Mit dem Rollkoffer an die Front

Der Sommer 2009 meinte es nicht gut mit mir. Nach siebeneinhalb Jahren militärloser Zeit fehlte mir ein plausibler Grund, um dem per Marschbefehl angedrohten Wiederholungskurs zu entkommen.

Drucken

Mit dem Rollkoffer an die Front

Der Sommer 2009 meinte es nicht gut mit mir. Nach siebeneinhalb Jahren militärloser Zeit fehlte mir ein plausibler Grund, um dem per Marschbefehl angedrohten Wiederholungskurs zu entkommen. Mit der Vollpackung, dazu gehören Utensilien wie Camelle, Schuhputzzeug, Gasmaske, Schlafsack, Kampfrucksack, Kälteschutzjacke und und und, marschierte ich keuchend vom Bahnhof Aigle so schnell zum Besammlungsplatz, wie das mit derart viel Bagage nur möglich ist. Und dann hat mich doch tatsächlich ein anderer Angehöriger der Armee leichten Schrittes überholt. Ich dachte, meine Augen lügen mich an. Der hatte sein Sturmgewehr um den Rücken gebunden und zog als Gepäck lediglich eine Armeetasche auf Rädern hinter sich her. Ich laufe in die falsche Richtung, schoss es mir durch den Kopf. Der kann ja unmöglich zu meiner Truppe gehören, so rückte bisher nie einer ein. Doch ich hatte unrecht. Die Zeiten haben sich auch in der Schweizer Armee geändert. Da ist man mal ein paar Jährchen weg vom Fenster, und schon gerät man auch im Militär absolut aus der Mode. Ich rückte völlig überbeladen ein, mit Kriegsmaterial, das überhaupt nicht mehr zur Ausrüstung gehört. Rollkoffer sind angesagt in der besten Armee der Welt. Danke, Brigadier Theler, für den Brief, der mich darüber informiert, dass ich per Ende dieses Jahres nicht mehr dazugehöre.

Silvan Meile

silvan.meile@wilerzeitung.ch