Moderne zieht ins Stickerquartier

Die Fensterscheiben im Obergeschoss sind eingeschlagen, die Fassade bröckelt. Jahrelang haben die Wohnungen an der Rösslistrasse 13 leergestanden. Jetzt soll die Liegenschaft abgerissen und durch einen Neubau ersetzt werden.

Andrea Häusler
Drucken
Teilen
Der Altbau soll durch einen modernen Neubau mit eingezogenen Balkonen und Vorgärten ersetzt werden.

Der Altbau soll durch einen modernen Neubau mit eingezogenen Balkonen und Vorgärten ersetzt werden.

FLAWIL. Es ist der zweite Anlauf, den Engjell Prenrecaj aus Bazenheid unternimmt, um den zwischenzeitlich zum Schandfleck gediehenen Altbau an der Rösslistrasse 13 in ein optisch und funktional zeitgemässes Wohn- und Geschäftsgebäude umzugestalten. Bereits im Dezember 2011 – ein Jahr nachdem Prenrecaj die Liegenschaft von Rudolf Hug erworben hatte – lag im Flawiler Gemeindehaus ein Bauprojekt für die Liegenschaft im ehemaligen Stickereiquartier auf. Damals allerdings waren ein Umbau sowie eine umfassende Innen- und Aussenrenovation geplant gewesen.

Sechs Wohnungen

Jetzt sollen die baulichen Restanzen der Vergangenheit verschwinden. Die Bauherrschaft will die Liegenschaft zurückbauen und durch einen Neubau mit sechs Wohnungen sowie Garagen und Gewerberäumen im Erdgeschoss ersetzen. Das Projekt aus dem örtlichen Architekturbüro Geissberger liegt derzeit und noch bis zum 1. Februar im Gemeindehaus öffentlich auf.

Das Neubauprojekt mit der geplanten Holzfassade und den gänzlich fehlenden Dachvorsprüngen wirkt modern. Während der Zugang zu den Gewerberäumen an der Rösslistrasse vorgesehen ist, sollen die Wohnungen von der Rückseite des Gebäudes – ab der Kanzleistrasse/dem Oberdorfweg zugänglich sein. Für Fahrzeuge wird der Neubau über die Kanzleistrasse erschlossen. «Weil die Bauherrschaft – laut Quartierrichtplan – verpflichtet ist, einen für dieses Quartier einst typischen Vorgarten wieder herzustellen», erklärt der Geschäftsleiter Bau und Infrastruktur der Gemeinde Flawil, René Bruderer. Über die Kanzleistrasse bestehe bereits heute ein als Dienstbarkeit eingetragenes Zufahrtsrecht.

Firsthöhe von zwölf Metern

Wenige Liegenschaften im Stickereiquartier weisen vier volle Etagen auf. Die Geschossigkeit sei, sagt Bruderer, in der Kernzone nicht das relevante Kriterium – entscheidend sei die Firsthöhe, die zwölf Meter nicht überschreiten dürfe. Ohnehin sei das Korsett der baurechtlichen Vorschriften in dieser Zone – im Gegensatz zu den architektonischen – nicht allzu eng geschnürt. Massgebend seien im wesentlichen die Einhaltung der Gebäudehöhen und der Grenzabstände.

Beratung durch Architekten

Am kommenden Montag läuft die Auflagefrist für das geplante Bauvorhaben ab. Bis dahin haben Berechtigte Gelegenheit zur Einsprache. Unabhängig davon, ob solche eingehen, bedeute das Ende der öffentlichen Auflage nicht zwangsläufig, dass ein Projekt bewilligt wird, beziehungsweise überhaupt bewilligungsfähig ist. Die detaillierte Baugesuchsprüfung erfolge erst nach der öffentlichen Auflage – nicht nur im konkreten Fall, sondern generell, sagt René Bruderer. Bei Bauten im Stickerquartier würden Projekte von einem Beratungsgremium mit zwei Architekten beurteilt. Ein Treffen mit den Fachleuten finde nächste Woche statt.

Die Neubauvisiere stehen, die Liegenschaft an der Rösslistrasse 13 wird bereits geräumt. (Bilder: Andrea Häusler)

Die Neubauvisiere stehen, die Liegenschaft an der Rösslistrasse 13 wird bereits geräumt. (Bilder: Andrea Häusler)

Aktuelle Nachrichten