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MESSUNGEN: Testlauf für den Notfall

Das St. Galler Amt für Umwelt und Energie verfärbt die Glatt in den nächsten Tagen oder Wochen grün. Ist die Fliessgeschwindigkeit ermittelt, kann auf Wasserverschmutzungen effizienter reagiert werden.
Thomas Riesen
Noch ist die Farbe der Glatt wie gehabt: Das wird sich jedoch in den nächsten Wochen zu Testzwecken ändern. (Bild: Marlies Scarpino)

Noch ist die Farbe der Glatt wie gehabt: Das wird sich jedoch in den nächsten Wochen zu Testzwecken ändern. (Bild: Marlies Scarpino)

Thomas Riesen

redaktion@wilerzeitung.ch

Wenn die Glatt bis Ende Juni einen deutlichen Grünstich aufweist, muss nicht zwingend ein Problem vorliegen und es ist nicht der irische Nationalfeiertag St. Patrick’s Day. Dann haben Silja Kempf, Fachbereichsleiterin Hydrometrie, und ihre Mitarbeiter des kantonalen Amtes für Umwelt und Energie grünen Farbstoff ins Flusswasser gegeben. Danach werden im weiteren Flusslauf Wasserproben entnommen, um die mittlere Fliessgeschwindigkeit zu ermitteln.

Die dabei gewonnenen Erkenntnisse helfen im Notfall bei der Bewältigung von Gewässerverschmutzungen aller Art. Bei einem Unfall mit wassergefährdenden Flüssigkeiten weiss die Öl- und Chemiewehr beispielsweise, wie viel Zeit den Einsatzkräften bleibt, um flussabwärts Massnahmen zu treffen, bevor die Verunreinigung vorbeifliesst. Gleichzeitig können die Verantwortlichen der Wasserversorgung die Gefährdung ihrer Fassungen in der Nähe des Flusses richtig einschätzen.

Auf einem 15 Kilometer langen Abschnitt messen

Die Färbung wird mit einem speziellen Farbstoff durchgeführt, er heisst Uranin. «Er ist geruchlos und gesundheitlich unbedenklich», sagt Kempf. Sie ergänzt: «Vergangenes Jahr haben wir diese Messung an der Sitter vorgenommen, während die Leute gebadet haben.» Entsprechend bestehe für Flora und Fauna keine Gefahr. Auch die Trinkwasserversorgung sei nicht gefährdet.

Bei den wichtigen Bodenseezuflüssen sind diese Messungen bereits durchgeführt worden. Sie werden allerdings nicht regelmässig vorgenommen. Das passiert erst, wenn diese spezielle Fragestellung bei einem Fliessgewässer aktuell wird. So auch bei der Glatt, die nun auf einer Strecke von 15 Kilometern zwischen Tobelmühle auf Gossauer Gemeindegebiet und der Einmündung in die Thur bei Oberbüren gemessen wird. Damit unterscheidet sich das System von den Messungen der Wasserstände, die regelmässig erfolgen.

Abhängig von der Wassermenge

Wann die Fliessgeschwindigkeit der Glatt ermittelt wird, ist noch offen. Dazu müssen die Verhältnisse stimmen. Die Glatt sollte bei der Referenzmessstelle eine mittlere Wassermenge von rund 2700 Liter Wasser je Sekunde führen. Dieser Wert wird zurzeit unterschritten. Wenn es in nächster Zeit nicht ausgiebig regnet, ist der Termin gefährdet. Ebenfalls kann nicht bei Regen gemessen werden, da sonst das Ergebnis verfälscht würde.

Silja Kempf und ihre Mitarbeiter werden deshalb die Wetterprognosen in der nächsten Zeit genau verfolgen, damit sie wissen, wann sie die Messungen vornehmen können. Der Entscheid fällt einen bis zwei Tage vorher. Wenn der Zeitpunkt feststeht, werden die Medien und die Kommandozentrale der Polizei informiert – für den Fall, dass Meldungen eingehen.

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