Mit Mentaltraining und Weitblick: Die Konstrukteure der Bühler AG in Uzwil glänzen an den Swiss Skills

Gleich das gesamte Podest belegten die Konstrukteur-Lehrlinge der Bühler AG an den Swiss-Skills-Meisterschaften. Die Basis für Erfolg liegt in der Ausbildung.

Livia Schmidt
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Die Medaillengewinner Felix Waldschock, Jan Meier und Andrin Sutter (von links).

Die Medaillengewinner Felix Waldschock, Jan Meier und Andrin Sutter (von links).

Bild: Swiss Skills

Kaum hatten die diesjährigen Swiss Skills, die dezentral ausgetragen werden, begonnen, erleben die Konstrukteure von Bühler AG ein Freudenfest. Das Ziel des Unternehmens war mindestens eine Goldmedaille. Doch das Ergebnis verspricht viel mehr als das: Vier der zwölf Finalistinnen und Finalisten absolvieren die Ausbildung bei der Firma in Uzwil, drei davon gewinnen den gesamten Medaillensatz. Andreas Bischof, Leiter Berufsbildung bei Bühler AG, sagt zur positiven Neuigkeit:

«In einer schwierigen Zeit wie dieser ist ihre Leistung doppelt so wertvoll.»

Fortan werden die Konstrukteure im Unternehmen, das in der Schweiz über 2500 Mitarbeitende beschäftigt, erkannt und von allen Seiten beglückwünscht. Selbst der CEO hat den Lernenden und ihren Berufsbildnerinnen und Berufsbildnern eine Woche vor dem Wettkampf einen Besuch abgestattet – ein Privileg. Dass es so weit kommen konnte, liegt primär an der präzise geplanten und intensiven Vorbereitung in den vergangenen Jahren.

Lehrmeisterverband verleiht Championtitel an junge Konstrukteure

Gleich zwei Uzwiler Betriebe dürfen dieses Jahr einen Konstrukteur-Champion mit der Note 5,5 stellen. Einerseits die Bühler AG, andererseits die Zubler Handling AG. Während Patrice Tinner aus St.Gallen seine Ausbildung bei Bühler abschloss, absolvierte Marco Vollenweider aus Bichwil seine Lehre bei er Zubler Handling AG. Ebenfalls einen Champion-Titel ergattern konnte sich Silvan Bartholdi aus Zihlschlacht. Er wurde bei der Suhner+Huber AG in Herisau zum Konstrukteur ausgebildet und erzielte eine Durchschnittsnote von 5,3.

Andreja Slavik (v.l.), Präsident des Lehrmeisterverband Konstrukteure, hat den jungen Berufsleuten Patrice Tinner, Marco Vollenweider und Silvan Bartholdi den «Champions»-Titel verliehen.

Andreja Slavik (v.l.), Präsident des Lehrmeisterverband Konstrukteure, hat den jungen Berufsleuten Patrice Tinner, Marco Vollenweider und Silvan Bartholdi den «Champions»-Titel verliehen. 

Foto: Rahime Sabani

Am vergangenen Sonntag wurden alle drei im Restaurant weisses Rössli in Staad von Andreja Slavik, Präsidenten des Lehrmeisterverband Konstrukteure SG AI AR FL, für ihre hervorragende Leistung geehrt. Dabei sagte der Verbandspräsident: «Wir sind stolz, dass wir auf solch guten Berufsnachwuchs zählen dürfen.» In der Würdigung wies Slavik darauf hin, dass dieses gute Resultat nur möglich wurde, weil die Auszubildenden kontinuierlich über die ganze Lehrzeit super Leistungen in der Berufsschule erbrachten und im Lehrbetrieb ausserordentliches leisteten. Der «Champions»-Titel sei einerseits eine grosse Ehre und andererseits eine hervorragende Ausgangslage für die weitere, berufliche Karriere. (pd)

Wissen aneignen, Netzwerk aufbauen

Der Grundstein zu diesem Erfolg wird in der vielfältigen Ausbildung gelegt. Im ersten Jahr eignen sich die Konstrukteurinnen und Konstrukteure eine breite Grundbildung an, indem sie nicht nur das Handwerk der Konstruktion erlernen, sondern auch andere Lehrberufe des Betriebs ausführlich erkunden. Diese Vielseitigkeit ist laut Andrin Sutter, Bronzemedaillengewinner, einer der Pluspunkte der Ausbildung bei Bühler. Schon früh können die Lernenden produktiv mitarbeiten, Bestehendes weiterbringen oder neue Lösungen entwickeln.

