Mit Cervelats fängt man Ausbrecher

Tausend Franken Belohnung sind ausgeschrieben für den Ausbrecher Huser aus Degersheim. Nicht gerade viel, aber es reicht für eine neue Flinte. Eine, mit der man auch trifft, denn Gewehre fragen nicht, ob der, der damit schiesst, lautere Absichten hat oder nicht.

Michael Hug
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Zwischen den Jodelliedern ging es dann turbulent zu und her: Ausbrecher Huser ist in der Falle. (Bild: Michael Hug)

Zwischen den Jodelliedern ging es dann turbulent zu und her: Ausbrecher Huser ist in der Falle. (Bild: Michael Hug)

Tausend Franken Belohnung sind ausgeschrieben für den Ausbrecher Huser aus Degersheim. Nicht gerade viel, aber es reicht für eine neue Flinte. Eine, mit der man auch trifft, denn Gewehre fragen nicht, ob der, der damit schiesst, lautere Absichten hat oder nicht. Tausend Franken sind also Grund genug für die beiden Wilderer, Jagd auf den Huser zu machen und ihm eine Falle zu stellen. Im Jagen und Fallenstellen sind sie ja gut, die zwei Waldbuben, und tatsächlich gelingt es ihnen, Huser zu stellen. Ist der ja auch dumm genug, sich von einer Cervelat in die Falle locken zu lassen. Doch die beiden Wilderer können sich nicht lange an ihrem feissen Fang freuen. Denn sie sind selbst gesucht, der Wildhüter ist ihnen längst auf der Spur.

Eine turbulente Geschichte

Sie ist turbulent, die Geschichte. Landjäger jagen Ausbrecher, Wildhüter jagen Wilderer, dazwischen wird gehörig gejodelt. Das Jodeln ist ihnen gemeinsam, ob im edelweissen oder Kapuzenhemd, ob im grünen Rock oder im gestreiften Gefängnispyjama. Es sind ja alles Jodler, die vom Degerscher Jodelchörli nämlich. Es sind wieder zwei Jahre um, das Jodelchörli macht seine Abendunterhaltung. Wie gewohnt in den letzten Jahren, machen es sich die rund zwanzig Männer nicht gerade leicht, ihr Publikum, das stets von weither, sogar von ennet der Kantonsgrenze, anreist mit währschafter Unterhaltung zu unterhalten.

Jodeln aus der Situation heraus

Von der früher üblichen Teilung des Abends in Jodelvorträge und Theater sei man abgekommen, sagt Jodlerpräsident Ueli Feiss, «es ist nicht mehr so gefragt».

Die Situation auf der Bühne ist der Wald, wo Wild und Wilderer heimisch sind, oder das Älpli, wo die Wildheuer ihren Traditionen frönen, dem Heuen und Zusammenhocken. Aber heutzutage proben die Jodler nicht mehr so viel wie einst, das Schauspielern kommt eben auch aus der Situation heraus. Es wird also oft improvisiert, weil einer seinen Text vergisst, ein Haken nicht so recht von der Decke kommen will oder ein Wangenmikrophon zu wenig oder eins zu viel offen ist. Das Publikum aber liebt solche Blössen, es schmunzelt und lacht und kreischt und staunt, zum Beispiel wenn zwei echte Heuballen quer durch die Halle fliegen. Die Jodler grinsen derweil auf den Stockzähnen und trinken – pardon – schauspielern weiter.

Jodeln und Verbrecher fangen

Man lernt dabei: Wilderer verstehen sich aufs weidliche Jodeln besser als aufs schusselige Fangen von Verbrechern. Bergbauern waschen ihre Wäsche selber und trinken schon zum Znüni zünftig Wein. Bei der spontanen Heuerledi (dem glücklichen Abschluss der Heuernte) singen sie dann und jodeln und zaueren alle zusammen: Das «Schällezäuerli» (obligatorisch zu Beginn), das «Weisch nu» von Edi Gasser, den «Wildhuser» (passend zu Wild und Wilderer) und zum Schluss das wunderschön melancholische «Läbwohl!» des Hembergers Ruedi Roth. Selbstverständlich kann man so tieftraurig dann nicht auseinandergehen, darum geben die Jodler noch ein fröhliches drauf. Nicht zu vergessen ob all der wilden Wildhäsch- und -heuerei: Es waren am Samstag in der Mehrzweckhalle auch noch singende Gäste dabei. Am Nachmittag die Frickbuebe aus dem nahen Dottenwil, am Abend die Stanser Jodlerbuebe aus dem fernen Stans.