Mit wenig Geld reich gelebt: Wie Dieter Budin mit umgerechnet 60 Franken aus Österreich in die Schweiz kam

Der in Wil wohnhafte Dieter Budin schrieb im Alter von 76 Jahren seine Biografie. Inspiration dazu war seine Partnerin, welche mehr über seine Kindheit wissen wollte.

Simon Bernhardsgrütter
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Dieter Budin liest aus seinem Werk vor.

Dieter Budin liest aus seinem Werk vor.

Bild: Simon Bernhardgrütter (22. November 2020)

Vor 54 Jahren reichte es dem gebürtigen Österreicher Dieter Budin. Er wollte endlich, dass seine Arbeit anerkannt wird und zog deshalb mit seiner Frau und zwei Töchtern in die Schweiz. Doch nicht alles verlief nach Plan und er hatte einige Hürden zu übersteigen. Am Sonntag stellte Dieter Budin sein Buch in der Psychiatrie St.Gallen Nord vor.

In seiner Kindheit hatte er nur Unsinn im Kopf

Dieter Budin spielte gerne den einen oder anderen Streich als Kind. Ob es nun in der Schule, während des Gottesdienstes oder unter Kollegen war, spielte ihm keine grosse Rolle. Er sass auch nicht auf sein Maul und so kriegte er einst für fast ein Jahr Nachsitzen. Dies aufgrund einer sehr direkten Meinungsäusserung gegenüber einer Lehrerin.

Früh schon zeigte sich, dass Dieter Budin ein Talent als Verkäufer besass. So vermietete er seine Kaugummis unter Freunden. Mit dem verdienten Geld konnte er sich dann einen neuen Kaugummi kaufen. Als sein Vater davon erfuhr, machte ihm dieser eines der einzigen Komplimente, welcher er in seiner Kindheit erhielt.

Arbeitspolitik und andere Enttäuschungen

Im Alter von nur 21 Jahren bewarb sich Dieter Budin als Filialleiter in Wien. Nach der dreimonatigen Probezeit, in denen er die Filiale auf einen besseren Stand gebracht habe, bekam er die Stelle dann doch nicht. Doch das war nicht die letzte Enttäuschung. Mehrmals sei ihm trotz guter Arbeit eine Stelle nicht gegeben worden, weil er zu jung, nicht in einer Partei sei oder schlicht einem Konkurrenten, dessen Vater im Verwaltungsrat sass, im Weg stand.

Dieter Budin entschied sich im Jahre 1966, in die Schweiz auszuwandern. Mit 1000 Schilling, umgerechnet 60 Franken, reiste er mit seiner Frau und zwei Töchtern aus Österreich aus. Er erhielt zwar eine Arbeitsbewilligung in Heerbrugg und arbeitete in der Migros, doch seine Töchter durften aufgrund einer fehlenden Aufenthaltsbewilligung nicht bleiben.

Geld für einen Besuch seiner Töchter hatte er nicht und so sah er sie ganze eineinhalb Jahre lang nicht. Bis er nach mehreren Gesuchen eine Sonderbewilligung zugestellt bekam. Nach mehreren Höhen und Tiefen, in denen Dieter Budin angestellt, eigenständig und auch arbeitslos war, entschied er, ein Buch über sein Leben zu schreiben. Er sagt:

«Ich brauche ständig neue Herausforderungen.»

Das ganze Layout habe der 76-Jährige selbst gestaltet. Erfahrungen hatte er bis dahin noch keine damit. Auch die Powerpoint-Präsentation habe er selbst gestaltet. Alles Dinge, welche er in seinem Alter noch erlernt habe. Er liess 200 Exemplare als eigenständiger Verleger drucken, wovon bereits die Hälfte verkauft ist. Er betonte, dass man, um ein Buch zu schreiben, einen wachen Geist brauche. Er habe noch viele andere Ideen, die er umsetzen möchte.