Mit den Anwälten abgeklärt

Die Technischen Betriebe Wil führen im Jahr 2016 ein Standardprodukt mit zehn Prozent Biogas ein, mitfinanziert über die Arbeitspreisreserve. Stadtrat Daniel Meili erklärt, weshalb es zu keinem zweiten Fall Biorender kommt.

Philipp Haag
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Stadtrat Daniel Meili. (Bild: pd)

Stadtrat Daniel Meili. (Bild: pd)

Herr Meili, der Biogasabsatz der Technischen Betriebe Wil (TBW) stagniert seit der Einführung vor vier Jahren auf circa einem Prozent des Gasabsatzes. Die TBW lancieren ab dem 1. April 2016 ein Standardprodukt mit zehn Prozent Biogas. Ein Schritt, um die ökologischen Ziele zu erreichen?

Daniel Meili: Der Stadtrat hat sich innerhalb des Energiekonzeptes der Stadt Wil ökologische Ziele gesetzt. Es geht nun darum, die Zielerreichung laufend zu überprüfen und wo nötig, unterstützende Massnahmen zu realisieren. Ökologie ist dem Stadtrat und den TBW sehr wichtig und wir zeigen damit einmal mehr, dass uns dies auch ernst ist. Die weitere Reduktion von fossilen Energieträgern wie zum Beispiel Erdöl in unserer Stadt ist das oberste Ziel dabei.

Das neue Standardprodukt ist Bestandteil der ökologischen Gasreform der TBW (siehe Kasten). Planen die TBW weitere ökologische Massnahmen?

Meili: Die TBW werden dem Stadtrat auch für den Bereich Wasser eine Tarifreform vorlegen, die Wassersparen erstrebenswerter macht. Im Bereich Strom haben wir schon auf ökologische Standardprodukte umgestellt.

Beim Biogas sind viele Kunden bereit, aus ökologischen Gründen einen Aufpreis zu zahlen, aber auch, weil es sich um ein Schweizer Produkt handelt und nicht beispielsweise um vom Bund subventioniertes Biogas aus Deutschland. Wie wird sichergestellt, dass das Biogas der TBW aus Schweizer Produktion stammt?

Meili: Es ist ein Irrglaube, dass nur wir Schweizer ökologisch sinnvolles Biogas produzieren können. Wir achten sehr darauf, Biogas mit dem sogenannten Nawaro-Zertifikat (organische Stoffe, die nicht in der Nahrungskette gebraucht werden können) zu kaufen. Selbstverständlich ist dies auch eine Geld- und Verfügbarkeitsfrage.

Aber es ist ein Anteil an Schweizer Biogas vorgesehen?

Meili: Im von uns angestrebten Mix für dieses Produkt haben wir 30 Prozent Biogas mit Produktionsland Schweiz bereits vorreserviert. Eine grössere Menge zu einem vernünftigen Preis ist für das nächste Jahr fast nicht mehr zu erhalten. Der Rest kommt darum aus zertifizierten Quellen aus Nord- und West-Europa, insbesondere aus Deutschland. Da Biogas ja nicht im eigentlichen Sinne transportiert werden muss, haben wir dadurch keine Zusatzbelastungen der Umwelt.

Von wem beziehen die TBW das Biogas?

Meili: Zurzeit von Energie 360? aus Zürich. Zukünftig wird aber eine Mehrlieferantenstrategie angestrebt.

Wird das Biogas nicht über die Open Energy Platform AG, an welcher sich die Stadt Wil mit 1,8 Millionen Franken beteiligt, bezogen?

Meili: Die Open Energy Platform AG hat kein Biogas im Angebot. Daher beziehen wir es gezielt bei alternativen Lieferanten, die wir gut kennen.

Es gibt in der Region Biogasproduzenten. Eine davon ist die Bima Energie AG, Nachfolgerin der Biorender. Können sich die TBW vorstellen, irgendwann Biogas von der Bima zu beziehen?

Meili: Ja, vorstellen können wir uns das schon.

Der Umstieg auf das Biogasprodukt soll für die Kunden kostenneutral erfolgen. Wie wird dies erreicht?

Meili: Graugas, also das fossile Erdgas, wird im Einkauf billiger. Zusammen mit der Anschubfinanzierung aus der Arbeitspreisreserve (APR) und der Ersparnis aufgrund der nicht fälligen CO2-Abgabe auf dem Biogasteil kann das Angebot gegenüber heute ohne Aufpreis realisiert werden. Wir erhoffen uns dadurch eine breite Akzeptanz in der Bevölkerung, dass sie unsere ökologische Überlegung mitträgt und befürwortet.

Die APR spielte beim Biorender-Debakel eine entscheidende Rolle. Ein zweiter Fall Biorender sollte es nicht geben. Ist es überhaupt erlaubt, die Preisdifferenz über die APR auszugleichen?

Meili: Wir haben dies mit unseren Anwälten und Spezialisten abgeklärt. Die Antwort ist klar Ja.

Wie hoch ist der für das nächste Jahr vorgesehene Betrag?

Meili: Wir haben bei einer erhofften Akzeptanz von circa 50 Prozent der Gaskunden einen Betrag von 450 000 Franken, den wir als Anschubfinanzierung aus der APR budgetieren.

Wie lange soll der Preisausgleich über die APR laufen?

Meili: Der Stadtrat prüft auf jährlicher Basis den Bedarf an dieser Finanzierung und wird den entsprechenden Betrag im Budget der TBW jeweils vorschlagen. Die APR könnte beim geschätzten Bedarf an Biogas von 22 GWh pro Jahr die Finanzierung über zwölf Jahre mittragen.

Eine lange Zeitspanne.

Meili: Es sind nicht zwölf Jahre geplant. Wir hoffen, die Akzeptanz von ökologischen Produkten laufend erhöhen zu können und damit die Erkenntnis, dass die Gesunderhaltung der Umwelt ihren Preis hat. Im Langfristplan sehen wir auch eine Substituierung von Gas generell durch eventuell Fernwärme, was den Bedarf von Gasprodukten und damit die Unterstützung durch die APR senken würde.

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