Mit einem offenen Ohr für alle da

In einer ungezwungenen Atmosphäre können in einem Seelsorgegespräch in der Liebfrauenkapelle Ängste oder Sorgen abgeladen, aber auch Feedbacks zur Kirche gegeben werden. Das wöchentliche Angebot besteht vorerst bis Februar 2012.

Silvan Meile
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Kaplan Raffael Rieger lancierte das Projekt «Ein Offenes Ohr im St. Peter». (Bild: sme.)

Kaplan Raffael Rieger lancierte das Projekt «Ein Offenes Ohr im St. Peter». (Bild: sme.)

Kaplan Raffael Rieger sitzt in der Liebfrauenkapelle. Diesen Ort wählte er für das Projekt «Ein Offenes Ohr im St. Peter» aus. Seit September findet er sich jeweils am Donnerstagabend von 18 bis 19 Uhr in der Kapelle neben der Kirche ein. Der Seelsorger nimmt sich dort Zeit, um ein offenes Gespräch mit den Menschen aus der Gemeinde zu führen, ihnen zuzuhören. Während eines halben Jahres wird das Projekt, das Rieger auf die Beine stellte, vorerst durchgeführt und damit auch das Bedürfnis in der Kirchgemeinde abgeklärt. An vereinzelten Donnerstagen ist Rieger nicht anwesend, dann wird er durch jemand anderen aus dem Seelsorgeteam vertreten. Bis Ende Februar ist auf der für das Angebot der Seelsorgegespräche angefertigten Broschüre vermerkt, wer sich wann mit einem offenen Ohr in der Liebfrauenkapelle einfindet.

Spontane Gespräche möglich

«Auch Seelsorger haben oftmals einen vollen Terminkalender», sagt der 36jährige Kaplan Rieger. Wer mit ihnen einen Termin vereinbaren will, muss sich deshalb frühzeitig melden. Nicht so ist das beim Seelsorgegespräch am Donnerstagabend. Dort werden die Menschen ohne Anmeldung in der Liebfrauenkapelle empfangen. Damit setzte die Kirche auch ein verstärktes Zeichen, dass sie für alle persönlich da ist, sagt Rieger. Aber auch der Aspekt der Seelsorge wird damit deutlich ins Bewusstsein gerufen. Dies in einer Zeit, in der viele Menschen psychologische Hilfe suchen. Die offenen Gespräche beim Seelsorger sind streng vertraulich. «Die Gespräche fallen unter das Beichtgeheimnis», sagt Rieger. Wenn es jemand wünscht, kann auch ein Beichtgespräch geführt und das Sakrament der Versöhnung empfangen werden.

Die Last der Leuten mittragen

Primär geht es bei den Seelsorgegesprächen aber ums Zuhören. «Durch das Aussprechen von Fragen zu Situationen im Leben oder zum Glauben kommt der Mensch selber einen Schritt weiter», sagt Rieger. Ihm geht es nicht darum, den Leuten Ratschläge zu ihren Problemen und Sorgen zu erteilen. Er hört ihnen zu und fühlt sich in sie ein. Selbst wenn ihm Not und Ohnmacht anvertraut wird, versucht er das Positive im Leben der jeweiligen Menschen zu sehen. «Ich möchte im Gespräch auf die starken Seiten der Person hinweisen», sagt er. Einen Teil der durch den Gesprächspartner abgeladenen Last trägt Kaplan Rieger zum Schluss selber aus der Liebfrauenkapelle hinaus. Im Gebet und mit seiner Beziehung zu Gott könne er diese ihm hinlegen, sagt er.

Zum «Offenen Ohr im St. Peter» betritt man am Donnerstagabend zwischen 18 und 19 Uhr die Liebfrauenkapelle von der Kirche St. Peter her und wendet das Schild an der Tür auf «besetzt».