Menschlichkeit oder Gesetz?

Eine Elterngruppe setzte sich an der Schulbürgerversammlung der Oberstufenschulgemeinde Bütschwil Ganterschwil Lütisburg (BuGaLu) vehement für die Lehrperson ihrer Kinder ein. Sie kritisierte das Vorgehen der Schulbehörde und Lehrerschaft und stellte die Qualität der Oberstufe in Frage.

Katharina Rutz
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Bütschwil. Bereits während der Bürgerversammlung der Oberstufenschule BuGaLu am Donnerstagabend gab es viele Fragen aus der Bürgerschaft zu Rechnung und Voranschlag. Dies sei sonst nie so, meinte einer der Stimmenzähler. Die Stimmung war angespannt. Nachdem die ordentlichen Traktanden mit einigen Gegenstimmen angenommen wurden, erhob sich die «Elterngemeinschaft der ersten Realklassen» und trat vor die Bürgerschaft.

Vor drei Jahren hatte der Schulrat eine Lehrperson ohne Oberstufenausbildung als Mutterschaftsvertretung befristet auf ein Jahr eingestellt. Dies ist gesetzlich möglich, wenn sich keine Lehrperson mit entsprechendem Diplom bewirbt. Die Anstellung wurde zwei Mal verlängert. Nach drei Jahren schrieb der Oberstufenschulrat nun die Stelle neu aus. Damit hat er nach dem Gesetz gehandelt.

Bei Kindern beliebt

Die Lehrperson, deren Anstellung nicht verlängert wurde, war jedoch bei den Schülerinnen und Schülern und den Eltern ausserordentlich beliebt. Diese kämpfen vehement für ihre Lehrperson. Die Eltern erkennen zwar an, das das Gesetz eingehalten wurde, jedoch werfen sie dem Schulrat und dem Lehrerteam vor, menschlich versagt zu haben.

Der Fall ist auch vor dem Hintergrund des Lehrermangels, vor dem der Dachverband der Schweizer Lehrer im November 2009 warnte, zu betrachten. Zudem sei die Anzahl der Primarlehrer an den Schweizer Oberstufen problematisch angestiegen.

Nach einem abgewiesenen Wiedererwägungsgesuch liegt der Fall auf Wunsch der Lehrperson nun bei der Geschäftsprüfungskommission. Zudem wurde die Regionale Schulaufsicht mit dem Fall betraut.

Die Eltern verlangten an der Bürgerversammlung vom BuGaLu-Schulrat eine schriftliche Entschuldigung an die betroffene Lehrperson sowie eine schriftliche Stellungnahme an die Elterngemeinschaft bis zum 23. März. Ausserdem forderten sie eine unabhängige Untersuchungskommission, die von den Behörden der drei an der Oberstufe beteiligten Politischen Gemeinden zusammengestellt werden soll. Diese soll an einer ausserordentlichen Schulbürgerversammlung über ihre Ergebnisse berichten.

Menschlich versagt?

In rührenden Worten schilderten die Eltern, wie schwer ihre Kinder der Verlust ihrer Lehrperson getroffen habe. Die Kinder hätten Albträume, seien verschlossen oder würden sich im Internet immer wieder das Bild ihrer Lehrperson anschauen. Die Schüler hätten auch Briefe für ihre Lehrerin geschrieben. Es ist sogar von T-Shirt-Aktionen für die Lehrperson die Rede.

«Das Wohl unserer Kinder wurde verletzt», so die Eltern, und ihre persönliche Entwicklung sei gestört worden.

Uneinig waren sich Schulrat und Eltern über die Auslegung von Empfehlungen, die ihnen das Bildungsdepartement zu einer allfälligen auf zwei Jahre befristete Weiterbeschäftigung der Lehrperson gegeben habe. Hans-Jörg Furrer, Schulratspräsident, stellte klar, dass der Entscheid letztlich in der Kompetenz des Schulrates liege.

Schulrat und Schulleitung betonten weiter, dass die Elternschaft nicht über alle Informationen verfügen würden. Hierbei handelt es sich um Informationen, die dem Amtsgeheimnis unterstehen. Aus verschiedenen Bemerkungen der Parteien lässt sich schliessen, dass es sich um Informationen im Bereich des Persönlichkeitsschutzes dreht. Die Regionale Schulaufsicht empfahl letztlich bei einer Aussprache, diese nicht offenzulegen.

Ein Diskussionspunkt war zudem das Vorgehen des Lehrervertreters, der im Schulrat einen beratenden Einsitz hat. Gemäss Gesetz ist dieser dazu angehalten, wenn nötig die Meinung der Lehrerschaft einzuholen und diese beim Schulrat zu vertreten. Lehrervertreter Erwin Schmid tat dies auch in diesem Fall, indem er in einer anonymen Abstimmung die Meinung der Lehrerschaft zum Beschluss des Schulrates einholte.

Die Eltern fassten diese Abstimmung so auf, als dass die Lehrerschaft für oder gegen die Lehrperson Position bezog. Dies sei menschlich fragwürdig und gehe in Richtung «Mobbing», so ein Vater der Elterngemeinschaft. Erwin Schmid und eine weitere anwesende Lehrperson wehrten sich jedoch gegen diese Auslegung. Die betroffene Lehrperson unterrichtet zurzeit nicht mehr an der Schule.

Qualitätsfrage

Schliesslich zog die Elterngemeinschaft grundsätzlich die Qualität der Oberstufe sowie die Kompetenz von Schulrat und Schulleitung in Zweifel. Dagegen gab es jedoch genauso viele Voten aus der restlichen Bürgerschaft. Ein Vater erhob sich und sagte ganz klar: «Ich bin von der Qualität des BuGaLu überzeugt.» Hans-Jörg Furrer betonte, dass die Schulleitungen über die entsprechende Ausbildung verfügen und dass das BuGaLu Praktikumsschule der Pädagogischen Hochschule St. Gallen sei und somit nicht in so einem schlechten Ruf stehen könne.

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