Mit der Wut im Bauch zu Gold

An den Schweizer Meisterschaften auf der offenen Radrennbahn in Oerlikon hat sich Stefan Küng ganz besonders in Erinnerung gerufen. Larissa Brühwiler dagegen betritt Neuland.

Ruedi Stettler
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Stefan Küng hat die Szene ziemlich aufgemischt. (Bild: pd)

Stefan Küng hat die Szene ziemlich aufgemischt. (Bild: pd)

RAD. Ob auf der Strasse oder der Bahn, Stefan Küng bringt die Hierarchie in der Schweiz mächtig durcheinander. Zuletzt auf dem altehrwürdigen Betonoval in Oerlikon. In der 4000-Meter-Verfolgung verbesserte er den Bahnrekord von «Platzhirsch» Franco Marvulli und wurde ganz überlegen neuer Schweizer Meister vor Oliver Beer und Théry Schir (Wiler Zeitung vom 21. August). Hat er aus Wut im Bauch die Konkurrenz so in Grund und Boden gefahren? Für diese Frage hat der junge Hinterthurgauer nur ein verschmitztes Lächeln übrig.

Die Vorgeschichte dazu: Im Sixday-Prolog hatten Küng/Schir mit einem Rundengewinn kurz vor Schluss eigentlich die gesamte Prominenz hinter sich gelassen. Doch ein Passus im Reglement verhinderte den Sieg der beiden Jungstars. Küng hatte sich danach für einmal mit nicht gerade druckreifen Worten Luft verschafft.

Rekrutenschule vorbei

Für den am 16. November erst 20 Jahre alt werdenden Wilener ist eine wichtige Epoche in diesem Jahr bereits vorbei: Die ersten fünf Wochen Grundausbildung der Sportler-Rekrutenschule hat er am 1. August abgeschlossen. «Trotz einigen Privilegien war das eine harte Zeit. Vor allem die frühe Tagwache und das lange Auf-den-Beinen-Sein hat mir nicht so behagt», hält Küng fest. Die restlichen Wochen absolviert er 2014 vornehmlich in Magglingen.

In der Zwischenzeit ist Stefan Küng bereits an der Tour de l'Avenir, die seit Samstag läuft, im Einsatz. Sein Ziel ist klar: «Diese Rundfahrt dient mir als Vorbereitung für die Weltmeisterschaften, die Ende September in Florenz über die Bühne gehen.» Und danach darf er schon bald an das Zürcher Sechstagerennen im Zürcher Hallenstadion denken. Nach den Vorkommnissen beim Prolog wollen sich Küng/Schir im ehemaligen «Wädlitempel» wenn möglich revanchieren.

Ab ins Tenue grün

Ein kurzes Gastspiel auf der Bahn in Oerlikon gab Raphael Nef vom VC Fischingen. «Weil ich seit dem 1. Juli in Thun die Rekrutenschule als Panzergrenadier absolviere, konnte ich wenig trainieren. Mir fehlt deshalb im Moment die Kraft in den Beinen», erklärte der Thurgauer. Sprach es, schulterte sein Velo, um zehn Minuten später in Uniform die Rennbahn in Richtung Berner Oberland zu verlassen.

Brühwilers Nichtpremiere

Einen Tag und zwei Nachmittage hielt sich auch Larissa Brühwiler trainingshalber auf der Bahn in Oerlikon auf. «Vor der Steilwandkurve hatte ich schon einen gewissen Bammel. Aber eigentlich ist es ganz gut gelaufen.» Etwas enttäuscht musste die Hinterthurgauerin dann aber zur Kenntnis nehmen, dass ihr erster Einsatz für eine Schweizer Bahn-Meisterschaft verschoben werden musste: «Im Reglement steht, dass mindestens sechs Fahrerinnen am Start sein müssen, damit ein Titel vergeben wird. Es waren aber nur fünf gemeldet.» Dafür startete sie am Wochenende an der Schweizer Berg-Meisterschaft (siehe Kasten).