Vielen Dank für Ihre Registrierung. Sie haben den Aktivierungslink für Ihr Benutzerkonto per E-Mail erhalten.

Vielen Dank für Ihre Anmeldung.

Vielen Dank für Ihre Bestellung. Wir wünschen Ihnen viel Spass beim Lesen.

MÜSELBACH: Dorothee und ihr karges Leben mit Bruder Klaus

Stehende Ovationen erfüllten die Kapelle nach der Premiere des Theaterstücks «Familie von Flüe». Die Laienschauspieler verstanden es, sich mit ihren schwierigen Rollen zu identifizieren und das Publikum in ihren Bann zu ziehen.

«Herzklopfen? Nein, das habe ich nicht gehabt. Ich war mir sicher, dass alles gut geht», sagt Regisseur Peter Bernhardsgrütter im Anschluss an die Premiere des historischen Theaterstücks «Familie von Flüe». «Ich bin sehr zufrieden und freue mich, dass die Kapelle so gut besucht war. Es ist mir ein Anliegen, die oft leer stehenden Kirchen kurzzeitig zu füllen. Auch darum habe ich ein biblisches Stück geschrieben», verrät der 75-jährige Kirchberger.

Die Kapelle in Müselbach war übervoll. Sogar im Nachbarhaus der 83-jährigen Klärli Wick gab es keinen einzigen Stuhl mehr. Sie standen alle im Mittelgang der Kapelle. Diese aussergewöhnliche Situation, zu Hause keine flexible Sitzgelegenheit mehr zu haben, hielt die alte Dame nicht davon ab, nach der Hauptprobe am Gewand des Niklaus von Flüe mit ihrer Nähmaschine flugs eine kleine Änderung vorzunehmen.

Wer Niklaus von Flüe war, ist anhand von zahlreichen Überlieferungen bekannt. Wer aber war seine Frau, die Dorothee? Sie, die ihn aus Liebe gehen liess, um Gott zu dienen, damals im Jahr 1467. Ihr kleinstes von neun Kindern war erst drei Monate alt. Anhand von Randbemerkungen zur Geschichte des Niklaus von Flüe und der Gabe, zwischen den Zeilen zu lesen, rekonstruierte das Theaterensemble das Leben von Dorothee. Alphornklänge von Simon Bernhardsgrütter und Jodelgesang von Lorena und Stefan Segmüller unterstrichen mit der Einfachheit des Bühnenbildes die Bedeutung von Dorothee, die von Doris Scherrer verkörpert wurde. 180 Einsätze und lange Textpassagen packte sie in ihren hübschen Kopf. Ihre Mimik, der Ausdruck ihrer Augen, die Gebärden und ihre Körperhaltung wurden so ehrlich dargestellt, man hätte meinen können, dass die wahrhaftige Dorothee auf der Bühne stehe. Anfang September begannen die nicht mal 20 Proben, viel Zeit zum Lernen hatte sie nicht.

Quasi als Monolog beschrieb die gepeinigte Frau ihr karges Leben mit Niklaus von Flüe, von Paul Raschle hingebungsvoll verkörpert. Der Monolog ähnelte mit der von Hugo Forrer gesprochenen inneren Stimme von Dorothee eher einem spannenden Dialog. Diese spezielle Art von Theater zog sich durch das ganze Stück. Die innere Stimme von Dorothee und die zwischendurch von Margrit Stadler erzählte Geschichte liessen das Publikum eintauchen in die historische Zeit. Obwohl tiefstes Mittelalter, liessen die Textpassagen aufhorchen. Die Beurteilung von Bruder Klaus, dass selbst ernannte wichtige Menschen ständig reden, auch wenn es nix zum Reden gibt, ist auch heute ein brisantes Thema. Er störte sich auch daran, dass wohlhabende Fremde einfach so eingebürgert wurden. Parallelen zu heute waren schon damals vorhanden. Dass aber Dorothee, nur der ewigen und tiefen Liebe wegen, ihren Mann zu verstehen versuchte, aber grad darum fast am Verzweifeln war, wäre eine Botschaft, die heute mehr denn je gehört werden müsste.

Fränzi Göggel

redaktion@wilerzeitung.ch

Merkliste

Hier speichern Sie interessante Artikel, um sie später zu lesen.

  • Legen Sie Ihr persönliches Archiv an.
  • Finden Sie gespeicherte Artikel schnell und einfach.
  • Lesen Sie Ihre Artikel auf allen Geräten.