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Mit Fremden ins Büro: Degersheimer diskutieren über einen Coworking-Space im Dorf

Wie – und vor allem wo – arbeiten wir in Zukunft? Ein Kandidat für die Revolution der Arbeitswelt sind lokale Gemeinschaftsbüros. Am Workshop in Degersheim tauschten sich Interessierte aus.
Tobias Söldi
Remo Rusca (2. v. l.) diskutiert mit einigen Workshop-Teilnehmern über die Vor- und Nachteile von Coworking-Spaces. (Bilder: Tobias Söldi)

Remo Rusca (2. v. l.) diskutiert mit einigen Workshop-Teilnehmern über die Vor- und Nachteile von Coworking-Spaces. (Bilder: Tobias Söldi)

Die Zahlen sind beeindruckend – und regen zum Nachdenken an: 4,5 Milliarden Pendelkilometer und 540000 Tonnen CO2 könnten eingespart werden, wären die Arbeitswege von Herr und Frau Schweizer 15 Minuten oder kürzer, rechnet Remo Rusca, Mitgründer der Genossenschaft Villageoffice, vor. Allein die 1222 wegpendelnden Degersheimer legen pro Tag 32737 Kilometer zurück, ihr Arbeitsweg dauert durchschnittlich 27 Minuten. «Ein enormer ökologischer, sozialer und wirtschaftlicher Energieverlust», sagt Rusca.

Dem unnötigen Pendeln bietet Villageoffice mit einer einfachen Parole die Stirn: Dort arbeiten, wo man lebt – ein Konzept, dem die zunehmende Digitalisierung entgegenkommt, welche ortsunabhängiges Arbeiten immer einfacher macht. Dafür gibt es sogenannte Coworking-Spaces, lokale Gemeinschaftsbüros als Alternative zum Home-Office oder dem klassischen Firmenarbeitsplatz. Villageoffice hat bis heute den Aufbau von rund 60 solcher Räumlichkeiten in der ganzen Schweiz unterstützt.

Mehr Zeit und mehr Lebensqualität

Wird es bald auch einen solchen Coworking-Space in Degersheim geben? Um herauszufinden, ob in der Bevölkerung das Bedürfnis nach dieser neuen Arbeitsform überhaupt existiert, hat Villageoffice und die Gemeinde Degersheim am Mittwochabend zu einem Workshop in den Räumen von Lista Office eingeladen. Rund 20 Interessierte sind der Einladung gefolgt und diskutierten die Vor- und Nachteile dieses Arbeitsmodells.

Die grossen Vorteile des Coworkings waren rasch klar. Wer schneller am Arbeitsplatz ist, hat mehr Zeit – für sich, seine Familie und Freunde, seine Hobbys. Das – so die Hoffnung – resultiert steigert die Lebensqualität. Auch der Synergieeffekt macht das Coworking für viele Workshop-Teilnehmer attraktiv: Im Gemeinschaftsbüro arbeiten unterschiedlichste Menschen aus unterschiedlichsten Branchen und bilden ein inspirierendes Umfeld, auch Hard- oder Software können gemeinsam genutzt werden. Nicht zuletzt sollen auch das lokale Gewerbe und die Gastronomie von den im Dorf arbeitenden Coworkerinnen und Coworkern profitieren – ein Aspekt, den Degersheims Gemeindepräsidentin Monika Scherrer besonders hervorhebt.

Es stellen sich auch praktische Fragen

So innovativ die Idee des Coworking-Space auch klingt, brannten den Workshop-Teilnehmern doch auch ganz praktische Fragen unter den Nägeln. Ist es in einem Grossraumbüro nicht zu laut zum Arbeiten? Wer ist für die Infrastruktur zuständig? Braucht der Coworking-Space eine Betreuung? Hat er 24 Stunden am Tag geöffnet? Pauschale Antworten konnte Rusca nicht geben, jeder Workingspace entwickle je nach Bedürfnis der Nutzer eigene Lösungen für diese Probleme. Ein Teilnehmer brachte die Rolle des Arbeitgebers zur Sprache: Was wenn dieser dem Konzept kritisch gegenübersteht? «Es braucht ein Umdenken bei den Unternehmen», sagt Rusca. «Nicht Präsenz soll die höchste Währung sein, sondern das Resultat.»

Das Projekt nimmt bereits Form an

Ein Coworking-Space verspricht viel, und gerade seine Offenheit macht ihn zur Projektionsfläche zahlreicher Hoffnungen. Ob das Konzept hält, was es verspricht, wird die Umsetzung zeigen. In Degersheim scheint man aber auf gutem Weg zu sein: Nach dem Workshop haben sich laut Gemeindepräsidentin Monika Scherrer sieben Teilnehmer gemeldet, die gewillt sind, das Projekt ernsthaft weiter zu verfolgen. «Ich habe nicht zu hoffen gewagt, dass es so viele sind», freut sie sich. Der Gruppe wird auch ein Delegierter der Lista beitreten, die sich bereit erklärt hatte, die Räumlichkeiten zur Verfügung zu stellen. Scherrer wird nun das weitere Vorgehen in die Wege leiten. «Es ist wichtig, dass wir jetzt am Ball bleiben.»

Das Konzept stösst auf Interesse

Noemi Koller, Facility Management

Noemi Koller, Facility Management

«Ich finde den Wandel weg vom Büro spannend und könnte mir gut vorstellen, in einem Coworking-Space zu arbeiten.»




Victor Schönenberger, IT

Victor Schönenberger, IT

«Ein Vorteil des Coworkings ist sicher, dass Hard- und Software gemeinsam genutzt werden können.»



Katy Schröder Gastronomie, Gesundheit

Katy Schröder Gastronomie, Gesundheit

«Interessant finde ich den Austausch in einem Coworking-Space. Man trifft die unterschiedlichsten Menschen.»

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