Mit Nadeln und Wolle Gutes tun

Die Wolfertswiler Strickgruppe trifft sich alle 14 Tage zum gemeinsamen Stricken. Die entstandenen Kinderkleider und Decken gehen als Naturalspende für Bedürftige nach Italien, Afrika und Osteuropa.

Melanie Graf
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Die Wolfertswiler Strickgruppe legt sich mit Nadeln und Wolle für Bedürftige ins Zeug. (Bild: meg.)

Die Wolfertswiler Strickgruppe legt sich mit Nadeln und Wolle für Bedürftige ins Zeug. (Bild: meg.)

Wolfertswil. Ein fröhliches Geplauder dringt aus der Stube von Ruth Isenring. Um den Stubentisch sitzen zahlreiche Frauen. Sie stricken, schwatzen und trinken Kaffee. Mit dem netten Kaffeekränzchen schlagen die Frauen gleich zwei Fliegen mit einer Klappe. Die gestrickten Kinderkleider und Decken sind für einen guten Zweck und der Schwatz für das Wohlbefinden der Frauen. Schwatzen würden sie aber nur über «Gfreuts», sagt eine der Frauen, man habe sich vieles von früher zu erzählen, bespreche Rezepte und Strickmuster.

Im August 2004 schloss die Poststelle in Wolfertswil, im gleichen Jahr im Dezember die Metzgerei. Rosmarie Kündig sah durch den Verlust der Post und der Metzgerei ein Teil des Dorflebens gefährdet und sprach Vreni Eigenmann darauf an, dass man etwas dagegen machen müsse. Früher gab es noch fleissige Strickerinnen im Mütterverein, doch die Treffen seien irgendwann im Sande verlaufen, sagt Rosmarie Kündig. Und damit beschlossen die beiden Frauen auf die Suche nach Gleichgesinnten zu gehen, um die Strickgruppe wieder ins Leben zu rufen.

Vreni hat Zügel in der Hand

Seit sechs Jahren treffen sich nun Rosmarie Kündig, Vreni Eigenmann, Rosmarie Hofstetter, Lisbeth Lenggenhager, Ruth Isenring, Dorli Schnetzer, Hildegard Kretz, Brigitte Schönenberger und Erika Jud regelmässig zum Stricknachmittag, der jeweils an einem Montag und immer bei einer anderen Frau stattfindet. Vreni Eigenmann, so sind sich die Frauen einig, habe die Zügel in der Hand. Sie «manage» die Gruppe. Ohne sie würden die Treffen längst nicht mehr stattfinden.

Die gestrickte Ware wurde früher der Caritas oder dem Kinderspital Bethlehem gespendet. Heute werden die Stricksachen nach Italien ins Kloster Appiano Gentile in Como, in ein Zentrum für Waisenkinder dem Center de NKUBA in Mutoy in Burundi oder nach Osteuropa geschickt. Mitte Juni wurde ein Transport organisiert. Wie viel es gewesen sei, wissen die Frauen nicht. «Wahnsinnig viel», meint Vreni Eigenmann und fügt an: «Der Transport ist teuer und wird über Spenden finanziert.» Die Wolfertswiler Frauen stricken aber nicht alleine für einen guten Zweck. Das Netzwerk der Strickerinnen ist gross. So gibt es auch in Flawil eine Strickgruppe, mit Mitgliedern aus Brunnadern, Gossau und sogar aus der Innerschweiz. Diese Frauen treffen sich bereits seit 30 Jahren.

Ausstellung am Beta-Treffen

Bevor die Ware ins Ausland verschickt wurde, gab es am Beta-Seniorennachmittag in Flawil eine Ausstellung. Die gestrickten Sachen wurden ausgelegt und konnten bewundert werden. Die Wolfertswilerinnen sind der Strickerei noch längst nicht müde. Die Nadeln klappern stetig, die Wollknäuel werden fast zusehends kleiner. Wollreste sind bei den Frauen ein Thema. Jeder noch so kleine Rest wird verwertet. «Wir sind dankbare Abnehmerinnen von Wollresten», sagt eine der Frauen schmunzelnd. Gastgeberin Ruth Isenring legt ihre «Lismete» zur Seite und holt zum Höhepunkt des Nachmittags den Kuchen aus der Küche.

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