Multikulti: Fremd und doch so nah

DEGERSHEIM. Mit Hilfe einer lukullischen Weltreise wurde am Freitagabend der Zusammenhalt unter Frauen aus verschiedensten Kulturen gefördert. Zur vierten Auflage des «Café International» trafen sich in Degersheim 55 Frauen aus 18 Ländern.

Christine Gregorin
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Gelebte Integration: Die Degustation von Essen aus verschiedenen Kulturen war das verbindende Element. (Bild: Christine Gregorin)

Gelebte Integration: Die Degustation von Essen aus verschiedenen Kulturen war das verbindende Element. (Bild: Christine Gregorin)

«Es gefällt mir», sagte die Tochter der syrischen Mutter, die seit circa zehn Monaten in Degersheim wohnt, in noch etwas holprigem Hochdeutsch und begleitet von einem strahlenden Lächeln. Die beiden haben das jüngste Mitglied ihrer Familie ebenfalls mitgebracht, obwohl es ein Bub ist. Will dieser doch noch gestillt werden. Eine Tibeterin wird von Moderatorin Bettina Weishaupt ebenso speziell willkommen geheissen – sie weilt erst seit rund fünf Monaten am Ort. Die Neulinge freuen sich darüber, so viele andere Frauen kennenzulernen, mit ihnen ins Gespräch zu kommen und auf diese Weise neue Kontakte zu knüpfen. Das Angebot sagt indes auch den Lokalmatadorinnen zu: Bereite Freude und erweitere den Horizont. «Die Idee ist einfach super», lautet das Credo.

Offen aufeinander zugehen

Kurz nach halb acht Uhr weist der Geräuschpegel im katholischen Pfarreiheim eine permanent ansteigende Tendenz auf. Immer wieder kommen Freudestrahlende mit gedeckten Schüsseln oder Platten voller Selbstgemachtem zur Tür herein. Langsam aber sicher füllt sich das Buffet mit fremdländischen Leckereien, der Saal mit verführerischem Wohlgeruch. Selbst unter bisher Unbekannten ist das Eis sofort gebrochen, denn die Neugier überwiegt. Mit den Vornamen versehene «Klüpperli» erleichtern das Ansprechen und das freundschaftliche Du wirkt verbindend.

Die Frage, um welche landestypische Spezialität es sich handelt und mit welchen Ingredienzien sie denn zubereitet wird, bietet ersten Gesprächsstoff. Dass sich Gleichgesinnte aus anderen Kulturen für die eigene interessieren, macht stolz.

Neue Bande knüpfen

Das Konzept, sich durch die Nahrungsbereitstellung – in den meisten Kulturen nach wie vor eine der weiblichen Domäne – näherzukommen, besticht nach wie vor. Deswegen soll der bereits zum viertenmal durchgeführte Integrationsanlass der Frauengemeinschaft Degersheim auch weiterhin einen festen Platz in deren Jahresprogramm haben: Das im Vergleich zu den Vorjahren gleichbleibend grosse Interesse bestärkt die Initiantinnen in ihrem Tun, analog dazu darf das Treffen durchaus als Bedürfnis gewertet werden.

Rasche Annäherung

Dank des bewährten Einstiegs über das allgegenwärtige Element Essen wird eine eventuelle Hemmschwelle bewusst tief angesetzt. Denn wenn Frauen ihre Lieblingsgerichte präsentieren, ist es eine wahre Freude teilzuhaben. Nach Speis und Trank steht das Kennenlernen in kleineren Gruppen im Zentrum. Themen wie Familie, Beruf und die Frage, warum und seit wann das ländlich-beschauliche Degersheim zur neuen Heimat geworden ist, ebnen einer raschen Annäherung den Weg.