Montoya sucht den richtigen Sound

kirchberg. Aus den Lautsprechern schallt eine bluesig-soulige Version von Willie Nelsons «Time slips away». Das Publikum unterhält sich, von Musikern keine Spur. Ein Besucher findet, 21 Uhr sei es gewesen, die könnten nun erscheinen. Jetzt kommt Leben auf die Bühne.

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Coco Montoya ist einer der wenigen Linkshänder unter den Bluesern. (Bild: alb.)

Coco Montoya ist einer der wenigen Linkshänder unter den Bluesern. (Bild: alb.)

kirchberg. Aus den Lautsprechern schallt eine bluesig-soulige Version von Willie Nelsons «Time slips away». Das Publikum unterhält sich, von Musikern keine Spur. Ein Besucher findet, 21 Uhr sei es gewesen, die könnten nun erscheinen. Jetzt kommt Leben auf die Bühne. Ein Mann mit Rucksack zwängt sich hinter das Schlagzeug. Einer mit Schirmmütze setzt sich ans Keyboard, ein anderer ergreift den Bass.

Dann ist auch ein vierter Mann da, der grösste und schwerste des Quartetts, mit vollem, dunklem Haar: Coco Montoya. Bevor «Eintracht»-Wirt Bruno Metzger das Konzert definitiv eröffnen kann, möchte Montoya noch einen Soundcheck machen. Der fällt kurz aus. Zu kurz, wie sich bald zeigt.

Jeder Künstler will es anders

Endlich geht die Fahrt los, in einem Cadillac. Die amerikanische Automarke spielt eine Rolle im ersten Lied. Die technische Ausrüstung für einen guten Sound ebenfalls.

Rückkopplungen, ein Brei von Tönen. Die Mimik deutet an, dass Coco Montoya nicht zufrieden ist. Er verzieht sein Gesicht, gestikuliert mit den Händen. Die beiden Männer am Mischpult sind gefordert, wieseln immer wieder auf und neben der Bühne herum, um Stecker zu überprüfen oder Boxen zu verrücken. Schliesslich wird das Mikrofon des Sängers ausgewechselt. «Check, one, two», prüft Montoya. Endlich tönt es zufriedenstellend, aber noch nicht hervorragend.

Die beiden Tontechniker sind keine Neulinge. Sie haben in der «Eintracht» schon öfters für den Sound gesorgt. «Coco Montoya stellte andere Anforderungen», erklärt David Fust vom «Eintracht»-Team. Jeder Künstler hat so seine Vorlieben. Vermutlich sei das erste Mikrofon defekt, Genaues lasse sich noch nicht sagen.

Die Schwierigkeiten mit dem richtigen Sound trüben den Hörgenuss mindestens anfänglich. Montoya selbst scheint der zweite Auftritt in Kirchberg dennoch Freude zu bereiten.

Er zieht sein Programm durch, schäkert mit dem Publikum und erzählt zwischendurch kleine Geschichten aus seinem Leben.

Coco Montoya, 1951 als Henry Montoya geboren, spielte schon mit Bluesgrössen wie Albert Collins und John Mayall. Zehn Jahre war er Mitglied von dessen Bluesbreakers, bevor er seine Solo-Karriere startete. Der Kalifornier ist einer der wenigen Blueser, welche die Gitarre linkshändig spielen.

In der «Eintracht» stellt er vor allem sein neues Album «I want it all back» vor, das eben erst auf den Markt kam. Es sei nicht mehr so rockig wie die früheren Werke, findet ein deutscher Kritiker. In Kirchberg geht es aber ganz ordentlich zur Sache. Und vor allem sehr laut. «Das war schon ziemlich am Limit», zieht ein Besucher aus Ganterschwil Bilanz.

Jeder darf einmal

Natürlich ist der Bandleader die dominierende Figur auf der Bühne. Viel Präsenz markiert aber auch Keyboarder Brant Leeper. Gegen den Schluss des Programms erhält die Rhythmus-Sektion viel Auslauf. Nach einem Bass-Solo von Nathan Brown bearbeitet Ryan Hayes das Schlagzeug, als wolle er es verprügeln.

Lang anhaltender Applaus lockt Montoya und Leeper nochmals zurück auf die Bühne.

Das Titelstück des neuen Albums «I want it all back» beendet das von einigen Misstönen begleitete zweite Konzert von Coco Montoya im Untertoggenburg. Einer der Songs heisst «Good days, bad days». Die Tontechniker haben an diesem Abend wohl nicht den besten Tag. Albert Büchi

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