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Von Oberbüren nach Lappland: Mit zwölf Huskys zurück zur Natur

3200 Kilometer trennen Josephine Habermann und Markus Brülisauer noch von ihrem Traum. Sie wandern nach Lappland aus, wo sie Gäste die Wildnis erleben lassen werden. Ihre zwölf Huskys begleiten sie.
Tobias Söldi

Es ist ein Entscheid, der Mut braucht: Alles hinter sich zu lassen für ein einfaches Leben im Einklang mit der Natur. Auf die Sicherheit, den Komfort, den Wohlstand in der Schweiz zu verzichten und in die Fremde auszuwandern.

Josephine Habermann und Markus Brülisauer wagen den Schritt. Zusammen mit zwölf Huskys werden sie sich im August von Oberbüren auf den Weg nach Lappland machen. Ihr Ziel liegt 300 Kilometer nördlich des Polarkreises. Dort werden sie ein Camp für Touren in die Wildnis und für Husky-Therapien eröffnen (siehe Kasten).

«Die Farben, die Natur, die Weite – unglaublich»

Es wird eine lange Reise: Zwei Wochen planen sie für die 3200 Kilometer lange Strecke ein, die sie mit dem Auto auf sich nehmen, die Huskys im Anhänger. «Wir werden nur wenige Stunden am Stück fahren und dafür viele Zwischenstopps bei Kollegen einlegen, damit die Hunde genug Auslauf haben», sagt der 31-jährige Markus Brülisauer.

In Finnland wartet ein 60 Hektaren grosses Grundstück mit Haus und Gästehaus an einem See auf die beiden. Nicht weit weg vom nächsten Dorf mit Flughafen und gut erreichbar, aber Richtung Norden kilometerweit von wilden Wäldern umgeben. Ein ganzes Jahr haben sie gesucht, bis sie ein geeignetes Objekt fanden.

Den Traum eines naturnahen, entschleunigten Lebens umgeben von Huskys konnten die beiden bereits einmal leben: Vor drei Jahren arbeiteten er für neun, sie für vier Monate auf einer Huskyfarm in Finnland. Dort haben sie sich nicht nur ineinander verliebt, sondern auch in die Landschaften Lapplands und das einfache Leben. «Die Natur, die Weite, die Farben – es ist unglaublich», schwärmt der gelernte Bauführer – früher konnte er sich nicht vorstellen, jemals auszuwandern.

Eine bunte Husky-Truppe

Der Arbeitsaufenthalt habe ihnen auch gezeigt, wie wenig es braucht, um zufrieden zu sein. Dass nicht immer alles
jederzeit zur Verfügung stehen muss, dass es Alternativen gibt zum ständigen Konsumieren. Doch das hat seinen Preis: «Es ist auch ein anstrengendes, hartes Leben. Alles ist mit Arbeit verbunden», sagt die 26-jährige Habermann, die ursprünglich aus Mecklenburg stammt. Es ist aber auch ein Leben, das sie erfüllt. «Man spürt bei einem selbst, dass es gut tut», sagt ihr Partner.

Die Rückkehr in die Schweiz fiel nach diesen prägenden Erfahrungen nicht einfach. «Ich hatte Mühe, wieder in den Arbeitsalltag zurückzufinden», erinnert sich der gebürtige Oberbürer. Der Gedanke einer eigenen Huskyfarm, erstmals in Finnland aufgekommen, nahm immer mehr Gestalt an. Vor eineinhalb Jahren haben die beiden das Projekt in Angriff genommen.

Seither lebt das junge Paar auf einem Bauernhof in Oberbüren. Auf einem gepachteten Landstück haben ihre zwei Alaskan Huskys und zehn sibirischen Huskys Platz, sich auszutoben und herumzutollen. Brülisauer und Habermann trainieren hier die Tiere für ihren Einsatz als Schlittenhunde und Therapiehunde im Camp. Es ist eine bunte Truppe: Einer der Huskys stammt von der Farm in Finnland, ein anderer ist ein ehemaliger Rennhund, wieder ein anderer stammt aus einem illegalen Welpentransport von der ungarischen Grenze. «Er gewöhnt sich langsam wieder an den Umgang mit Menschen», sagt Brülisauer. Viele Huskys haben sie auch aus Tierheimen übernommen. Wenn alles klappt, stösst im März ein weiterer Vierbeiner zum Rudel.

Die Arbeit mit den wilden, nahe mit dem Wolf verwandten Tiere erfordert viel Geduld und Ruhe. Es sind energiegeladene, eigenwillige Tiere. «Man lernt aber auch sehr viel und wird selbst automatisch ruhiger», sagt Brülisauer. Denn werde er einmal laut, nehme das Tier das sofort als Schwäche wahr. Habermann beeindruckt das feine Gespür der Hunde für die Stimmung der Menschen. Sie sagt:

«Huskys merken sofort, wenn jemand angespannt oder genervt ist. Sie spiegeln den Menschen.»

Darum eignen sie sich auch als Therapiehunde. Die ausgebildete Sozialpädagogin hat in Deutschland bereits positive Erfahrungen mit Husky-Therapien bei Drogenabhängigen gesammelt. «Den Hunden ist die Lebensgeschichte eines Menschen egal, sie nehmen einen völlig vorurteilsfrei auf. Das hilft den Leuten, Vertrauen aufzubauen und Halt zu finden», erinnert sie sich.

«Wir wollen das machen»

Die Formalitäten rund um die Ausreise, der Aufbau des Camps, die Gespräche mit Reiseveranstaltern, das Training und die Pflege der Hunde, und daneben die normalen Arbeit, der sie nachgehen – es ist eine strenge Zeit für Brülisauer und Habermann. Seit einem halben Jahr lernen sie zudem Finnisch. Kein einfaches Unterfangen. «Aber wenn wir schon auswandern, wollen wir auch die örtliche Sprache sprechen können», sagt Brülisauer. Manchmal ist es fast zu viel: «Es gibt immer wieder Tage, an denen wir zweifeln», sagt Habermann. Aber gleich darauf glänzen ihre Augen wieder: «Der innere Antrieb überwiegt aber immer. Wir wollen das machen», sagt sie. Auch für die Huskys freuen sie sich. «Sie werden ein ganz anderes Leben führen können», sagt Brülisauer.

Hinweis: «Naali Tours» sind an der Ferienmesse «Grenzenlos» in St. Gallen vom 18. bis 20. Januar präsent. Weitere Informationen gibt es unter www.naalitours.com.

Abenteuer in der Wildnis Lapplands

In der Wintersaison bieten Markus Brülisauer und Josephine Habermann siebentätige Wildnistouren für zwei Personen in Lappland an. Auf dem Programm von «Naali Tours» stehen unter anderem Schlittenfahrten mit Huskys, Zeltübernachtungen, Eisangeln oder die Nordlichter. Die ersten Wintertouren sollen noch im November dieses Jahres starten. Jeweils im September und November sind auch achttätige Herbst-Touren für vier Personen geplant. Daneben soll das Wildnis-Camp im Zeichen von Sozialprojekten und Husky-therapien stehen und einen Rückzugsort bieten für Menschen, die eine Auszeit suchen, durchatmen und entschleunigen wollen oder auf Sinnsuche sind. Aber auch für Kinder und Jugendliche in schwierigen Situationen. Dabei wird besonderen Wert auf Nachhaltigkeit gelegt. So erhalten Gäste, die statt mit dem Flugzeug mit dem Zug und dem Bus anreisen, einen Preisnachlass. (tos)

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