Sympathiewelle für ausgesetzten Welpen

Die Geschichte des in einem Wiler Geissengehege ausgesetzten Welpen Nemo bewegt weit über die Stadtgrenze hinaus. Schon über 100 Personen interessieren sich für ihn. Vorerst bleibt er aber im «Gnadenhof».

Simon Dudle
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Ein Plüschtier für Welpe Nemo: Auch das gehört zum Aufbauprogramm im Tierheim in Dicken. (Bild: PD)

Ein Plüschtier für Welpe Nemo: Auch das gehört zum Aufbauprogramm im Tierheim in Dicken. (Bild: PD)

Der heimliche Star der Stadt Wil heisst seit dieser Woche Nemo. Und dies, obwohl er erst sieben Wochen alt ist und fast gestorben wäre. Oder genau deswegen. Der Welpe wurde am Neujahrsabend im Geissengehege beim Wiler Stadtweier ausgesetzt. Höchstwahrscheinlich von jemandem, der den Hund geschenkt bekommen hat und ihn schon bald nicht mehr wollte. Der in der Nähe wohnende Stadtparlamentarier Sebastian Koller hörte ein langes, trauriges Jaulen und rettete den Hund.

Zum Glück. «Das Tier hätte die Nacht in der Kälte nicht überlebt.» Das sagt Marcel Jung vom Tierheim Papageienhof in Dicken, wo Nemo aufgepäppelt wird und seither wohnt. Da die Geschichte von diversen Medien aufgenommen wurde, steht das Telefon im Papageienhof – auch Gnadenhof genannt – seither kaum mehr still. Viele wollen Nemo ein neues Zuhause geben. Schon über 110 Mails hat Jung zu dieser Thematik erhalten.

Dem Sünder droht Gefängnis

Doch so schnell wird der Welpe das Tierheim nicht verlassen. «Er braucht nun ein Sozialprogramm. Man hätte ihn nicht schon in diesem Alter von seiner Mutter wegnehmen dürfen. Zum Glück haben wir eine soziale Hündin bei uns», sagt Jung. Nemo in Dicken einen Besuch abzustatten, ist keine gute Idee. Dieser wird derzeit fern von unbekannten Menschen gehalten. Noch knapp 60 Tage wird Nemo in Dicken bleiben. Dies hat auch einen rechtlichen Grund. Denn so lange kann der eigentliche Halter den Welpen zurückfordern. In diesem Fall droht dem Besitzer aber Ungemach. Am Mittwochabend gab Sebastian Koller an, eine Strafanzeige gegen Unbekannt einzureichen. Gleiches haben die beiden Tierschutzbeauftragten von Wil, Nadja Müller und Marcel Jung, getan. «Für eine solche Tat droht Gefängnis. Wenn der Täter gefunden wird, soll es ihn so richtig treffen», sagt Jung.

Nemo bleibt wohl im Kanton St. Gallen

Die 60 Tage nutzt der Leiter des Tierheims in Dicken auch, um ein neues Zuhause für Nemo zu finden. Die meisten der Personen, die sich gemeldet hätten, seien nicht geeignet. «Einige wussten nicht einmal, dass Nemo dereinst so gross wie ein Bernhardiner wird», sagt Jung. Derzeit laufen Gespräche mit einem Interessenten aus dem Kanton St. Gallen. Wo die neue Bleibe sein wird, möchte Jung noch nicht sagen. «Wir klären nun in aller Ruhe ab, wo Nemo hinkommt. Es soll ihm nicht noch einmal das Gleiche passieren wie in Wil», sagt Jung.