Mit Musik durch den Tag

Mit einer Aufführung von Georg Philipp Telemanns «Die Tageszeiten» bedankte sich Karl Paller für den Anerkennungspreis der Stadt Wil.

Vroni Krucker
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Dirigent Karl Paller mit Chor und Orchester Cantores Corde. (Bild: Vroni Krucker)

Dirigent Karl Paller mit Chor und Orchester Cantores Corde. (Bild: Vroni Krucker)

WIL. Die Wiler Stadtkirche St. Nikolaus füllte sich schon früh mit erwartungsvollen Gästen. Sie alle freuten sich mit Karl Paller und seinen Cantores Corde über die verdiente Ehrung.

Ein gefühlvolles Spätwerk

Georg Philipp Telemann ist im März 1681 in Magdeburg geboren worden und starb 86jährig in Hamburg. Der 1757 entstandene Kantatenzyklus «Die Tageszeiten» gehört zu den herausragenden Spätwerken. Es handelt sich um eine Symphonie mit vier Kantaten (Morgen, Mittag, Abend, Nacht), zu denen jeweils Arie, Recitativo, Arie und Chor gehören. Empfindungsreich schildert der Komponist den Tagesablauf vom Erwachen der Natur bis zum Sonnenuntergang. Die Sprache ist den damaligen Gepflogenheiten entsprechend sehr blumig, fast schwelgerisch. Schön, dass die Zuhörerschaft die Texte mitlesen und somit die Komposition mitleben konnte.

Die farbige Instrumentierung und die den Tageszeiten entsprechenden Klangbilder wurden von Chor, Orchester und Solisten wunderschön umgesetzt. Beeindruckend war schon der Beginn mit leisen Violintönen, die das langsame Erwachen erklärten, und dann nach und nach zu lebhaften, tänzerischen Klängen fanden. Das Orchester interpretierte die Feinheiten und Vielseitigkeit des Tageslaufes, vom Strahlen der Sonne über die linden Lüfte bis zum Anbrechen der Dunkelheit und Ruhe der Nacht. Da mal ein kurzer Trioleneinwurf der Flöten, dort ein bestrickendes Pizzicato, rasante Geigen- oder Cellotöne oder der volle Orchesterklang. Voluminös, ausdrucksstark und innig bot der Chor seine Parts.

Beeindruckende Solisten

Strahlend erfüllte die Sopranstimme von Iris Eggler, die den Morgen interpretierte, den Kirchenraum. Mit ihrer eindrucksvollen, kräftigen Altstimme beschrieb Andrea Bachmann den Mittag. Tamas Henter gehörte der Abend. Seine Tenorstimme hat eine tiefe Wärme und das passte wunderbar zum ruhig werdenden Tag. «Oh Nacht, und du, geweihte Stille! Indem ich mich in eure Schatten hüllte, umfängt mich eures Banns geheimnisvolle Macht» sang Marco Ceriani prägnant, und doch mit der gewissen Ruhe der Nacht.

Mit tosendem Applaus bedankte sich das Publikum für die besinnliche Abendstunde und feierte, zusammen mit Chor und Orchester, frenetisch den fast ein bisschen verlegen wirkenden Leiter Karl Paller.