Milch – ein kostbares Gut

Heute ist der Internationale Tag der Milch. Einer von zahlreichen Milchbauern in der Region ist der Flawiler Landwirt Norbert Hungerbühler. Die Wiler Zeitung ging mit ihm frühmorgens in den Stall zum Melken.

Mario Fuchs
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«Melken ist eine schöne Arbeit», sagt Norbert Hungerbühler. Seinen Kühen erteilt er vor dem Ansetzen der Melkmaschine Streicheleinheiten. (Bilder: mf.)

«Melken ist eine schöne Arbeit», sagt Norbert Hungerbühler. Seinen Kühen erteilt er vor dem Ansetzen der Melkmaschine Streicheleinheiten. (Bilder: mf.)

Flawil. Langsam dämmert's. Zum einen am Horizont, zum anderen auch dem Schreibenden. Fünf Uhr? Das ist wirklich früh. Für Norbert Hungerbühler aber ist dies Alltag. Eine Stunde melken, danach steht die Fütterung der Zuchtschweine an. Um sieben gibt es Zmorge. Jeden Tag. «Aber ich habe ja schliesslich auch Freude daran, sonst hätte ich den falschen Beruf gewählt», sagt der 37-Jährige, der den Hof im Bubental vor rund zehn Jahren von seinem Vater übernehmen konnte.

Im Kühltank in die Käserei

Senta hält schön still. Ihr hellbraunes Fell glänzt im Schimmer der Neonröhre. Bevor sich die Melkmaschine an ihren Euter saugt, erhält sie eine Streicheleinheit von Melker Norbert. «Man muss die Tiere schon gern haben», sagt er. 127 000 Liter Milch kommen im Durchschnitt pro Jahr in einem Schweizer Hof zusammen. Norbert Hungerbühler gehört mit 21 Kühen eher zu den kleineren Betrieben in der Region. Gemolken wird immer um fünf Uhr, morgens und abends. Um 18 Uhr wird die Milch von der Degersheimer Käserei Tschumper abgeholt. Dort wird sie zu Appenzeller Käse oder der eigenen Hausmarke verarbeitet.

Ein ständiges Thema sei der Milchpreis. Dieser variiere je nach Saison, Qualität der angelieferten Milch und Absatz des Käses. Die Milchbauern unterstünden strengen Qualitätsvorschriften, die monatlich geprüft würden. «Dank unserem innovativen Milchkäufer liegt unser Milchpreis im Vergleich zu anderen Käsemarken in der Region zwar über dem Durchschnitt, aber trotzdem auf tiefem Niveau», erklärt Hungerbühler, der als Kassier in der Käsereigesellschaft Ifang und dem Landwirtschaftlichen Verband Region Wil amtet.

«Wir brauchen eine klare Linie»

Der Landwirt und seine Frau Monika, die zusammen drei Kinder haben, sind nicht immer mit der Agrarpolitik des Bundes einverstanden. «Man hat ja gemeint, die Kontingentierung werde abgeschafft, und jetzt gibt es doch wieder Bestrebungen in die Gegenrichtung», kritisiert Norbert Hungerbühler. Im Grunde begrüsse er den freien Markt, doch der Bund müsse eine klare Linie vorgeben. Zudem sei es für motivierte Jungbauern zunehmend schwieriger, an Land zu kommen.

«Letztlich steht aber das Positive – die Selbständigkeit sowie das Arbeiten in der Natur und mit Tieren – immer noch im Vordergrund», zeigt er sich zufrieden.

Aus der Kuh in die Kuh: Junge Kälber erhalten zum Zmorge Frischmilch.

Aus der Kuh in die Kuh: Junge Kälber erhalten zum Zmorge Frischmilch.

Nach dem Melken muss die Melkanlage gereinigt werden.

Nach dem Melken muss die Melkanlage gereinigt werden.