Monika Scherrer ist Ortsbürgerin

Die Ortsbürgerversammlung 2016 stand im Zeichen einer ausserordentlichen Einbürgerungsaktion, die dazu führte, dass Degersheim neu 238 Ortsbürgerinnen und -bürger zählt. Das sind 121 mehr als zuvor.

Michael Hug
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Dieses Schreiben machte 121 Degersheimer zu Ortsbürgern. (Bild: Michael Hug)

Dieses Schreiben machte 121 Degersheimer zu Ortsbürgern. (Bild: Michael Hug)

DEGERSHEIM. Die Ortsbürger sind ein Verein, dessen Mitglieder nur eine Pflicht haben: nämlich an der jährlichen Versammlung teilzunehmen. 20 Minuten die Abarbeitung der ordentlichen Traktanden zu erdulden, nehmen die Anwesenden gerne in Kauf, angesichts des anschliessenden offerierten Nachtessens. «Bis anhin reichte für die Ortsbürgerversammlung ein kleiner Saal, doch in diesem Jahr mussten wir umdisponieren», sagte der Ortsbürgerpräsident, Urs Stutz. Am Montagabend waren in der Aula des MZG nämlich 65 Ortsbürgerinnen und Ortsbürger erschienen, mehr als doppelt so viele wie in vergangenen Jahren.

Kanton St. Gallen ermunterte

Diese Steigerung hatte einen Grund. 2015 ermunterte der Kanton St. Gallen die Gemeinden zu einer ausserordentlichen Einbürgerungsaktion. Urs Stutz: «Die Absicht war, bereits eingebürgerte Schweizer Bürger, die schon länger in Degersheim sesshaft sind, zu günstigen Konditionen als Ortsbürger aufzunehmen.» Den Aufruf zur Einbürgerung nutzten 121 Personen in Degersheim-Dorf, denn Wolfertswil hat eine eigene Ortsbürgergemeinde. Stutz: «Die Zahl der Ortsbürger stieg somit auf 238.» Von den Orts-Eingebürgerten hätten rund die Hälfte das Bürgerrecht einer st. gallischen Gemeinde besessen. Dieses besitzen sie auch weiterhin.

Die zweite Hälfte war vorher Bürger oder Bürgerin eines anderen Kantons, wobei diese zum Teil dieses Bürgerrecht abgaben. Die Orts-Einbürgerung kostete nur 100 Franken für Erstere und 250 für Ausserkantonale, wobei zwei Drittel davon in die Kasse der Ortsbürgergemeinde flossen. Die Kriterien für die Einbürgerung waren ein «sauberer» Betreibungs- und Strafregisterauszug sowie mehrere Jahre Wohnsitz in Degersheim.

Verhältnis ausgleichen

«Grund für die Aktion war, den Anteil der Ortsbürger mit Schweizer Wurzeln in ein ausgeglichenes Verhältnis zu den Eingebürgerten zu bringen», erklärte Urs Stutz Es liege in der Natur des Systems, dass die Zahl der Ortsbürger mit ererbten Bürgerrecht durch Wegzug oder Hinschied stetig sinke. Die Zahl der eingebürgerten Ausländer, die, sofern sie in Degersheim wohnhaft bleiben, automatisch zu Ortsbürgern werden, steigt aber mit jeder Einbürgerung. Elf Einbürgerungsgesuche sind etwa derzeit hängig. Damit bestehe die Tendenz, dass im Verein der Ortsbürger irgendwann keine Bürger mit ererbtem Bürgerrecht mehr sind. «Da kein Land der Welt ausser der Schweiz einen Bürgerort kennt, bleiben Bürgerrecht oder Ortsbürgerschaft für Eingebürgerte stets abstrakte Institutionen», sagt Stutz.

Gemeindepräsidentin darunter

Auch wenn die Ortsbürger keine Aktivitäten ausrichten, so verwaltet der Verein doch ein Vermögen von rund einer Viertel Million Franken plus das Vermögen der Stiftung Ersparnisanstalt von knapp 600 000 Franken. Das Ziel sei, so der Präsident, dieses Vermögen auf dem jetzigen Stand zu halten und aus den Erträgen die Vereinszwecke zu erfüllen. Diese wären: Gewährung von Stipendien an Lernende, Unterstützung von kulturellen Aktivitäten sowie der obligate Znacht an der Ortsbürgerversammlung. Unter den 121 frisch Orts-Eingebürgerten befindet sich auch die Degersheimer Gemeindepräsidentin Monika Scherrer, sie ist nun Bürgerin von Degersheim.