Mit Kompetenz Stress bewältigen

Wie kann Stress wirkungsvoll behandelt beziehungsweise vorgebeugt werden? Psychologin Pia Lang informierte im «Kurs am Montag» in der Psychiatrischen Klinik. Der immense Publikumsandrang zeugte von der Aktualität der Thematik.

Carola Nadler
Drucken
Teilen
Psychologin Pia Lang gab wirkungsvolle Mittel zur Stressbewältigung an die Hand. (Bild: can.)

Psychologin Pia Lang gab wirkungsvolle Mittel zur Stressbewältigung an die Hand. (Bild: can.)

WIL. Stress ist natürlich. Er hat unseren Vorfahren ermöglicht zu überleben. In einer Gefahrensituation initiiert die Amygdala, ein Bereich des Gehirns, die Ausschüttung von Adrenalin und Cortisol, es kommt zu massiven Veränderungen im Körper, primär Erhöhung von Muskelanspannung und Herzschlag, der Atem wird schneller und flacher. Damit ist der Organismus befähigt zu den klassischen Handlungsweisen: Fight, flight, freeze – Kämpfen, flüchten, erstarren. Weitere natürliche, ebenfalls aus der Urzeit stammende Auswirkungen von Stress sind Gefühle wie Angst oder Ärger. Beides, körperliche und emotionale Reaktionen auf Stressauslöser, sind per se nicht langfristig und lebensbedrohlich – diese hätten sich in der Evolution niemals durchgesetzt.

Selbst der Feind

Die Säbelzahntiger von damals sind die Chefs von heute, sind einschneidende Lebensereignisse und alltägliche Belastungen. Doch was ist passiert, dass uns heutiger Stress belastende Symptome und Erkrankungen wie Depression und Burn-out beschert? Der eigentliche Feind sind wir selbst, wie Pia Lang in ihrem Referat ausführte. Übersteigerte Erwartungen an uns, fehlende Selbst-Akzeptanz und liebloser Umgang mit den eigenen Schwächen und Fehlern verstärken die Stressfaktoren und führen unweigerlich in Teufelskreise. Basierend auf Matthias Berkings «Training emotionaler Kompetenzen» gab Pia Lang den Gästen wirkungsvolle Mittel an die Hand, um Stress stressfrei zu bewältigen.

Positives Denken erhöht Druck

Entspannungsübungen sind auf der Körperebene für Muskeln und Atmung einsetzbar, sollten aber im Idealfall bereits beherrscht werden, um sie in einer Akutsituation wirkungsvoll einsetzen zu können. In einer kurzen Sequenz führte Pia Lang mit den Zuhörern eine Übung in PMR (Progressive Muskelentspannung) durch. Andere Übungen wie Meditation, autogenes Training oder Qi Gong sind ebenso wirkungsvoll. «Jeder muss für sich selbst herausfinden, was für ihn passt», so Lang.

Positives Denken wie «ich schaff das schon» allein nützt nichts, erhöht nur den Druck, denn noch ist der Körper voll von Stressinformationen. Nimmt man dagegen eine neutrale Beobachterposition ein und benennt die Fakten und diffusen Gefühle, ohne diese zu bewerten, hilft dies dem Verstand, sich einzuschalten. Eine weitere, mit eben diesem Verstand zu aktivierende, entscheidende Kompetenz ist das Akzeptieren von Gefühlen: «Dies ist der erste Schritt zur Veränderung», so Pia Lang.

Gelassenheit

Und dann das grosse, für unsere Kultur so schwierige Gebiet der Selbst-Unterstützung: Der innerliche, liebevolle Umgang mit sich selbst bewirkt Wunder. «Wir sind uns oft selbst die strengsten Richter», so Lang und ruft damit auf, in unserer erfolgsorientierten Gesellschaft wieder das alleinige Bemühen wertzuschätzen. So, wie man ein Kind für sein Bemühen lobt, auch, wenn das Haus «nur» mit krummen Strichen gemalt ist. Perfektionismus und Kontrollzwang kann mit Gelassenheit begegnet werden: «Aus Fehlern wird man klug» oder «Ich akzeptiere, was ich nicht ändern kann».

Auch Genusstraining gehört zur Stressbewältigung: Sich bewusst Gutes tun. Analyse und Regulation der Situation gehören zu weiteren Kompetenzen. Auslösende Momente, Körperreaktionen, primäre und sekundäre Gefühle werden genau betrachtet, Strategien entwickelt.

Der nächste Kurs am Montag findet am 29. April statt, Thema sind die psychischen Beschwerden lange Zeit nach schlimmen Ereignissen.

Aktuelle Nachrichten