MOGELSBERG: Er war schon mal im Neckertal

Selten genug reisen prominente Schriftsteller ins Toggenburg. Den Bibliotheken des Neckertals ist es dennoch gelungen, den Berner Romanautor Lukas Hartmann zu engagieren: ins «Rössli» in Mogelsberg.

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Der Berner Schriftsteller Lukas Hartmann gastierte für eine Lesung im «Rössli» in Mogelsberg. (Bild: Michael Hug)

Der Berner Schriftsteller Lukas Hartmann gastierte für eine Lesung im «Rössli» in Mogelsberg. (Bild: Michael Hug)

Lukas Hartmann, 73-jähriger Berner Schriftsteller, der eigentlich Hans-Rudolf Lehmann heisst und mit Bundesrätin Simonetta Sommaruga verheiratet ist, zeigte sich vom Ort, an dem er am Freitagabend las, relativ unberührt. Er sei vor 20 Jahren schon mal hier gewesen, meinte er zu Beginn der Lesung, aber er wisse nicht mehr warum. Hartmann kam dann recht schnell zur Sache, nämlich der Lesung aus seinem Roman «Auf beiden Seiten». Doch nicht ohne vorher auf das Thema einzuleiten: «Diese zwei Seiten sind vielfältig zu verstehen: Das sind zwei Generationen, zwei politische Seiten, es sind zwei Länder – auf beiden Seiten.» Geschrieben zum einen aus der Sicht des jungen Mannes Mario um 1989/90 und zum anderen aus der Perspektive seines ehemaligen, 16 Jahre älteren Deutschlehrers Armand Gruber.

Karrierestart als Lehrer

Hartmann, der nicht als Schriftsteller, sondern als Lehrer und später als Journalist seine berufliche Laufbahn startete, las im ersten Teil etwa zwanzig Minuten. Dabei wurde gewahr, dass da eine versierter Romancier vor dem Publikum sass. Vielmehr wenn er auf seine Texte einleitete, vermochte er die Zuhörerinnen und Zuhörer als begnadeter Erzähler zu faszinieren; mehr denn als Vorleser seiner eigenen Texte. Hier erlag die Faszination schliesslich den allzu schnell und emotionslos vorgetragenen Worten. Es schien, als müssten diese möglichst schnell gelesen, raschestmöglich hinter sich gebracht werden.

Charisma und signierte Bücher

Hartmann ist Schriftsteller, nicht Schauspieler, seinen Vorträgen mehr Spannung und Charisma zu verleihen hatte der Erfolgsautor offensichtlich nicht im Sinn. Doch waren es gerade die Einleitungen, die neugierig machten auf die Texte und Bücher, und gar manches fand am Schluss der Veranstaltung den Weg in die Taschen des Publikums: vom Autor persönlich signiert, wie es sich gehört.

Harfenspiel als Kontrast

Die Lesung, die nach der Vorstellung von drei Sequenzen aus drei Büchern, zuletzt aus dem noch unveröffentlichten Roman «Ein Bild von Lydia», der im Februar nächsten Jahres erscheinen wird, insgesamt fast zwei Stunden dauerte, wurde von der jungen, im ersten Lehrjahr als Elektronikerin steckende Harfenistin Mirjam Bollhalder begleitet. Den berühmten Autor und Träger zahlreicher Preise nach Mogelsberg zu engagieren, schaftten die Teams der Neckertaler Bibliotheken von Mogelsberg, Brunnadern und Hemberg sowie die Vortrags- und Lesegesellschaft Toggenburg. Für dessen Auftritt im Mogelsberger «Rössli» interessiert hatten sich knapp 30 Zuhörerinnen und Zuhörer.

Michael Hug

redaktion@wilerzeitung.ch