Mit Kopf und Herz in der Aviatik

Der 20jährige Flawiler Jérôme Gehrig hat das strenge Selektionsverfahren für die Ausbildung als Flugverkehrsleiter bei Skyguide bestanden und mit der zweieinhalbjährigen Ausbildung im Flugsicherheitszentrum in Zürich begonnen.

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Herr Jérôme Gehrig. Warum haben Sie sich für die Ausbildung als Fluglotse bei Skyguide beworben?

Jérôme Gehrig: Es ist ein nicht alltäglicher Beruf, verbunden mit Faszination, Leidenschaft und Abwechslung. Ich gehöre weder in eine Bank noch in ein Pharmaunternehmen – ich gehöre in die Aviatik, das war für mich schon immer klar. Dazu trifft man hier auf vielversprechende Arbeitsbedingungen und ein tolles Arbeitsumfeld.

Sie haben ursprünglich Geschäftsreiseberater gelernt, warum wollten Sie nicht auf diesem Beruf bleiben?

Gehrig: Ich gehöre in die Aviatik, direkt nach der Sekundarschule ist ein Einstieg jedoch nicht möglich. Demzufolge hatte ich mich für die Lehre im Reisebüro als Geschäftsreiseberater entschieden und etwas Berufserfahrung gesammelt. Dies war enorm wichtig und hat mir hierher geholfen, wo ich mich jetzt befinde.

Was finden Sie an der Luftfahrt faszinierend?

Gehrig: Einerseits die Menschen, mit denen man zu tun hat, man hilft einander und ist motiviert, jeder zeigt sich kooperativ und bringt die nötige Portion Leidenschaft mit. Dies ist bei weitem nicht überall der Fall. Andererseits die Vielfalt, die Technik und das Gefühl von Freiheit. In der Luftfahrt – damit meine ich nicht nur die Flugverkehrsleiter – ist man nicht nur mit dem Kopf, sondern auch mit dem Herz bei der Sache. Man weiss, wieso man am Morgen (oder je nach Schicht zu anderen Tageszeiten) aufstehen muss und ist davon auch überzeugt.

Auf was freuen Sie sich in ihrer Ausbildung am meisten?

Gehrig: Auf die verschiedensten Elemente der Ausbildung. Nebst der Zeit im Simulator werden wir beispielsweise auch Flughäfen und Flugzeuge vor Ort genauer unter die Lupe nehmen oder 20 Flugstunden auf Kleinflugzeugen absolvieren, um Erfahrungen zu sammeln. Bestimmt wird jedoch der erste Tag beim On-the-Job-Training aufregend sein. Der Tag also, an dem wir das erste Mal in Realität als Controller unter Überwachung tätig sind. Bis dorthin ist es aber noch ein langer Weg mit zahlreichen Zwischenprüfungen, ich nehme es Schritt für Schritt.

Von rund 500 Bewerberinnen und Bewerbern pro Jahr bestehen zehn Prozent das strenge Selektionsverfahren. Sie haben es geschafft. Was war für ein Gefühl war das für Sie, den positiven Bescheid erhalten zu haben?

Gehrig: Natürlich habe ich mich gefreut, und es stärkt das Selbstbewusstsein zusätzlich, aber es ist erst einer von vielen wichtigen Schritten. Ich bin zwar als Privatpilot schon ein wenig in der Familie der Aviatik dabei, denke aber nicht, dass ich es deswegen geschafft habe.

Man muss auf dem Boden bleiben, es hat jetzt erst gerade so richtig angefangen.

Der Beruf als Flugverkehrsleiter ist mit hoher Verantwortung verbunden. Haben Sie keine Angst vor dem Druck?

Gehrig: Wer Angst hat, ist hier fehl am Platz. Natürlich muss man sich dessen bewusst sein und hat auch den nötigen Respekt davor. Aber wir gehören zu den zehn Prozent, die sich bei der Selektion durchgesetzt haben und werden jetzt dementsprechend ausgebildet. Skyguide investiert pro Person nicht umsonst rund 700 000 Franken in die Ausbildung.

Ihre Ausbildung dauert zweieinhalb Jahre. Wo sehen Sie sich nach dieser Zeit?

Gehrig: Entweder im Tower eines Regionalflugplatzes und/oder in der Bezirksleitstelle (Area Control Center), welches für die oberen Lufträume zuständig ist. Towerlotse wäre aber schon eine tolle Sache. Jedenfalls ist für die nächsten 50 Jahre kein Branchenwechsel vorgesehen.

Interview: Melanie Graf

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