MÜNCHWILEN: Eine Gemeinde, zwei Netze

In Münchwilen verlegen Swisscom und das Elektrizitätswerk ihre eigenen Glasfaserkabel. Erstere baut bereits Anfang Juni. Sorge, dass für das Elektrizitätswerk die Konkurrenz durch Swisscom zu gross ist, hat der Gemeindepräsident keine.

Adrian Grzonka
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Konkurrenz im Glasfaserbau: Im Hinterthurgau wird es künftig parallel verlaufende Glasfasernetze geben. (Bild: Urs Bucher)

Konkurrenz im Glasfaserbau: Im Hinterthurgau wird es künftig parallel verlaufende Glasfasernetze geben. (Bild: Urs Bucher)

MÜNCHWILEN. Gleich in mehreren Gemeinden der Region wird es künftig zwei parallele Glasfasernetze geben: eines der Swisscom und eines, das von den jeweiligen Gemeinden oder ihren Elektrizitätswerken gebaut wird. Nebst Eschlikon, Sirnach und Bichelsee-Balterswil wird nun auch im Hinterthurgauer Bezirkshauptort Münchwilen doppelt in die Glasfaser investiert: Die Swisscom beginnt mit dem Verlegen der Glasfaser Anfang Juni. Die Genossenschaft Elektrizitätswerk Münchwilen (EWM) wird laut Gemeindepräsident Guido Grütter mit dem Bau ihres eigenen Netzes «sobald als möglich» beginnen.

Zwei verschiedene Strategien

Das Elektrizitätswerk und der Branchenriese Swisscom verfolgen in der gut 5000 Einwohner zählenden Gemeinde allerdings unterschiedliche Pläne: Die Swisscom baut ihr Glasfasernetz lediglich bis 200 Meter vor die Haustüren der Benutzer aus. Auf den letzten Metern sollen nach wie vor die alten Kupferkabel zum Einsatz kommen. Dieser Teilausbau reiche mittelfristig völlig aus, sagt Annina Merk, Mediensprecherin von Swisscom. Bis Ende Jahr erhöhe sich die Bandbreite bereits auf 100 Megabit pro Sekunde. Mitte 2017, wenn Swisscom ihren Ausbau beendet haben wird, soll die Leistung gar bis zu 500 Megabit pro Sekunde sein, sagt sie.

Das Elektrizitätswerk lässt sich mit dem Ausbau der schnellen Glasfaser etwas mehr Zeit: Im Jahr 2022 soll ihr Netz vollständig sein, dafür aber eine Übertragungsgeschwindigkeit von bis zu einem Gigabit pro Sekunde ermöglichen. Denn die Genossenschaft wird die Glasfaserkabel nicht nur bis 200 Meter vor, sondern direkt zum Endverbraucher verlegen.

Guter Kontakt zu Kunden

Dass mit dem anstehenden Ausbau von Swisscom die Konkurrenz für das Netz des Elektrizitätswerks zu gross sei, glaubt Gemeindepräsident Guido Grütter nicht. Die Genossenschaft sei in der Gemeinde bereits gut verankert. Bis anhin habe diese ein Netz mit Koaxialkabel betrieben und deshalb bereits viele Kunden. Swisscom hingegen sei dabei, Kunden für ihr neues Netz anzuwerben, sagt Grütter. Mit welchen Methoden die Kommunikationsfirma potenzielle Kunden gewinnen will, teilt diese auf Anfrage nicht mit.

Das Netz ist oft überlastet

Dass die Glasfaser nach Münchwilen kommt, wertet Grüter als «sehr erfreulich». «Die Glasfaser ist die Zukunft.» Derzeit sei das Netz der Gemeinde an Abenden oft überlastet.

Aus Sicht des Gemeinderates sei ebenfalls positiv, dass die Kosten für den Ausbau aus privater Hand – heisst von der Genossenschaft Elektrizitätswerk Münchwilen – und nicht von der Gemeinde getragen werde, sagt Grüter. Somit würden für die Gemeinde keine Mehrkosten entstehen, wie dies etwa in der Gemeinde Eschlikon geschehen sei, sagt er.

Guido Grütter Gemeindepräsident Münchwilen (Bild: Nana do Carmo)

Guido Grütter Gemeindepräsident Münchwilen (Bild: Nana do Carmo)