Im darauffolgenden Ausbildungsjahr findet eine Workshopwoche mit anderen Lernenden des zweiten Jahres statt, um das berufliche und soziale Netzwerk zu erweitern. Goldmedaillengewinner Jan Meier schätzt die Möglichkeiten des Austauschs und die Arbeit im Team, aber auch die grosse Menge an Wissen, die durch die Ausbildung erlangt wird. Die Anwendung jenes Wissensumfangs wird nach zwei Jahren durch eine gesamtschweizerische Teilprüfung auf die Probe gestellt. Wer diese Herausforderung mit Bravour meistert, hat die Voraussetzung erfüllt, um an der Vorausscheidung der Schweizer Meisterschaften teilnehmen zu können. Jan Meier, der die Selektion vor der Teilprüfung absolvierte, bildet eine Ausnahme.

Auslandeinsatz an einem der 140 Standorte

Während eines mehrmonatigen Auslandseinsatzes an einem der rund 140 Firmenstandorte können sich die Lernenden im letzten Jahr interkulturell weiterbilden und weiteres Wissen aneignen. Innerhalb dieser Jahre werden den Lernenden diverse Zukunftskompetenzen wie der Umgang mit den neusten Technologien oder Präsentations- und Visualisierungstechniken vermittelt. Darüber hinaus erwerben sie Fähigkeiten in den Bereichen Projektmanagement und Führungsfähigkeiten.

Die Berufsbildnerinnen und Berufsbildner des Unternehmens arbeiten darauf hin, die angehenden Konstrukteurinnen und Konstrukteure passend auf die Anforderungen der Bühler AG vorzubereiten. Nach dem Abschluss der Ausbildung sollen mindestens zwei Drittel bei Bühler in der ganzen Welt verteilt als Fach- und Führungskräfte eingesetzt werden. Die Bühler AG verfolgt die Strategie eines 5-Jahres-Zyklus: «Wir haben eine klare Vision für 2025», betont Bischof. Dennoch sei es ein fortlaufender Prozess und innerhalb dieser fünf Jahre könne sich einiges bezüglich der präzisen Arbeitsmarktanforderung ändern.

Nicht weniger wichtig als die fachlichen sind die persönlichen Qualifikationen: Die Lernenden sollen sich mit dem Unternehmen identifizieren können, offen für Neues sein und Freude an ihrer Arbeit haben.

Eine Basis für den Erfolg

Um in Zukunft Herausragendes zu leisten, dienen grössere Projekte und Wettkämpfe wie die Swiss Skills als erfahrungsreiche Basis. Geworben für die freiwillige Teilnahme wurde an den letzten Meisterschaften, als der diesjährige Zweitplatzierte Felix Waldschock schon damals die Silbermedaille gewann. Von seinem Erfolg profitierten auch die anderen Lernenden, die am Wettbewerb interessiert waren und gemeinsam mit Waldschock trainierten.

Eine grosse Rolle in der Vorbereitung spielte Berufsbildner Stefan Eberhard. Er ist studierter Maschinenbauingenieur, doch anstatt technische Kundenlösungen zu entwickeln, widmete er sich der Weiterentwicklung von jungen Menschen und unterstützt sie mithilfe seines Wissensvorsprungs. Eine reiche Variation von Fragestellungen wurde unterbreitet, neue Aufgaben konzipiert und alte zur Verfügung gestellt. In diversen Sessions fand ein teaminterner Vergleich statt. Hier und da gab Eberhard Inputs und führte zusätzlich ein Mentaltraining mit einem externen Performance Coach durch.

Die Vorbereitung zahlte sich aus. Trotz Zeitdruck und kleineren Herausforderungen belegten die Konstrukteurin und die drei Konstrukteure die Ränge eins, zwei, drei und sechs.

Abgeschirmt an den World Skills in Shanghai

Nach dem Erfolg ist vor dem Training. Für den Goldmedaillengewinner Jan Meier stehen die World Skills in Shanghai bevor. Auch dort strebt er den ersten Rang an. In den nächsten Monaten wird intensiv geprobt, auch Chefexperten der Swiss Skills werden während der Vorbereitung mit von der Partie sein. Zusätzlich zur Vorbereitung steht eine Medienschulung auf dem Programm. Das Niveau der Prüfungsaufgaben ist ähnlich wie die der Schweizer Meisterschaften, doch sollen sie an den World Skills in kürzeren Zeitabschnitten absolviert werden.

An den World Skills tritt Meier nicht nur für seine Firma an, sondern auch im Namen der Nation. Während des Wettkampfes werden die Teilnehmenden von der gesamten Öffentlichkeit abgeschirmt. Die wertvolle Unterstützung leisten sich die verschiedenen Berufsgruppen des Schweizer Nationalteams gegenseitig. Diese wird vorab in diversen Teambildungsweekends gefördert.

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