Münchwilen schielt nach Sirnach

Ende Mai präsentiert der Münchwiler Gemeinderat den Fahrplan für einen Zusammenschluss von Politischer und Schulgemeinde. Vorbild ist die Nachbarin Sirnach. Dort funktioniert die Einheitsgemeinde seit Anfang Jahr bestens.

Olaf Kühne
Drucken
Teilen
Guido Grütter Gemeindeammann Münchwilen (Bild: Olaf Kühne)

Guido Grütter Gemeindeammann Münchwilen (Bild: Olaf Kühne)

MÜNCHWILEN Am 1. Januar schlossen sich in Sirnach Politische und Schulgemeinde zur ersten Einheitsgemeinde des Kantons zusammen. An dieser Pioniertat schien die SVP Münchwilen Gefallen gefunden zu haben. Schon im Vorfeld des Sirnacher Zusammenschlusses, an der Gemeindeversammlung im vergangenen November, stellte die Ortspartei den Antrag, der Gemeinderat möge für Münchwilen das gleiche prüfen.

2018 an der Urne

An der Gemeindeversammlung vom 27. Mai wird Gemeindeammann Guido Grütter seine Stimmbürger über das bisher Erarbeitete orientieren. Denn bereits ist eine Arbeitsgruppe im Einsatz – und ein grober Zeitplan steht auch schon. «Wir könnten 2018 damit an die Urne gehen», sagt Grütter. Wie er persönlich zu dem Ansinnen steht, will er nicht verraten. Es gehe nicht um Meinungen, sagt er, sondern um Fakten und Hintergründe. «Von einer Einheitsgemeinde gibt es praktisch kein Zurück. Wenn wir uns aufgrund von emotional geäusserten Meinungen Hals über Kopf in etwas stürzen, ist niemandem gedient.»

Mit den Fakten und Hintergründen ist denn auch die achtköpfige Arbeitsgruppe beschäftigt. Sie besteht aus Gemeindeammann Grütter, den Gemeinderäten Jos-Reto Bernet und Manfred Filliger, Schulpräsident Thomas Wyser, den Schulbehördemitgliedern Pia D'Angelo und Florian Stotz sowie Schulleiter Rolf Thalmann. Für die Antragstellerin, die SVP Münchwilen, sitzt zudem Cornel Inauen im Gremium.

Fachmann beigezogen

Sirnach dient als Vorbild. Die Münchwiler Arbeitsgruppe hat denn auch schon Pascal Widmer als Berater beigezogen. Der Busswiler sitzt nicht nur in der Sirnacher Schulkommission (vormals Schulbehörde), sondern arbeitet auch für eine Zürcher Beratungsfirma, die just in solchen Fragen schweizweit Gemeinden berät.

Eine Waage für die Finanzen

Der Münchwiler Gemeinderat hat seit der letzten Gemeindeversammlung zudem einen weiteren damaligen Antrag abgearbeitet. Die Einführung einer «finanziellen Haushaltwaage» wurde gewünscht. Dafür hat die Behörde einen neuen Artikel für die Gemeindeordnung kreiert und will diesen am 27. Mai zur Abstimmung bringen. Das Gesetz beinhaltet drei Elemente: Erstens darf das Eigenkapital den Betrag von 30 Steuerprozenten nicht unterschreiten. Passiert es dennoch, muss der Gemeinderat die Finanzen innert drei Jahren wieder ins Lot bringen. Zweitens müssen grössere Ausgaben oder Investitionen nicht nur im Budget, sondern auch im vierjährigen Finanzplan dargestellt werden. Und drittens schliesslich darf der Gemeinderat eine Steuererhöhung nur noch vorschlagen, wenn er gleichzeitig ein adäquates Sparprogramm präsentiert.

Im Gegensatz zur Einheitsgemeinde hält sich Grütter in dieser Frage mit seiner Meinung nicht zurück. «Ich bin dagegen», sagt er, «wie übrigens der ganze Gemeinderat.» Zwar habe man die Vorlage seriös ausgearbeitet. Den Mehraufwand, personell und finanziell, den das neue Gesetz der Finanzabteilung bescheren würde, könne man aber noch nicht abschätzen. Er wäre beträchtlich, ist Grütter überzeugt. Zudem habe die Gemeinde in den vergangenen zehn Jahren stets eine ausgeglichene Rechnung gehabt, gar mit einer Tendenz ins Plus. Man würde also ein Problem lösen, das faktisch gar keines sei.

Aktuelle Nachrichten