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Mit Taktgefühl durch Stall und Wettspiel: Ein Dirigent begleitet durchs Top of 19 in Lenggenwil

Marcel Eggler ist Landwirt aus Leidenschaft. Doch am Samstag zeigte er seine andere grosse Passion: Als Dirigent der Musikgesellschaft Niederhelfenschwil führte er die Formation durchs Wettspiel am Kantonalen Musikfest in Lenggenwil.
Daniela Huijser
6.00 Uhr: Marcel Eggler erledigt zügig die morgendlichen Stallarbeiten.6.00 Uhr: Marcel Eggler erledigt zügig die morgendlichen Stallarbeiten.
7.30 Uhr: Im Probelokal – aufwärmen, Atemübungen, Vertrauensbildung.7.30 Uhr: Im Probelokal – aufwärmen, Atemübungen, Vertrauensbildung.
8.40 Uhr: In wenigen Minuten geht’s auf die grosse Bühne.8.40 Uhr: In wenigen Minuten geht’s auf die grosse Bühne.
8.50 Uhr: Zweimal sieben Minuten Wettspiel vor der Jury.8.50 Uhr: Zweimal sieben Minuten Wettspiel vor der Jury.
9.35 Uhr: Der Probelauf für die Parade auf der Dorfstrasse.9.35 Uhr: Der Probelauf für die Parade auf der Dorfstrasse.
10.35 Uhr: Die Parade auf der Dorfstrasse vor begeistertem Publikum. (Bild: Bilder: Daniela Huijser)10.35 Uhr: Die Parade auf der Dorfstrasse vor begeistertem Publikum. (Bild: Bilder: Daniela Huijser)
Lockere Stimmung: In aller Ruhe werden die Instrumente vorbereitet.Lockere Stimmung: In aller Ruhe werden die Instrumente vorbereitet.
Schuhe putzen vor dem Wettspiel: Jedes Detail muss stimmen.Schuhe putzen vor dem Wettspiel: Jedes Detail muss stimmen.
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Mit Taktgefühl durch Stall und Wettspiel

Sechs Uhr früh. Noch eine Stunde, dann trifft sich die Musikgesellschaft (MG) Niederhelfenschwil zum grossen Wettspiel. Dass Marcel Eggler der Dirigent ist, merkt noch keiner. Er steht im Stall und führt den Mist ab. Bereits um 5 Uhr begann der gelernte Landmaschinenmechaniker und Landwirt mit dem Melken seiner 33 Kühe, nun übernehmen seine Mutter und der Lehrling diese Aufgabe. Jetzt noch kurz den Tieren Gras zuschieben und weiter geht’s in die Küche zum Frühstück.

Die Uhr tickt, noch 25 Minuten bis zum Treffen. Marcel Eggler wirkt sehr entspannt, wie er sein Müesli isst und sich noch ein Konfibrot streicht. «Ich bin gar nicht nervös, für mich wird der Wettkampf einfach eine Standortbestimmung», sagt er. Dann aber begibt er sich geschwind unter die Dusche, zieht seinen dunklen Anzug an, verabschiedet sich von Ehefrau Irene und Töchterchen Julia und los geht’s. Mit Noten, Taktstock und Tambouren-Majorstab auf dem Rücksitz fährt der Landwirt und passionierte Dirigent Richtung Lenggenwil.

«Hätten wir noch eine Probe, würde ich noch etwas umbauen»

Um halb acht sind alle 33 Musikerinnen und Musiker im Probelokal, bereit zum Einspielen. Zuerst ein paar Übungen für den Atem und zur Vertrauensbildung, dann werden die Instrumente angesetzt und die ersten Töne von «Fanfare, Romance & Finale» von Philip Sparke erklingen im kleinen Raum. Marcel Eggler hört hier und dort noch ungenaue Einsätze, zu lange Töne, unpräzise Harmonien. Ein wenig mehr Tiefe dort, dafür da etwas weniger Höhe – so langsam ist der Dirigent zufrieden. Dann öffnet er die Noten zum Pflichtstück «The Court Jester», das die Musiker erst vor zehn Wochen erhalten haben. Eine anspruchsvolle Aufgabe: Die Komposition enthält viele Tempiwechsel, Pausen, Soli – doch es klingt schon ganz ordentlich.

