeitung.ch

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