MÜNCHWILEN: Private Beistände sind unzufrieden

Auf Einladung der SP-Bezirkspartei informierten Regierungsrätin Cornelia Komposch und Kesb-Vizepräsident René Ziörjen über die Kindes- und Erwachsenenschutzbehörde (Kesb) im Thurgau.

Ruth Bossert
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René Ziörjen und Regierungsrätin Cornelia Komposch stellten sich am Infoanlass den Fragen der Zuhörer. (Bild: Ruth Bossert)

René Ziörjen und Regierungsrätin Cornelia Komposch stellten sich am Infoanlass den Fragen der Zuhörer. (Bild: Ruth Bossert)

Ruth Bossert

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Die Räumlichkeiten der Villa Sutter waren am Montagabend bei weitem zu klein, um dem Grossaufmarsch der Besucher gerecht zu werden. Viele mussten sich mit einem Stehplatz begnügen. Seit Beginn stehe die neue Institution unter höchster Beobachtung, sagte René Ziörjen, Vizepräsident der Kesb Bezirk Münchwilen. Deshalb sei es wichtig, dass sich Interessierte aus erster Hand über die Tätigkeit informieren können.

Mit Beispielen aus der Praxis liess er die Anwesenden teilhaben an Situationen, mit der sich die Kesb tagtäglich auseinandersetzt. Als langjähriger Sozialpädagoge und früherer Gemeinderat in Fischingen kenne er das frühere Vormundschaftswesen und arbeite seit dem Start in der Kesb mit, sagte Ziörjen. Er ist überzeugt, dass mit dem heutigen System genauer hingeschaut werde. Im neuen Gesetz bekämen Betroffene viel mehr Selbstbestimmung und die Solidarität der Familie werde gestärkt.

Als Vorsteherin des Departementes für Justiz und Sicherheit im Kanton Thurgau, erklärte Cornelia Komposch, dass sie 18 Jahre in einer Vormundschaftsbehörde mitgearbeitet habe. Bei der damaligen Einführung der Kesb sei ihr ein Stein vom Herzen gefallen, weil sie die Verantwortung einer professionellen Behörde übergeben konnte.

Rund 4000 Massnahmen am Laufen

Bei dieser Umgestaltung sei hingegen kein Stein auf dem anderen geblieben, deshalb seien auch Fehler passiert, doch nicht mehr als sie früher bei den Vormundschaftsbehörden auch passiert seien. Bei den fünf Kinder- und Erwachsenenschutzbehörden im Kanton Thurgau laufe es sehr gut, anfängliche Schwierigkeiten seien behoben worden, sagte Komposch. Die permanente Kritik einiger prominenter Gegner schade der Arbeit der Kesb. So sei es heute schwierig, gutes Fachpersonal zu gewinnen. «Wer will denn beruflich ständig im Fokus der Kritiker stehen?»

Verschiedene Verbesserungen, die sowohl intern, wie auch von der Politik gefordert wurden, seien bereits umgesetzt worden oder stünden kurz bevor. Die anfängliche Zurückhaltung bei den Arbeitsstellen beim Start habe man nach hartnäckigen Verhandlungen verbessern können. Auch die Zusammenarbeit mit den Gemeinden seien verbessert worden. Im Kanton seien ständig ungefähr 4000 Massnahmen am Laufen, erklärte die Thurgauer Regierungsrätin und fügte bei, dass sich diese Zahl nicht vergrössert habe.

Auf die Frage aus dem Publikum zur Kostenexplosion sagte Cornelia Komposch: «Ein Vergleich mit dem früheren Vormundschaftswesen ist nicht möglich. Die Arbeit der Kesb kostet den Kanton heute 5,6 Millionen Franken». Ein anwesendes Ehepaar mit einem behinderten erwachsenen Sohn warf den Kesb-Verantwortlichen vor, dass sie jetzt einen viel grösseren Aufwand betreiben müssten als zuvor. Einen entsprechenden Antrag, den jährlichen Bericht nur alle zwei Jahre einreichen zu müssen, sei sowohl von der Kesb wie auch vom Obergericht abgelehnt worden. Für das Elternpaar ist es eine Ungerechtigkeit, dass Berufsbeistände nur alle zwei Jahre Bericht erstatten müssen während private Mandatsträger jährlich dazu verpflichtet werden.

Starke Kontrolle kritisiert

Ziörjen bestätigte, dass für private Mandatsträger der Aufwand grösser geworden ist. Die Kesb sei dem Gesetz verpflichtet, um in jedem Fall die Kinder- und Erwachsenenschutzmassnamen zu gewährleisten. Auch ein zweiter Votant monierte, dass private Beistände zu stark kontrolliert werden und dass individuelle Geldanlagen kaum mehr getätigt werden können. Ziörjen unterstrich, dass der Anlegerschutz höher bewertet werde und dass gewisse Einschränkungen bei Geldanlagen bestehen, zur Sicherheit der Schutzbeauftragten.