Mozart und Presley in der Kirche

Am Sonntagabend konzertierte das Brassensemble O5 in der katholischen Kirche Niederbüren. Auf dem Programm stand anfangs Klassik mit Ouvertüren von Mozart, Verdi und Weber und im zweiten Teil wurden frühe Jazzstücke gespielt.

Carola Nadler
Drucken

NIEDERBÜREN. Anfangs kamen sie noch ganz brav daher, die vier Musiker und die eine Musikerin von O5. Und spielten, wie es sich gehört: Ouvertüren von Weber, Mozart, Verdi. Nach einer kurzen Pause jedoch packten sie aus, nämlich ihre Klamotten: orangefarbene Fliegen und Kummerbünde, platinblonde Perücken, eine Kuckucksuhr und eine Elvis- Presley-Perücke samt weissem Jackett. Dass Vielfalt in der Konzertlandschaft gut ankommt, bewies das begeisterte Publikum.

«Händ ehr's?»

Das Publikum war denn auch von Anfang an mit ins Konzertgeschehen eingebunden. Zu Beginn noch artig in sechs Sitzreihen im mittleren Drittel der Kirche gequetscht, hob Tubist Marcel Schöni diese Sitzordnung nach dem ersten Stück auf: «Kommen Sie mit Ihren Sitzpolstern weiter nach vorne, da hinten ist es so kalt.» Und flugs begann die Migration in die vorderen Bänke, die Sitzordnung sichtlich aufgelockert. Auch dass ein Kind gegen Ende des Konzertes lautstark fragte: «Händ ehr's?» wurde in die Moderation eingebaut und selbigem Kind bald angekündigt: «Jetzt kommt dann das letzte Stück.»

So machen's alle …

Zu Beginn wie gesagt ging es noch gesittet zu. Carl Maria von Webers Ouvertüre zu seiner Oper «Der Freischütz» passte mit seiner Jäger- und Waldhorn-Romantik so richtig in den vernebelten Herbst, fast schon geriet der Jägerchor zu einer liebevollen Parodie, das gesungene «Juhu fallera, fallera, fallera» jedenfalls gab dem Stück eine willkommene Würze. Wolfgang Amadeus Mozarts Oper «Così fan tutte» stand mit ihrer Ouvertüre an nächster Stelle: Breit und behäbig setzte die Tuba die Silben des Titels Co-si-fan-tuuuuu-te in den Raum, bevor diese das gesamte Ensemble wie eine eindrückliche Bestätigung wiederholte: So machen's alle, wie die Übersetzung des Titels heisst. Gemeint sind dabei allerdings nur die Frauen. Danach interpretierte das Ensemble die Mozartschen Sechzehntelnoten ungemein spritzig, allerdings erstickte die Akustik der grossen Kirche den Klang in einem massiven Hall. Dennoch faszinierte die Virtuosität überaus, die in den ungemein originellen Arrangements hervorragend zur Geltung kam.

Schicksale

Als letzter «Klassiker» erklang Giuseppe Verdis «La Forza del Destino»-Ouverture, «Die Macht des Schicksals». Gut ausgekostet waren die zweimal drei machtvollen Schläge des Schicksals an die Tür des Lebens, die massiven Bläserakzente knüppelten das arme Menschlein regelrecht nieder. Doch danach entwickelten sich die wunderschönen Verdischen Belcanto-Bögen, wie man sie liebt.

Den Übergang zum zweiten Konzertteil gestaltete «Simmeliberg»: Über einen lange getragenen Tuba-Basston entwickelte sich in den übrigen Bläsern die melancholische Melodie des ersten Teils, effektvoll wurde der tänzerische Charakter des zweiten Teils gegenübergestellt.

Jazz, Rock und Volksmusik

Mit frühen Jazzstücken wie «Black Bottle», einem wilden Tanz aus dem New York der 20er-Jahre, oder «Oh No», welches die Musiker zu einem «Oh Five» umfunktionierten, kam dann ein ganz anderer Musikstil in die Kirche, der ebenso begeisterte und zahlreiche Zugaben erforderte, darunter «L'iverno è passato» mit einem kuckucksuhrköpfigen Tubisten und einem stillen «Letzte Rose».