Menschenrechte statt Mathe

Vergangene Woche veranstaltete eine Klasse der Kantonsschule Wil eine besondere Unterrichtswoche in Zusammenarbeit mit Amnesty International. Das Thema Menschenrechte ist den Schülern nahegegangen.

Miranda Diggelmann
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Zum Abschluss der besonderen Unterrichtswoche durfte die Klasse von Patrick Bernold der Kantonsschule Wil Plakate zu vier wichtigen Punkten der Menschenrechtsthematik malen: Folterverbot, Recht auf Leben, freie Meinung und Asylrecht. (Bilder: Miranda Diggelmann)

Zum Abschluss der besonderen Unterrichtswoche durfte die Klasse von Patrick Bernold der Kantonsschule Wil Plakate zu vier wichtigen Punkten der Menschenrechtsthematik malen: Folterverbot, Recht auf Leben, freie Meinung und Asylrecht. (Bilder: Miranda Diggelmann)

Recht auf Leben, freie Meinung, Folterverbot und Asylrecht – mit diesen und weiteren Themen hat sich die Klasse von Patrick Bernold der Kantonsschule Wil vergangene Woche intensiv beschäftigt. Dies fand im Rahmen einer besonderen Unterrichtswoche (BU) in Zusammenarbeit mit der Menschenrechtsorganisation Amnesty International statt. Dafür wurde die Klasse die ganze Woche über von zwei Mitarbeiterinnen der Amnesty-Gruppe Wil, Myrtha Gut und Åsa Sigfridsson Karrer, begleitet.

Breitgefächertes Programm

«Das Ziel dieser BU war vor allem, dass meine Schüler mit dem Thema Menschenrechte in Berührung kommen – auf eine ganz lockere Art und Weise», sagt Klassenlehrer Patrick Bernold. Das Programm der Woche war dementsprechend gestaltet. Zum Einstieg besuchte die 1. Klasse der Kanti Wil das Kettensägewerk Stihl, gleich gegenüber von der Schule. Die Unternehmensbesichtigung hätte vor allem einen sozialen Aspekt gehabt, so Bernold, da viele Stihl-Mitarbeitende sich seit Jahren unter der Woche in der Kanti-Mensa verpflegen.
Den Rest der Woche gestalteten Vorträge über Menschenrechte, welche von Myrtha Gut gehalten wurden; eine Challenge in der Stadt; Spiele, in denen die Schüler lernten, wie man Menschenrechte wahrnimmt; Filme über diverse Schicksale von Menschen; Sport zur Auflockerung; Recherchen zum Thema und den Besuch einer Frau, die vor einigen Jahren mit ihrer Familie von Sri Lanka in die Schweiz geflüchtet ist. Vor allem der letzte Programmpunkt scheint die Wiler Kantonsschüler sehr berührt zu haben. «Die Geschichte der Sri-lankischen Frau hat uns alle sehr bewegt», sagt Schülerin Janis Zünd. «Nach solchen Erzählungen schätzt man es sehr, in der Schweiz aufgewachsen zu sein. Oft vergessen wir, was das für ein Privileg ist», sagt Gian Halter, ein weiterer Schüler der Klasse.

Geschichte hinter Menschen

Åsa Sigfridsson Karrer von der Amnesty-Gruppe Wil reflektiert gemeinsam mit den Kantischülern die besondere Unterrichtswoche.

Åsa Sigfridsson Karrer von der Amnesty-Gruppe Wil reflektiert gemeinsam mit den Kantischülern die besondere Unterrichtswoche.

Die Themenwoche sei für die Kantischüler nicht nur eindrücklich, sondern vor allem auch sehr informativ gewesen. «Wir haben viel Neues gelernt, etwa, dass es Kindersoldaten gibt – erschreckend», sagt Schülerin Nina Nogic. Und Lea Weber ergänzt: «Auch unsere Sicht auf die Flüchtlingsthematik hat sich in dieser Woche verändert. Wir wissen jetzt, dass hinter jedem Flüchtling eine mitreissende Geschichte steckt.» Einige der Kantonsschüler hätten ausserdem nie gedacht, wie viele Menschen sich derzeit auf der Flucht befinden würden.

Mit Migranten die Woche ausklingen lassen

Am Freitagmorgen fand die Schlussveranstaltung der Sonderwoche mit Amnesty International statt. Auf Tüchern durften die Schüler zu den vier Menschenrechten, die momentan weltweit am aktuellsten sind, aufmalen, was sie dazu gelernt haben. Gemeinsam mit Åsa Sigfridsson Karrer und Myrtha Gut reflektierte die Klasse anschliessend die Erlebnisse der Woche. «Insbesondere das spielerische Zugehen auf ernste Themen wie Menschenrechte scheint den Schülern gut gefallen zu haben», sagt Åsa Sigfridsson Karrer. Zum Schluss spazierte die Klasse von Patrick Bernold zum evangelischen Kirchgemeindehaus, wo sie gemeinsam mit Migranten am Mittagstisch teilnehmen durfte. Auch dies ergab nochmals einen unvoreingenommenen Blick auf diese Menschen, die meist eine schwere Vergangenheit zu bewältigen haben.