Mit der Platte den Erdball erobert

Wenn irgendwo auf der Welt ein Flugzeug von der Landebahn abgekommen ist, dann wird es womöglich mit Hilfe von Scobamat-Platten geborgen. Entwickelt hat dieses Produkt die Wiler Firma Scobamat AG.

Ursula Ammann
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Diese Il-14 am Flughafen Kloten rollt auf Scobamat–Platten aus der Wiese auf die Fahrbahn. Das Bild zeigt den Wegtransport vom Flughafen nach Glattbrugg, wo das Flugzeug heute im Flug-Erlebnis-Restaurant Runway 34 integriert ist. (Bild: pd)

Diese Il-14 am Flughafen Kloten rollt auf Scobamat–Platten aus der Wiese auf die Fahrbahn. Das Bild zeigt den Wegtransport vom Flughafen nach Glattbrugg, wo das Flugzeug heute im Flug-Erlebnis-Restaurant Runway 34 integriert ist. (Bild: pd)

WIL. Sie liegen überall auf der Welt – im Sand, im Dreck, in der Hitze und in der Kälte: Die Scobamat-Platten (siehe Infokasten). Zum Einsatz kommen sie vor allem auf Flughäfen, aber auch auf Baustellen oder in Erdbebengebieten. Überall dort wo ein schweres Fahrzeug oder Gerät den weichen Untergrund zu zerstören droht oder gar darin einsinkt. Dann etwa, wenn ein Flugzeug von der Landebahn abgekommen ist und geborgen werden muss.

Anfrage aus Kloten

Ihren Ursprung haben die Scobamat-Platten bei der Scobamat AG mit Sitz in Wil. Alles begann vor über 20 Jahren mit einer Anfrage der Flughafendirektion Kloten. Diese war auf der Suche nach 8 mal 3,7 Meter grossen Platten zur Bergung von Flugzeugen. «Eine so grosse Presse gab es damals noch nicht», erzählt Richard Steger, Eigner der Scobamat AG. Das Unternehmen entwickelte daraufhin ein eigenes Verfahren, um Platten dieser Grösse herstellen zu können. Den Prototyp liess sie von der Eidgenössischen Materialprüfungsanstalt Empa testen.

Mit vier Händen verlegbar

Bei der heutigen Scobamat-Platte handelt es sich um die zweite Generation. Sie wurde in Zusammenarbeit mit der Empa ständig weiterentwickelt. Das heutige Modell sei absolut optimiert, sagt Richard Steger. Etwa was die Resistenz gegen Umwelteinflüsse oder Chemikalien betreffe. «Zudem gibt es derzeit keine vergleichbare Platte auf dem Weltmarkt, die leichter ist», erklärt er. Man könne die Platten problemlos auch mit kleineren Fahrzeugen transportieren oder sogar per Luftfracht verschicken. Als zentralen Vorteil nennt er die Einfachheit des Systems. Die Platten lassen sich ohne technische Hilfe verlegen. Dazu reichen vier Hände. Richard Steger war einst in Afrika als Entwicklungshelfer tätig und blieb damals öfters mal mit dem Landrover draussen im Busch stecken. «Es war mir immer wichtig, mit einfachen Mitteln durchzukommen», sagt er.

Swissness bleibt das Ziel

Während die Scobamat-Platten rund um den Erdball zum Einsatz kommen, kennen sie nur einen Herstellungsort: Seftigen bei Thun. «Swissness ist uns wichtig», sagt Richard Steger. Deshalb habe er auch Nein gesagt, als mehrere grössere Länder, darunter Russland und China, nachfragten, ob sie die Platte selbst produzieren dürfen. «Wir wollen das Know-how nicht weggeben», so Steger. Der Verkauf der Platten variiert von Jahr zu Jahr. Der Markt sei aber noch nicht erschöpft, sagt Steger und verweist auf die zahlreichen neuen Flughäfen. Dennoch wolle die Scobamat AG nicht still stehen, denn das sei ein Rückschritt. Vor wenigen Jahren begann das Wiler Unternehmen zusammen mit der Empa mit der Entwicklung von wiederverwendbaren Unterlegeplatten namens Scobavent für Events wie Open Airs oder andere Outdoor-Veranstaltungen. Das Projekt wurde von der Kommission für Technologie und Innovation (KTI) unterstützt.

Die Anfrage, ein solches Produkt herzustellen, kam von einer namhaften Firma im Outdoorbereich. An die neue Platte gab es eine Fülle an Anforderungen. So ist diese heute nicht nur ultraleicht und per Klicksystem einfach verlegbar, sondern auch Highheels-tauglich.

Richard Steger, Eigner der Scobamat AG, mit einem Platten-Muster. (Bild: Ursula Ammann)

Richard Steger, Eigner der Scobamat AG, mit einem Platten-Muster. (Bild: Ursula Ammann)