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Mit Metalldetektoren auf der Suche nach Verborgenem

Überall liegen unbekannte Schätze begraben, man muss sie nur finden. Daniela Wiesli investiert viel von ihrer Freizeit in die Erforschung der Wilener Dorfgeschichte und machte sich mit Helfern und Metalldetektoren auf die Suche – neulich im Ägelseegebiet.
Christoph Heer
Daniela Wiesli und Stefan Di Staso suchen nach Fundstücken aus der Vergangenheit. In einem alten Wohnhaus an der Ringstrasse werden sie fündig. (Bilder: Christoph Heer)

Daniela Wiesli und Stefan Di Staso suchen nach Fundstücken aus der Vergangenheit. In einem alten Wohnhaus an der Ringstrasse werden sie fündig. (Bilder: Christoph Heer)

Mit Leuchtweste, Handschuhen, Handschaufel und Metalldetektor ausgerüstet, durchforsteten letzthin drei Männer einen Wilener Acker im Ägelseegebiet. Manch ein vorbeikommender Fussgänger fragte sich, was das zu bedeuten habe, so auch der Herr auf seinem E-Bike, der kurz innehielt und gespannt beobachtete, was die auffallend gekleideten Personen da tun.
Die Sonne heizt kräftig auf an diesem Vormittag und immer wieder sind Piepgeräusche zu vernehmen. Die Wilenerin Daniela Wiesli ist mit drei ehrenamtlichen Helfern des Amts für Archäologie Thurgau auf einem Feld unterwegs und durchsucht dieses auf metallene Gegenstände. Bis zu 15 Zentimeter tief im Boden dürfen kleine Teilchen liegen, damit sie der Detektor noch orten kann. Bei grösseren Metallstücken ist die Suchtiefe beträchtlich grösser.

Piep, piep, wieder eine Münze

Gelernt ist gelernt: Systematisches Absuchen nach historisch wertvollem Gut.

Gelernt ist gelernt: Systematisches Absuchen nach historisch wertvollem Gut.

Daniela Wiesli freut sich an allem, was gefunden wird. «Hat das Fundstück keinen archäologischen Wert, bleibt immerhin die gute Tat, ein metallenes und womöglich gar bleihaltiges Stück aus dem Boden entfernt zu haben», sagt sie. An diesem Morgen piept es unaufhörlich. Hier ein verrosteter Nagel, da ein Flaschendeckel; viel Müll also, und trotzdem interessant. Es zeige, wie man einst mit der Natur umgegangen sei – und manchmal leider auch heute noch umgehe. «Früher war es selbstverständlich, den Abfall im Freien zu entsorgen. Allerdings wurde damals nicht nur Unrat vergraben – wir finden auf Feldern und Wiesen auch immer wieder Kreuze und Heiligenanhänger, die wohl niedergelegt wurden, um Missernten entgegenzuwirken», sagt Stefan Di Staso. Der Hemishofener, hauptberuflich im Aussendienst tätig, macht sich häufig auf die Suche nach Fundstücken. «Hierbei verdienen wir nichts, es ist indes ein wichtiger Ausgleich zu meiner beruflichen Tätigkeit und an Spannung manchmal kaum zu überbieten», sagt er, bückt sich und gräbt eine alte Münze aus. Sein Metalldetektor piept pausenlos, umso mehr muss geschaufelt werden

Private Suche ist gesetzlich verboten

Das archäologische Erbe gehört der Allgemeinheit und zur wissenschaftlichen Suche braucht es Fachwissen. «Aus diesen Gründen dürfen Privatpersonen nicht auf eigene Faust Fundstellen ausgraben oder gar mit Metalldetektoren nach alten Münzen oder anderen archäologisch wertvollen Objekten suchen», sagt Daniela Wiesli. Der Schutz von Kulturgütern ist in der Bundesgesetzgebung geregelt und Zuwiderhandlungen werden strafrechtlich verfolgt. «Privates Suchen kann zur Zerstörung von Fundstellen und somit zum Verlust von wichtigen Informationen über die Vergangenheit führen», sagt die Wilenerin

Zeitungen, Wurstklammern und ein Beil

Stefan Di Staso untersucht den Boden des unbewohnten Hauses an der Ringstrasse.

Stefan Di Staso untersucht den Boden des unbewohnten Hauses an der Ringstrasse.

Auch im alten, giebelbetonten Doppelhaus an der Ringstrasse, welches schon seit längerer Zeit leer steht und von der Denkmalpflege das Prädikat «wertvoll» erhielt, macht sich die Suchmannschaft auf, Verborgenes zu eruieren. Im Kellergeschoss, dunkel und feucht, werden Wände und Boden abgesucht. Metalldichtungen, Ohrringe, Beile ohne Schaft oder Münzen sind auch hierbei schnell ausfindig gemacht. Daniela Wiesli sammelt und dokumentiert alles, egal ob archäologisch wertvoll oder nicht. Manchmal stösst man auch auf alte Zeitungen, wie hier an der Ringstrasse; dabei handelt es sich um eine Ausgabe des «Tages-Anzeiger» aus dem Jahr 1956. Daniela Wiesli und ihre Suchpartner engagieren sich in Fronarbeit für diese Tätigkeit. In enger Zusammenarbeit mit dem Thurgauer Amt für Archäologie werden sie in Zukunft noch öfter in Wilen unterwegs sein. «Unser Ziel ist es, ein möglichst grosses Areal abzusuchen, denn wer weiss, auf welche Zeugnisse der Vergangenheit wir noch stossen», sagt die studierte Übersetzerin und Mitarbeiterin vom Historischen Seminar der Universität Zürich.
Die Suche von und mit Daniela Wiesli ist offiziell bewilligt. Alle archäologisch wertvollen Fundstücke gehen sauber dokumentiert an das Amt für Archäologie Thurgau.

Fundstücke wie diese sind für das Amt für Archäologie von Bedeutung.

Fundstücke wie diese sind für das Amt für Archäologie von Bedeutung.

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