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«Mit der Schliessung des Spitals Flawil das Spital Wil zu stärken, ist ein fataler Irrtum»

Der Flawiler Gemeinderat wehrt sich entschieden gegen die kantonale Spitalstrategie «4plus5» und bezeichnet sie als «4plus0».
Hans Suter
Die Regierung des Kantons St.Gallen möchte das Spital Flawil zu einem Gesundheits- und Notfallzentrum herunterstufen. Dem Flawiler Gemeinderat kommt dies einer Schliessung gleich. Bild: Ralph Ribi

Die Regierung des Kantons St.Gallen möchte das Spital Flawil zu einem Gesundheits- und Notfallzentrum herunterstufen. Dem Flawiler Gemeinderat kommt dies einer Schliessung gleich. Bild: Ralph Ribi

Die neue Spitalstrategie der Regierung des Kantons St.Gallen sorgt beim Flawiler Gemeinderat auch zwei Wochen nach der Bekanntwerden für rote Köpfe. Stein des Anstosses: In Zukunft soll es im Kanton St.Gallen ein Zentrumsspital in St.Gallen und drei Mehrspartenspitäler in Grabs, Wil und Uznach geben. Zur Gewährleistung einer wohnortnahen Versorgung sollen die heutigen Spitäler in Flawil, Wattwil, Rorschach, Altstätten und Walenstadt geschlossen werden.

Gemeinderat sieht «4plus5» als «4plus0»

Elmar Metzger, Gemeinde-präsident Flawil. (Bild: PD)

Elmar Metzger, Gemeinde-präsident Flawil. (Bild: PD)

Stattdessen sollen an diesen Standorten fünf regionale Gesundheits- und Notfallzentren entstehen – also vier Spitäler und fünf Notfallzentren. Deshalb nennt sich das Projekt «4plus5». «Für den Flawiler Gemeinderat bedeutet das hingegen ‹4plus0›», urteilt Gemeindepräsident Elmar Metzger.

«Die Regierung macht es sich zu einfach»

Der Gemeinderat Flawil sei sich bewusst, dass im Kanton St.Gallen nicht neun öffentliche Mehrspartenspitäler betrieben werden könnten. Es brauche Veränderungen in der Spitallandschaft. Das habe der Gemeinderat bereits im Mai 2018 verlauten lassen, als der Verwaltungsrat der Spitäler sein Grobkonzept veröffentlicht habe. «Schon damals schrieb der Gemeinderat, dass er Hand biete für allfällige neue medizinische Angebote, Dienstleistungen und Kompetenzen, dass er sich jedoch gegen eine Schliessung zur Wehr setze», sagt Metzger. Der Gemeindepräsident und mit ihm der Gemeinderat urteilt:

«Die Strategie 4plus0 kommt einer Schliessung gleich.»

Sie gehen mit dem Regierungsrat hart ins Gericht: «Die Regierung macht es sich mit der Schliessung von fünf Landspitälern, beziehungsweise mit der Umwandlung dieser Standorte in ‹Arztpraxen› mit 24-Stunden-Betrieb, welche dann als Gesundheits- und Notfallzentren bezeichnet werden, viel zu einfach.»

Versorgung sehr unterschiedlich

Die Bevölkerung des Kantons St.Gallen sei medizinisch unterschiedlich versorgt. Deshalb brauche es individuelle Lösungen. «Wattwil hat als Zentrum des Toggenburgs ganz andere Bedürfnisse als Rorschach», nennt Metzger als Beispiel. Auch für Flawil müsse eine passende Lösung gefunden werden. «Es ist bezeichnend, dass die untaugliche Standardlösung der Regierung weder mit den Hausärzten der Region, noch mit den Verantwortlichen des Wohn- und Pflegeheims abgesprochen ist.»

Falsche Annahmen

«Mit der Schliessung des Spitals Flawil soll das Spital Wil gestärkt werden. Ein fataler Irrtum», sagt Metzger. Er erinnert an die Schliessung der Geburtenabteilung am Spital Flawil vor 15 Jahren. «Auch damals rechneten kühne Theoretiker damit, dass die Geburten in Wil entsprechend zunehmen werden. Dem war nicht so.» Heute noch kämen die Flawiler Babys eher in Herisau und in St.Gallen zur Welt. «Das wird bei einer Schliessung des Spitals Flawil nicht anders sein. Die Patientinnen der Region Gossau–Flawil–Uzwil werden sich nach St.Gallen oder in Privatspitäler orientieren, aber kaum nach Wil», prophezeit Elmar Metzger.

Zusammenarbeit mit Privatklinik nicht vom Tisch

In den vergangenen Monaten habe der Gemeinderat zusammen mit der Privatklinikgruppe Swiss Medical Network (SMN) eine «massgeschneiderte und zukunftsfähige Lösung für das Spital Flawil» entwickelt. In die Erarbeitung des Konzepts seien auch Hausärzte der ganzen Region sowie die Verantwortlichen des Wohn- und Pflegeheims eingebunden. «Die Lösung hat den Gemeinderat überzeugt. Doch die Regierung des Kantons St.Gallen schlägt das Angebot aus», kritisiert Metzger. «Sie befürchtet, dass dem Spital Wil die Patientinnen und Patienten fehlen. Dabei könnte die Flawiler Spitalliegenschaft gewinnbringend an SMN verkauft werden und würde nicht jahrelang leer stehen.» Ausserdem könnte in Wil wohl mindestens auf einen Teil der dort geplanten Investitionen verzichtet werden, mutmasst Metzger. Zudem: Bei einem Verkauf des Spitals Flawil an SMN würde der Kanton gemäss seinen eigenen Berechnungen jedes Jahr vier Millionen Franken einsparen.

Gemeinderat will weiter für das Spital kämpfen

Swiss Medical Network, das zweitgrösste Netzwerk von Privatspitälern in der Schweiz, will nach Angaben Metzgers in Flawil ein massgeschneidertes Angebot vor allem für ältere allgemein versicherte Patientinnen und Patienten schaffen. In Zusammenarbeit mit den Hausärztinnen und Hausärzten sowie dem Wohn- und Pflegeheim könnten rund die Hälfte der heute knapp 80 Spitalbetten für die Akutpflege beibehalten werden. Weitere rund 20 Betten würden als Reha- beziehungsweise Geriatriebetten genutzt. Und ein Teil der Zimmer würde spezialisierten Ärzten zur Verfügung stehen. Alles ergänzt mit einer Notfallstation. Metzger verspricht:

«Der Gemeinderat lässt nicht locker.»

Das Angebot von Swiss Medical Network sei überzeugend. Auch deshalb, weil ein grosser Teil der heutigen Arbeitsplätze erhalten bleibt. «Das Personal des Spitals Flawil engagiert sich täglich mit viel Herzblut für die Patientinnen und Patienten. Wir lassen es nicht im Stich», gibt sich Metzger kämpferisch.

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