Memphis, Nashville, Degersheim

Die Basler Band The Voyageurs spielte an den Bluesnights in Degersheim. Das Konzert zerlegte den Blues in all seine Facetten.

Pablo Rohner
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The Voyageurs im Konzertsaal der Firma Grauer und Co. (Bild: Pablo Rohner)

The Voyageurs im Konzertsaal der Firma Grauer und Co. (Bild: Pablo Rohner)

DEGERSHEIM. Einer der Mythen des Blues besagt, dass einst Robert Johnson an einer Strassenecke in Clarksdale, Mississippi, seine Seele dem Teufel verkauft haben soll. Im Gegenzug soll Diabolus den König des Delta-Blues mit der Kunst des Gitarrenspiels gesegnet haben. Auch Johnny Cash wurden ähnliche Legenden angedichtet.

Pragmatische Musikanten

Am Samstag sass Pink Pedrazzi im Konzertsaal, trug Schwarz und Zylinder und sang «Solitary Man» in der Version des «Man in Black». Bei all dem Sagenhaften, das den frühen, namentlich den Delta-Blues aus Mississippi als Elendsmusik der schwarzen Plantagenarbeiter umrankt, betonte Pedrazzi im Pausengespräch, was die Bluesmen ebenso waren wie es «The Voyageurs» heute sind: «Pragmatische Musikanten, die auch Geld verdienen wollen. Von der Tanzmusik auf dem Hochzeitsfest bis zum Lumpenlied in der Kneipe mussten sie alles draufhaben.» Und doch konnte man sich den mythischen Bildern des Blues nicht entziehen. Melancholische Kleinode von «Mississippi John Hurt» oder Tom T. Hall entrückten das Publikum auf staubige Strassen in Memphis und Nashville, auf die Veranden vor Arbeiterbarracken in Kentucky und Tennessee.

Gitarre und Mundharmonika

Ob archaischer Delta-Blues oder der elektrifizierte und urbanere Chicago-Blues, die Klassiker waren mit eigenem edlen Schimmer überzogen. Gitarrenglanz mit viel Bottleneck, Mundharmonika und Mandoline verzierten die Songs, getrieben von Rainer Schudels Bassspiel, hier dunkel wie bei Johnny Cash in Folsom Prison, dort rock'n'rollend wie bei Chuck Berry. «The Voyageurs» zeichneten den Blues in all seinen Schattierungen. Countryeskes und Folkiges sortierte sich neben modernen Grössen wie John Mayer oder Gillian Welch und selbstgeschriebenen Songs. Stets alle Musik kategorisieren zu wollen, hält Gitarrist Magor Szilagyi für ein europäisches Phänomen: «Wenn du dich in Memphis in der Kneipe hinhockst, heisst es nur: Machen wir Blues. Ob dann ein Bluegrass daraus wird, ist zweitrangig.»

So halten es auch die drei Basler Bluesmen. «Wenn wir nach langer Zeit wieder zusammen spielen, funktioniert das sofort», sagt Pedrazzi, «wir lassen es einfach rollen und laufen.» Er gründete einst die «Moondog Show», heute unterhält er ein Soloprojekt. Schudel und Szilagyi spielen zusammen in «Mojo Swamp». Als er die Gitarre wieder überhängte, gab Szilagyi ganz im Geist des Blues zu Protokoll: «Wo es eine Steckdose hat und Leute, die uns hören wollen, spielen wir.»

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