«Mit wenig Mehraufwand ist ein Umsteigen möglich»

Kurt Egger, Energiefachmann und Präsident der Grünen Thurgau erklärt, welche Möglichkeiten es gibt, auf erneuerbare Energien umzusteigen.

Dinah Hauser
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Kurt Egger, Energiefachmann und Präsident Grüne Thurgau. (Bild: PD)

Kurt Egger, Energiefachmann und Präsident Grüne Thurgau. (Bild: PD)

Was fällt alles unter den Begriff erneuerbare Energien?

Kurt Egger: Alle Energien, die immer zur Verfügung stehen. Dazu gehört die Nutzung der Energie der Sonne, des Windes, des Wassers und von nachwachsenden Rohstoffen wie Holz und Biomasse. Wärmepumpen nutzen die Temperatur des sie umgebenden Materials, sei es Erde, Luft oder Wasser.

Energie, die aus der Abfallverbrennung kommt, wird auch als Ökostrom bezeichnet. Abfall wächst allerdings nicht in der Natur.

Das ist richtig. Es macht jedoch Sinn, industrielle Abwärme und andere Abfälle zur Energieproduktion zu nutzen. Das ist gleich viel Wert wie erneuerbare Quellen.

Warum sollte man in erneuerbare Energien investieren?

Fossile Rohstoffe wie Öl und Gas sind endlich. Zudem belastet deren Nutzung die Umwelt. Man denke nur an die Klimakrise. Es ist fünf vor zwölf. Darum müssen wir jetzt neue Energiequellen erschliessen.

Inwiefern ist eine Gesellschaft denkbar, die nur erneuerbare Energie nutzt?

Das ist gar nicht so schwierig. Wärmepumpen etwa sind schon etabliert und immer mehr Unternehmen und Privatpersonen setzen auf Solaranlagen. Eine alternative Energiegewinnung ist heute nicht oder kaum teurer als die traditionelle. Zudem fordert das Pariser Abkommen, welches die Schweiz unterzeichnet hat, bis 2050 komplett auf erneuerbare Energien umzusteigen.

Was hindert Personen daran, auf Wärmepumpen oder Sonnenkollektoren umzusteigen?

Für viele ist es einfacher die alte Heizung wieder mit einer Öl- oder Gasheizung zu ersetzen. Man kennt die Technologie und ein Kamin ist bereits vorhanden. So eine Heizung läuft aber 20 bis 30 Jahre. Eine heute eingebaute Heizung könnte 2050 noch in Betrieb sein. Mit wenig Mehraufwand ist ein Umsteigen bereits jetzt möglich.

Wie können die Energieziele erreicht werden?

Es gibt drei Instrumente: Als erstes das Informieren und Sensibilisieren der Bevölkerung. Als zweites gibt es Fördermittel. Baut man eine Solaranlage oder eine Wärmepumpe ein, so erhält man vom Staat Geld. Die dritte Massnahme betrifft die gesetzlichen Vorschriften. Im Thurgau wird derzeit ein neues Energiegesetz diskutiert. Wird es verabschiedet, dann müsste jedes neue Haus über eine Solaranlage verfügen.

In der Region setzen Technische Betriebe vermehrt auf Solaranlagen. Lohnt sich das?

Die Verkäufer müssen sich auch den neuen Gegebenheiten anpassen. Zudem ist die Rentabilität besser geworden. In Eschlikon und Aadorf laufen Gespräche, dass sich Private an Solaranlagen beteiligen können und dafür den produzierten Strom erhalten, ähnlich dem Modell in Wil.

Wie sinnvoll sind Solaranlagen? Es braucht auch Energie für deren Herstellung.

Die Energie, die für die Produktion aufgewendet wird, hat man in ein bis zwei Jahren kompensiert. Die Anlage liefert aber etwa 30 Jahre lang Strom.

Es sind auch giftige Stoffe in den Panels verbaut.

Erneuerbare Energie bringt auch Nachteile mit sich. Jedoch sind die Panels so konstruiert, dass sie relativ einfach auseinandergebaut und dementsprechend rezykliert werden können. Die ersten Anlagen erreichen nun das Ende ihrer Lebensdauer und es entwickelt sich ein Geschäft rund um die Verwertung der Materialien.

Wie ist es mit der Windenergie?

Für einen Umstieg auf erneuerbare Energien braucht es allenfalls einen Teil Windenergie. Man möchte aber nicht kleine Anlagen verteilt bauen. Der Kanton Thurgau hat beispielsweise fünf Gebiete definiert, welche für die Energiegewinnung geeignet sind. Eines davon befindet sich bei Braunau.

Gegner sagen, Windparks seien eine Verschandlung der Landschaft, sehr laut und eine Gefahr für Vögel.

Die Anlagen kann man als schön oder eben nicht schön empfinden. Aber sie stellen klar eine Beeinträchtigung der Landschaft dar. Man muss aber bedenken, dass die Anlagen, wenn sie nicht mehr gebraucht werden, einfach abgebaut werden können – die Landschaft sieht wieder aus wie vorher. Bei einem Stausee funktioniert das nicht. Bezüglich Lautstärke gibt es Vorschriften und die Anlagen werden immer leiser. Zudem gibt es Sensoren – wie etwa im churer Rheintal –, welche Vogelschwärme erkennen und die Anlage automatisch ausschalten.