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Müller-Drossaart auf der Stör

Weltliteratur und Mundartgedicht – Hanspeter Müller-Drossaart hat als Störvorleser die Uzwiler Gemeindebibliothek besucht. Umrahmt wurden die stimmigen Texte von der Musikerin Silvia Abegg.
Kathrin Meier-Gross
«Hanspeter, do stimmt öppis nöd!» Silvia Abegg und Hanspeter Müller-Drossaart müssen die Rollen finden. (Bild: Kathrin Meier-Gross)

«Hanspeter, do stimmt öppis nöd!» Silvia Abegg und Hanspeter Müller-Drossaart müssen die Rollen finden. (Bild: Kathrin Meier-Gross)

UZWIL. Nein, sie haben sich vorher noch nie getroffen. Geschweige denn den Ablauf des Abends besprochen. Silvia Abegg, die rothaarige Musiktherapeutin aus dem Kanton Thurgau, handelt spontan und der Situation angepasst. Sowohl bei der Zusage zu «Walz & Stör» als auch bei der musikalischen Umrahmung der Gedichtvorträge von Hanspeter Müller-Drossaart.

Rollen vertauscht

Als sich der Vorhang öffnet, steuert Müller zur Handharmonika und Abegg setzt sich an den Lesetisch. «Do stimmt doch öppis nöd», sind sich beide schnell einig und wechseln die Plätze. «Jetzt passt's», freut sich Abegg und jodelt und «schnurrägigälät» los. Die Frau mit dem Kravattenrock kann's auch volkstümlich-rockig: «Jolololidü, das wär's fürs erschti gsi.» Jolanda Erismann, die Leiterin der Gemeindebibliothek, hatte bei der Begrüssung kurz Hanspeter Müllers beruflichen Werdegang zusammengefasst. Beim nicht mehr ganz jungen Publikum dürfte er aus der Serie Lüthi und Blanc in Erinnerung geblieben sein. Müller ergänzt augenzwinkernd und im Balkanslang, dass er seit dem Film Cannabis auch von Jugendlichen angesprochen werde. Als «warm up» kredenzt der Störvorleser aus dem Buch «Lieber Gott, du bist der Boss, Amen! Dein Rhinozeros» ulkige und doch geistreiche Gedichte von bekannten deutschen Dichtern, welche die hohe Kunst der Komik beherrschen. Passend zur Fastenzeit hat Müller einen Text von Georg Kreisler ausgewählt: «Als wir noch dünner waren, standen wir uns näher …!» So viel schwarzem Humor fügt die Musikerin disharmonische Töne an. Mit der Ringparabel aus Lessings Nathan der Weise greift der Vorleser die Frage auf, welche Religion die richtige sei. Auf vier englische Zeilen aus Shakespeares Sonett 18 folgt die walliserdeutsche Version – ein schönes Liebesgedicht.

Exkurs durch die Dialekte

Müller jongliert mit Leichtigkeit durch die verschiedenen Dialekte. Auf einer Schweizer Reise streift er die skurrilen Dialoge des Berners Ernst Eggimann. Er spricht berührend Franz Hohlers Lied «Wenn i moll alt bi». Auf rätoromanische Verse folgen «en Sack voll Buäbäseeligkeitä» vom Basler Blasius und Ostschweizer Geschichten von Erwin Messmer. Müller, der gebürtige Obwaldner, erheitert mit den Lebensweisheiten des Pfarrers Kari Imfeld und zitiert köstlich Peter Bichsel. «Ein toller Abend voll Ironie und Freude» – die Dankesworte von Jolanda Erismann sprechen dem Publikum aus dem Herzen. Beim Apéro sinnieren einige Gäste, welch kulturelles Juwel die Gemeinde mit ihrem initiativen Bibliotheksteam ihr Eigen nennen darf.

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