Challenge der Peinlichkeit: Flawiler lancieren Adventskalender für Nervenstarke

Auf der Bühne ist er Schauspieler, beruflich Radiojournalist und in der übrigen Freizeit übt er sich als Unternehmer. Letzteres ist neu: Rechtzeitig zum Adventsbeginn 2020 lanciert er, gemeinsam mit Bonnie Stocker, den «Nervekalender».

Andrea Häusler
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Traditionelle Adventskalender sind ihnen zu langweilig. Deshalb lancierten Severin Pfeffer und Bonnie Stocker eine Alternative.

Traditionelle Adventskalender sind ihnen zu langweilig. Deshalb lancierten Severin Pfeffer und Bonnie Stocker eine Alternative.

Bild: PD

Morgens zur Pendlerstosszeit im Zug nach St.Gallen. Eine junge Frau sitzt im Abteil, die untere Gesichtshälfte beschämt unter einem Schal verborgen. Ihr linker Fuss steckt in einem Sneaker, der rechte in einem Winterstiefel. Möglich, dass sie sich im Halbschlaf angekleidet hat. Wahrscheinlicher ist aber, dass sie zu jenen Glücklichen oder Betroffenen gehört, die heuer einen ganz besonderen Adventskalender geschenkt erhielten: ein «Nervekalender».

Dieser hat es im Wortsinn in sich. Statt Schokolade, mehr oder weniger nützlichen Kleinigkeiten oder möglichen Losgewinnen lauern hinter den 24 Türchen allerhand lustige, peinliche oder auch soziale Aufgaben. Wer sie erfüllt, misst sich in einer vorweihnachtlichen Challenge mit anderen Kalenderbesitzern – Action ist garantiert. Und wer den Aufgaben nicht nachkommt? Der outet sich schlimmstenfalls als Spassbremse.

Die Resonanz war durchwegs positiv

Der Nervekalender stammt aus der Ideen- und Produktionswerkstatt von Severin Pfeffer und Bonnie Stocker. Der Präsident des Vereins Musicalfieber Flawil, Schauspieler, Regisseur und Radiomoderator und seine Kollegin basteln sich seit Jahren gegenseitig Adventskalender. Der Inhalt? Das Übliche: Auto-Duftbäumen, Badesalz, Weihnachts-Taschentücher und mehr hässliche als ästhetische Deko-Elfen. «Allmählich wurde es langweilig», sagt Severin Pfeffer. Damit war die Basis für das alternative Adventsgeschenk gelegt.

Die Idee hinter dem Nervekalender ist nicht völlig neu. Das gibt der Träger des Flawiler Preises 2018 auch unumwunden zu. Die Inspiration zu einem «Herausforderungskalender» hätten sie in Deutschland gefunden, sagt er. Und im vergangenen Jahr sei der Severin-Bonnie-Kalender dann in diesem Format gestaltet worden. «Die Resonanz im Freundeskreis war durchwegs positiv», sagt Pfeffer und begründet damit die Lancierung des Produkts, welches bereits jetzt online bestellt werden kann.

Im Set für Bekannte, einzeln für Unbekannte

Die Nervekalender können einzeln oder im Set bestellt werden. Wobei die Idee auf Mehrfachbestellungen basiert. Denn je mehr Leute einen Kalender besitzen, die Aufgaben angehen, sich über die sozialen Medien austauschen und konkurrenzieren, desto spassiger wird die Challenge. Und jene, deren Freunde eher langweilig oder für derlei Albernheiten schlicht zu introvertiert sind? Für diese ist der «Allai-Box» die richtig Wahl. Auf sich gestellt bleibt damit niemand. Denn Einzelboxbesitzer werden einer WhatsApp-Gruppe hinzugefügt: (bisher) Fremde werden durch die Challenge vielleicht nicht gerade zu Freunden, aber immerhin zu Weggefährten oder Leidensgenossen auf Zeit.

150 Stück in Handarbeit hergestellt

Severin Pfeffer und Bonnie Stocker fertigen die Nervekalender selber in Handarbeit. 150 Stück stapeln sich für diese Saison im improvisierten Lager. Das minimale Absatzziel liegt, laut Pfeffer, bei 100 Stück. Damit wäre der Break Even-Point erreicht.

Die Zielgruppe umfasst aufgeschlossene Menschen ab ca 20 Jahren bis ins hohe Alter. «Sie müssen einfach WhatsApp nutzen», sagt Severin Pfeffer und macht ergänzend klar: «Es ist aber klar keine Adventskalender für Kinder.»

«Der Nervekalender ist aber klar keine Adventskalender für Kinder.»

Die Verpackung kommt für ein (Vor-)Weihnachtsprodukt ausgesprochen schlicht daher: keine Sterne, keine Engel, keine Kerzen und auch keine Tannenzweige. Die Wahl eines neutralen Designs begründet Severin Pfeffer mit dem geplanten Ausbau der Projektidee: «Denn grundsätzlich eignet sich der Nervekalender nicht nur als Adventskalender, sondern auch für den Countdown einer Hochzeit oder eine Geburtstagsfeier.»