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Mit Blaulicht durch die Stadt: So kommen Polizei, Feuerwehr und Rettung durch das Wiler Verkehrschaos

Täglich herrscht in der Äbtestadt stockender Verkehr. Ein schnelles Durchkommen ist kaum möglich. Dies betrifft auch Blaulichtorganisationen. Sie haben aber entsprechende Mittel, um schneller beim Einsatzort eintreffen zu können.
Dinah Hauser
Einsatz im Dunkeln: Enge Quartierstrassen und falsch parkierte Fahrzeuge können die Feuerwehrautos am Vorankommen hindern. (Bild: PD)

Einsatz im Dunkeln: Enge Quartierstrassen und falsch parkierte Fahrzeuge können die Feuerwehrautos am Vorankommen hindern. (Bild: PD)

Ob am Schwanenkreisel, beim Bahnhof oder an der Rudenzburg-Kreuzung: Es staut. Wer zu Stosszeiten mit dem Auto durch Wil fährt, muss viel Geduld mitbringen. Was für normale Verkehrsteilnehmer mühsam ist, betrifft auch Blaulichtorganisationen. Diese können in Notsituationen jedoch auf Hilfsmittel zurückgreifen, welche das Vorankommen erleichtern.

Entgegen gängiger Meinung, können sie jedoch keine Ampeln beeinflussen. «Die Installation solcher Steuerungssysteme ist teuer und je nach Stadt sehr individuell», sagt Daniel Mayer, Leiter Region Mitte bei der Rettung St.Gallen.

Deren Einsatzfahrzeuge seien in grösseren Gebieten unterwegs, daher würde der Einbau eines solchen Systems keinen Sinn machen, da sich ein solches nur auf eine Stadt beschränken würde. «Für längere Baustellen auf Strassen, welche mit Lichtsignal gesteuert werden, erhalten wir jeweils temporär Fernbedienungen für die Grünschaltung», fügt Mayer an.

Mit Sondersignalen Verkehrsregeln missachten

Grundsätzlich gelten für Blaulichtfahrzeuge dieselben Verkehrsregeln wie für alle anderen Verkehrsteilnehmer. Mit Sondersignalen machen Einsatzfahrzeuge nicht nur auf sich aufmerksam. Sofern Blaulicht und Martinshorn eingeschaltet sind, dürfen sie auch Verkehrsregeln übertreten, wie über Rotlicht oder Sicherheitslinien fahren oder das Tempolimit übertreten. Florian Schneider, Mediensprecher der Kantonspolizei St. Gallen sagt:

«Das alles muss aber verhältnismässig sein. Wir dürfen niemanden gefährden.»

Die Fahrer müssen sich also trotz der Sonderrechte mit Vorsicht durch den Verkehr bewegen und mögliche unvorhergesehene Reaktionen anderer Verkehrsteilnehmer miteinberechnen. «Oberstes Ziel ist, dass der Rettungswagen sicher am Ziel ankommt. Das schliesst auch alle anderen Verkehrsteilnehmer ein», sagt Mayer.

Wer entscheidet, wann der Einsatz dringlich ist und die Sondersignale eingesetzt werden dürfen? Bei der Feuerwehr und der Rettung tut dies jeweils die zuständige Notrufzentrale. «Bei jeder dringlichen Einsatzfahrt müssen Blaulicht und Sirene eingeschaltet werden», sagt Thomas Widmer, Leiter Einsatzorganisationen und Kommandant der Feuerwehr beim Sicherheitsverbund der Region Wil.

«Ob ein Einsatz dringlich ist, wird mit der Alarmmeldung von der Notrufzentrale übermittelt.»

Im Bereich der Rettung sei dies der Fall bei vermuteter Lebensbedrohung des Patienten, wie etwa ein Herzinfarkt, ist von Daniel Mayer zu erfahren. Wie Thomas Widmer sagt, kann ein Fahrer in der Nacht bei wenig Verkehr aus Rücksicht auf die Bevölkerung die Sirene ausschalten. «Jedoch darf er dann die Verkehrsregeln nicht übertreten.»

