MÜNCHWILEN: «Es liegt in den Genen»

Die Proben für das Stück «Die Stickerin», das am 8. Juli in Münchwilen Premiere feiert, sind in vollem Gang. Hauptdarstellerin Monika Ricklin zur Faszination Theater und den Schwierigkeiten.

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Bereits voll im Element: Hauptdarstellerin Monika Ricklin (links) und Regisseurin Monika Wild bei den Proben. (Bild: pd)

Bereits voll im Element: Hauptdarstellerin Monika Ricklin (links) und Regisseurin Monika Wild bei den Proben. (Bild: pd)

Frau Ricklin, woher kommt Ihre Faszination für das Schauspiel?

Monika Ricklin: Vielleicht liegt es in meinen Genen. Schon meine Mutter, mein Vater und mein Bruder haben in jungen Jahren in ihrer Freizeit Theater gespielt. Ich liebe Geschichten, lese, erzähle und spiele sie gerne.

Was fasziniert Sie am Schauspiel?

Ricklin: Ich geniesse es, in eine Figur einzutauchen und ihre Wesensart im Schauspiel zu spüren. Wenn es mir schliesslich gelingt, einen Charakter zu verkörpern und die Emotionen auf das Publikum überschwappen, ist das für mich ein grosses Erfolgserlebnis.

Als Schauspielerin arbeiten Sie auch in einem Team. Können Sie dem Positives abgewinnen?

Ricklin: Ja klar. Durch das intensive Probetraining entsteht eine schöne Kollegialität unter den Mitspielern. Es gefällt mir, dass der Ensemble-Erfolg wichtig ist und nicht der Erfolg einzelner Akteure. Alle Mitwirkenden sind dazu aufgefordert, im Rahmen ihrer Möglichkeiten mitzudenken und mitzuhelfen. Dadurch entstehen Zusammenhalt und Begeisterung für das gemeinsame Werk.

Wie sind die Proben bis jetzt verlaufen?

Ricklin: Sehr bereichernd ist, dass uns mit Monika Wild eine Profi-Regisseurin anleitet. Sie sorgt für eine sorgfältige, stimmungsvolle Inszenierung und erteilt uns individuell Schauspielunterricht.

Ist der Wechsel zwischen Alltag und Schauspiel schwierig?

Ricklin: Es ist oft nicht so einfach, sich von seiner Persönlichkeit zu lösen und in die Theaterfigur zu schlüpfen. Ich finde es aber spannend, den Prozess jeder einzelnen Figur mitzuerleben. Es ist ein schönes Gefühl, wenn es gelingt, den auswendig gelernten Sätzen Leben einzuhauchen, und wenn die Figur an Ausdruck gewinnt. Dies braucht manchmal viel Durchhaltewillen und Kritikfähigkeit. Dafür ist die Freude umso grösser, wenn das Resultat stimmig ist.

Was sind Schwierigkeiten des diesjährigen Stücks?

Ricklin: Es ist für mich eine grosse Herausforderung, mich in der Zeit 100 Jahre zurückzuversetzen, da ich nicht annähernd erfahren habe, worin damals der Überlebenskampf bestand. Die Zeiten, als in unserer Gegend schwere körperliche Arbeit und Hungersnot den Alltag prägten, habe ich nur durch Erzählungen meiner Eltern, Grosseltern und Verwandten kennengelernt. Aber genau diese Familiengeschichten, diese wortkargen, kämpferischen Ahnen mit ihrem enormen Durchhaltewillen verdienen es, dass sie nicht vergessen werden.

Wie gefällt Ihnen Ihre Rolle?

Ricklin: Die Figur Lydia Roth gefällt mir sehr gut. Schön, dass heute auf der Bühne vermehrt Stücke mit starken Frauenfiguren gespielt werden. Die Rebellinnen und Kämpferinnen aus früheren Zeiten erhalten einen Platz in der Öffentlichkeit, und ihr Schaffen wird erkannt. Leider sind die Heldinnen des Alltags meist ohne Namen und in Geschichtsbüchern nicht erwähnt.

Was reizt Sie mehr: Rollen, die Ihrem Naturell entsprechen, oder solche, die Ihnen fremd sind?

Ricklin: Wenn ich mich während Monaten mit meiner Rolle auseinandersetze und mich in die Figur hineinfühle, erkenne ich jeweils genau, welche Anteile mir leicht fallen, zu spielen, da diese auch in meiner Persönlichkeit ihren Platz haben. Spannend sind aber diejenigen Aspekte, die mir fremd sind oder denen ich im persönlichen Leben keinen grossen Platz einräumen möchte. Ich verkörpere dieses Mal eine wehrhafte, bodenständige Schafferin, welche sich trotz der Unbill des Lebens nicht unterkriegen lässt. Von dieser Figur möchte ich auch für mich persönlich eine Scheibe abschneiden. (red.)