«Hätten wir noch eine Probe mehr, würde ich noch etwas umbauen»

, sagt der 34-Jährige – aber so ist er mit dem Gehörten zufrieden. Noch eine kurze Übung zum Einstimmen, dann muss das Probelokal geräumt werden.

Noch 40 Minuten, dann darf die Musikgesellschaft Niederhelfenschwil in die Mehrzweckhalle zum grossen Auftritt vor die Jury. Die Teilnahme am Kantonalen Musikfest ist für die Formation mehr als nur ein Kräftemessen mit anderen Vereinen; es ist auch eine Art Generalprobe und eine Inspiration für ihr eigenes grosses Fest, das sie zur Neuuniformierung im Mai 2020 organisieren wird.

Während Marcel Eggler mit leuchtenden Augen davon erzählt, holen ihn die Musiker in die Gegenwart zurück: Der Eingang zur Bühne steht offen. Gerade rechtzeitig, denn ein leichter Regen setzt ein. Die 33 Musikerinnen und Musiker im Alter zwischen 12 und 71 Jahren nehmen ihre Plätze ein, stimmen nochmals konzentriert ihre Instrumente – und dann gilt es ernst.

Mit vollem Körpereinsatz führt Marcel Eggler durch «Fanfare, Romance & Finale», holt Schwung und Energie aus den Bläsern, dann wieder verlangt er ruhige und sanfte Töne, bevor er für die Schlusstakte nochmals mit beiden Armen weit ausholt und den Musikern vollen, lautstarken Einsatz abverlangt. Das Publikum in der sehr gut besetzten Halle applaudiert begeistert; die Jury zieht sich zur Beratung zurück. Für das Pflichtstück nimmt eine andere Jury auf dem Podium hinten im Raum Platz. Sieben Minuten dauert «The Court Jester» und einmal mehr wirbelt der Dirigent auf seinem Platz aus den Hüften von links nach rechts, schwingt die Arme, besänftigt mit den Händen – und spornt die MG Niederhelfenschwil zu Höchstleistungen an. Erst später am Nachmittag wird er erfahren, dass dieser Auftritt glanzvolle 88 Punkte erzielte. Der dritte Schlussrang in der 3. Klasse!

Marschmusik mit Evolutionen vor begeistertem Publikum

Zeit zum Reflektieren über die Darbietung bleibt kaum. Zwar folgt der Start zur Marschparade erst um 10.35 Uhr, doch auch dieser Auftritt muss nochmals geprobt werden. Auf der Dorfstrasse begeben sich die Musikerinnen und Musiker in Stellung. Marcel Eggler prüft, ob alle in einer geraden Reihe stehen. Dann wird zu flotten Klängen losmarschiert. Aber nicht einfach geradeaus, sondern mit «Evolutionen», wie das Figurenschreiten in der Musiksprache heisst. Sogar die Kühe, die gerade noch gemütlich am Strassenrand grasten, blicken neugierig auf und wirken begeistert.

Begeistert ist auch wenig später das Publikum entlang der Dorfstrasse. Die Musikgesellschaft Niederhelfenschwil gibt alles und marschiert zu flotten Melodien an Fans und Jury vorbei ins Ziel. Und schafft zur Freude aller 86 Punkte: Das bedeutet Rang 5. Ein Ergebnis, das Marcel Eggler so kommentiert:

«Auf der Marschmusikstrecke haben wir uns etwas mehr erhofft. Bei der Konzertmusik bin ich sehr zufrieden, haben wir doch mit einigen Jungmusikanten das Niveau der letzten Jahre halten können und werden auf dieser Basis die Zukunft aufbauen.»

Endlich sind Druck und Nervosität weg – die Musiker können jetzt das Fest unbeschwert geniessen.

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