Im polizeilichen Bereich entscheidet der Fahrer selbst über den Einsatz der Sondersignale. Dieser müsse das Einschalten rechtfertigen können, wie Florian Schneider sagt. «Ist ein höheres Gut in Gefahr – geht es etwa um Leben oder einen hohen Sachwert – dann ist es sicher gerechtfertigt.»

Wenn etwa ein Gegenstand auf der Autobahn liegt oder eine schnelle Präsenz der Polizei erforderlich ist, würden die Sondersignale auch gebraucht. «Falls man aber das Signal einsetzt, nur um schneller durch den Stau zu kommen, weil man vor dem Feierabend noch kurz eine Information beschaffen will, dann ist der Einsatz von Blaulicht und Sirene eher nicht gerechtfertigt», sagt Schneider.

Tücken und Behinderungen im Verkehr

Grundsätzlich kommen Blaulichtfahrzeuge mit der gebotenen Vorsicht und den Sondersignalen gut durch Wil, tönt es von den drei angefragten Organisationen. Jedoch gibt es einige Tücken. «Aufgrund der Zunahme des Individualverkehrs, der teils engen Verhältnisse rund um die Altstadt und, vor allem, zu Stosszeiten kann es zu Behinderungen kommen», sagt Daniel Mayer von der Rettung. Er nennt als schwierige Stellen die Kreuzung Rudenzburg, den Schwanenkreisel, den Einbieger zum Bahnhof oder auch das Doppel-Kreiselsystem bei der Autobahnzufahrt.

Enge Strassen seien für Polizeiautos in der Regel kein Problem. «Wir sind meistens mit normalen Autos unterwegs, mit welchen wir überall durchkommen», sagt Florian Schneider. Rettungsfahrzeuge kommen «mit Geduld und Umsicht» durch, sagt Daniel Mayer. «Und das paradoxerweise trotz der Eile.» Eventuell könne der Einsatzort auch auf einer alternativen Route angefahren werden. «Der Beifahrer hilft jeweils bei der Navigation.»

Der Feuerwehr mit ihren grossen Löschfahrzeugen kommen Rettungszufahrten entgegen, welche bei Überbauungen miteingeplant werden, sagt Thomas Widmer. Jedoch können etwa falsch parkierte Fahrzeuge in engen Quartierstrassen zu Behinderungen führen. Auch falsche Reaktionen von anderen Verkehrsteilnehmern beeinträchtigen das Vorankommen. (Richtige Verhaltensweise siehe Kastentext.)

Durch vorausschauendes Fahren soll vermieden werden, dass ein Einsatzfahrzeug nicht mehr vorankomme. Solche Fälle sind den angefragten Organisationen nicht bekannt. Falls doch einmal ein Einsatzfahrzeug im Verkehr stecken bleiben sollte, dann müsse die Notrufzentrale verständigt werden, die den Einsatz an eine andere Einheit umdisponiert. Im Fall der Feuerwehr muss laut Thomas Widmer der Einsatzleiter informiert werden.

Navigation mit modernster Technik

Im digitalen Zeitalter greifen Blaulichtorganisationen auch auf Navigationssysteme zurück wie Smartphone, Tablet oder speziell angepasste Geräte. Bei der Feuerwehr kommen auch Bildschirme im Depot zum Einsatz, welche die Fahrer über aktuelle Verkehrsbehinderungen wie Baustellen informieren. «Je nach Einsatzfahrzeug kommt ein Navigationsgerät zum Einsatz. Ansonsten informieren sich die Fahrer mit Karten im Depot über die Zufahrt», sagt Widmer.

Die Rettung St.Gallen kann via Sanitätsnotrufzentrale Hinweise zu Strassenverhältnissen einholen. Dies machen Kameras zur Verkehrsüberwachung möglich, wie sie beispielsweise auf Autobahnen zu finden sind.

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