Mondholz hält behaglich warm

Hans Gisler, Kleinunternehmer aus dem Toggenburg, entwickelt neuartige Holzelemente, mit denen sich umweltfreundlich bauen lässt.

Alexandra Grüter-Axthammer
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ganterschwil. Der Betrieb von Hans Gisler ist auf die Entwicklung von Holzelementen spezialisiert, die wärmetechnisch besonders gut sind: In zwölf Zentimeter breite und knapp drei Zentimeter dicke Fichtenbretter werden beidseitig schmale Schlitze gefräst. Das fertig geschlitzte Holz ist biegbar und erinnert an eine Handorgel. Daraus fertigt Gisler Holzelemente, die für den Hausbau verwendet werden können – in die Mitte kommt das Schlitzholz, die äusseren Schichten sind aus massivem Fichtenholz, die verschiedenen Hölzer werden zusammengeklammert.

«Wir benutzen weder Leim noch Chemie. Der Baukörper besteht ganz einfach nur aus Holz und Luft», sagt Gisler. Die Kombination von Holz und ruhender Luft in den Schlitzen isoliere sehr gut, weshalb die Holzelemente ausserordentlich gut dämmten.

Sehr gute Eigenschaften

Gisler verarbeitet vorwiegend Mondholz aus dem Toggenburg. Die Bäume müssen dazu im Winter bei abnehmendem Mond kurz vor Neumond geschlagen werden.

Bei der Fällung wird darauf geachtet, dass der Wipfel bergab liegt, und die Äste noch einige Wochen am Baum bleiben. Der Baum versucht noch Früchte zu bilden und leitet die letzten Säfte in die Äste, so ist der Stamm nach dem Entasten schneller trocken. Mondholz wird nachgesagt, dass es unter anderem sehr trocken, schwindarm und unempfindlich gegen Fäulnis oder Insektenbefall ist.

Gisler hat bereits viel Zeit und Geld in die Entwicklung der geschlitzten Holzelemente gesteckt. Unterstützung vom Bund hat er bislang keine erhalten: «Leider bekommen wir keine Fördergelder vom Bund», sagt er, «in Österreich ist das anders, dort werden solche Forschungsprojekte vom Staat finanziell unterstützt.»

Holz und seine Werte

An der ETH in Zürich und der EMPA in Dübendorf laufen seit einem Jahr Tests mit Gislers Bauelementen, um herauszufinden, wie gut sie dämmen.

Matus Joscak vom Institut für Bauphysik der ETH, der am Test beteiligt ist, erklärt: «Das Schlitzsystem von Gisler ist sehr ausgeglichen im Wärmeverhalten. Das ist ein Vorteil gegenüber anderen Baukörpern. Die gemessenen Werte liegen zwischen einem Massivholzhaus und einem Ständerbau.» Gislers Elementwände würden eine konstante Wärmestabilität aufweisen, weshalb die Wärme nur langsam aus den Wänden entweiche.

«Das ist vor allem im Winter ein Vorteil, wenn wenig Sonne zum Aufwärmen da ist», ist Gisler überzeugt. Er bezahlt die Tests an der ETH selber, weil es wichtig sei, dass er die wärmetechnischen Vorteile seiner Entwicklung auch wirklich mit Zahlen und Daten belegen könne. «Die Zahlen sagen aber nicht alles aus», fügt Gisler hinzu.

Konstruktionen mit einem tiefen U-Wert – dieser gibt die Wärmeleitfähigkeit eines Materials an – gelten als günstig. Je tiefer der Wert ist, umso besser soll das Material für den Hausbau sein. Für Gisler ist das ein Unsinn. Ein Minergiehaus mit Ständerbaukonstruktion hat zum Beispiel einen tiefen U-Wert – ein Haus aus Massivholz schneidet indes schlechter ab. Als Ständerbau bezeichnet man Häuser, deren tragendes System aus Holz ist, ähnlich wie bei einem Riegelbau. Die Seitenwände werden mit Platten versehen, zudem wird es mit Glasfasern isoliert.

Trotz des tiefen U-Wertes ist die Speicherfähigkeit dieser Wände gering. Schaltet man in einem solchen Haus an einem kalten Wintertag die Heizung aus, kühlt es sehr schnell aus. Man spricht auch vom Barackenklima. Massivholzhäuser verfügen hingegen über eine grosse Speicherfähigkeit, deshalb dauert es etwa dreimal länger, bis ein solches Haus ausgekühlt ist. Dieser Effekt werde bei der reinen Fixierung auf den U-Wert viel zu wenig berücksichtigt, sagt Gisler.

An der Immomesse

Sein System verhält sich ähnlich wie ein Massivholzhaus, weil es die Energie der Wintersonne besser speichert und im Sommer verhindert, dass sich das Haus überhitzt. Hans Gisler präsentiert sein Produkt an der heute beginnenden Immomesse in St. Gallen, sie dauert bis 21. März.

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