Misstöne wegen der Kirchenmusik: An der Kirchbürgerversammlung von Evangelisch Niederuzwil wurde hitzig diskutiert

Die Kirchenmusik bildete dabei ein zentrales Thema. Das Verhältnis zwischen populärer und traditioneller Kirchenmusik stimme nicht mehr. Daneben wurden neue Mitglieder in die Kirchenvorsteherschaft gewählt.

Philipp Stutz
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Annette Wüst und Beat Diener sind neu in der Kirchenvorsteherschaft, Esther Eugster ist neues Mitglied der Synode (von links). (Bild: Phillipp Stutz)

Annette Wüst und Beat Diener sind neu in der Kirchenvorsteherschaft, Esther Eugster ist neues Mitglied der Synode (von links). (Bild: Phillipp Stutz)

«I Will Follow Him», sang der Gospelchor unter Leitung von Iris Gähwiler zu Beginn der Versammlung. In der Folge diskutierten die 75 Personen, die zur Bürgerversammlung erschienen waren, ausgiebig über die Kirchenmusik. Die populäre Kirchenmusik nehme während der Gottesdienste einen weit höheren Anteil ein als das traditionelle Liedgut. Ein Votant meinte:

«Das Verhältnis stimmt überhaupt nicht mehr.» 

Ein anderer zeigte sich enttäuscht darüber, dass die Orgel zu wenig zum Klingen gebracht wird. «Die Balance stimmt nicht mehr.» Ein weiterer Diskussionsteilnehmer merkte an, dass die moderne Musik vor allem junge Kirchbürgerinnen und Kirchbürger anspreche. Die Diskussion zu diesem Thema warf hohe Wellen. Etwas befremdlich mutete an, dass die anwesende Organistin ihre Meinung nicht zum Ausdruck bringen durfte, weil sie kein Stimmrecht besitzt. Ihre Meinung wäre durchaus von Interesse gewesen.

Begegnungsraum wird ausgebaut

Einigen Gesprächsstoff lieferte auch der neue Begegnungsraum hinten in der Kirche. Schliesslich genehmigten die Kirchbürger einen Kredit von 15000 Franken, obwohl sich einige von ihnen auch kritisch zu diesem Vorhaben äusserten. Valentin Arnold, Präsident der Kirchenvorsteherschaft, zeigte sich erfreut über die Annahme der Vorlage, sei der Begegnungsraum doch seit fast zehn Jahren immer wieder ein Thema gewesen. Der Raum wird nun familienfreundlicher, dient als Ergänzung zu weiteren Angeboten und ist wetterunabhängig. Unter anderem werden Bistrotischchen, Stühle für die Sitzecke und eine Cafétheke eingerichtet.

Die anwesenden Kirchbürger beschlossen ferner, den Kiesplatz auf dem Kirchenhügel zu sanieren, was Kosten von 5800 Franken zur Folge hat. Genehmigt wurde auch die Jahresrechnung, die mit einem Überschuss von rund 180 000 Franken schliesst, sowie das Budget, das einen
Gewinn von 33 000 Franken vorsieht. Der Steuerfuss bleibt bei 25 Prozentpunkten.

Sich den gesellschaftlichen Veränderungen stellen

Sabine Scherrer hat ihren Rücktritt aus der Kirchenvorsteherschaft eingereicht. Auch Monika Markwalder, Mitglied der Synode, hat demissioniert. Neu wurden Annette Wüst und Beat Diener in die Kirchenvorsteherschaft gewählt. Esther Eugster wurde als neues Mitglied der Synode bestimmt.

Pfarrer-Ehepaar sagt Adieu

Das Pfarrer-Ehepaar Marc und Meike Ditthard wird die Evangelische Kirchgemeinde Niederuzwil im Juli nach neunjähriger Tätigkeit verlassen. «Wir bedauern diesen Entscheid», sagte Valentin Arnold an der Kirchbürgerversammlung, «ihr Einsatz wird uns fehlen.» Um die Nachfolge zu regeln, wird eine Pfarrwahlkommission eingesetzt. (stu)

Ein Kirchbürger zeigte sich besorgt darüber, dass erneut 55 Kirchenaustritte zu beklagen sind, dem nur ein einziger Eintritt gegenübersteht. Auch die Kirchenvorsteherschaft bedauert diese Entwicklung. «Unsere Kirche lebt von der Gemeinschaft, die zu pflegen unser Wunsch ist.» Sie lebe von der Erneuerung und nehme gerne positive Kritik entgegen.

Die Kirchgemeinde zählte Ende vergangenen Jahres 3350 Mitglieder. Valentin Arnold betonte:

«Die Kirche muss sich den gesellschaftlichen Veränderungen stellen.»

Es gelte, neue Wege zu beschreiten und sich in der Öffentlichkeit zum Glauben zu bekennen.