Meisterhafte Musik umgeschrieben: Wilerin bearbeitet Solo-Werke zu Orchesterstücken

Solo-Werke mit Orchester aufzuführen – diese anspruchsvolle Aufgabe meisterte Julia Engel in ihrer Maturarbeit.

Christof Lampart
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Julia Engel fühlt sich besonders von der gefühls- und naturverbundenen Musik der Romantik angezogen.

Julia Engel fühlt sich besonders von der gefühls- und naturverbundenen Musik der Romantik angezogen.

Bild: Christof Lampart

Die klassische Musik hat es Julia Engel schon seit der Kindheit angetan; genauso wie in den letzten Jahren das Zusammenspiel in einem Ensemble. «Die Freude am Orchesterspiel sowie an der Kreativität des Bearbeitens war die Motivation zu meiner Maturaarbeit», sagt sie. Die Arbeit führt den unprätentiösen Titel «Bearbeitung und Aufführung von Klavierstücken aus der Romantik», doch war die Materie alles andere als trocken.

Musik der Romantik und deren Komponisten

Als Musik der Romantik bezeichnet man die vorherrschende Stilrichtung der Musik des 19. Jahrhunderts. Gewöhnlich werden drei Abschnitte unterschieden: Früh-, Hoch- und Spätromantik. Die wichtigsten Eigenschaften der romantischen Musik sind die Betonung des gefühlvollen Ausdrucks, die Auflösung der klassischen Formen, die Erweiterung und die Überschreitung der traditionellen Harmonik. Bekannte romantische Komponisten waren Frédéric Chopin, Franz Liszt, Felix Mendelssohn Bartholdy, Johannes Brahms, Franz Schubert, Robert Schumann sowie Carl Maria von Weber und frühe Werke von Richard Wagner. (art)

«Es kam viel Unterschiedliches zusammen, das ich zu meistern hatte: die Bearbeitung der Werke an sich, aber auch die detaillierte Planung der Proben und schliesslich die Organisation des Konzertes, zusammen mit meiner Freundin und Klassenkameradin Emily Doving, sowie die eigentliche Aufführung», zählt Julia Engel auf.

Eine von Gefühlen geprägte Epoche

Doch warum entschied sie sich für die Musik der Romantik? «Für mich ist diese Musikepoche jene, die am stärksten von Gefühlen geprägt ist; die Musik der Romantik stellt die Emotion klar über die Form und wird so zur Sprache, die auszudrücken vermag, was unmöglich mit Worten auszudrücken ist», sagt die Wilerin.

Julia Engel bearbeitete Klavierwerke von Schubert (Frühromantik), Felix Mendelssohn Bartholdy, Johannes Brahms (Hochromantik) und Edvard Grieg (Spätromantik) – und deckte somit das ganze Spektrum der deutsch-nordischen Romantik im Konzert ab. «Ich habe Werke ausgesucht, die sich leicht für ein Orchester umsetzen lassen. Dabei habe ich darauf geachtet, dass ich Stücke mit vielen Akkorden und parallelen Stimmen nehme, da sie sich gut instrumentieren liessen», erklärt die Maturandin.

Ein Gefühl entwickeln für die Klangfarben

Dennoch war es nicht einfach, die Stimmen aller Instrumente so hinzukriegen, dass jede Stimme für sich allein gut klang. «Zwischendurch habe ich mir die Stücke immer wieder angehört, um ein Gefühl für die verschiedenen Klangfarben zu bekommen und die Klavierstimmen auf die geeigneten Instrumente verteilen zu können», erzählt sie.

Bei der Zusammenstellung des kleinen, neunköpfigen Kammerorchesters griff die Maturandin, die selbst über Orchestererfahrung verfügt, auf Freunde und Bekannte zurück. Während Probeplan und -zeiten mittels sozialer Medien relativ schnell abgemacht waren, zeigte es sich bei den eigentlichen Proben, dass Freundschaften durchaus auch problematisch sein können, wenn es auf ein Ziel hinzuarbeiten gilt. Julia Engel erzählt:

«Ich hätte, rückblickend, bei den Proben strenger sein müssen und das Orchester zu konzentrierterem Proben anhalten müssen, aber wir haben halt auch unseren Spass gehabt und viel gelacht.»

Für sie selbst sei es sehr interessant gewesen, dass sie sich durchgehend nicht nur mit ihrer eigenen Stimme, sondern mit denjenigen aller anderen beschäftigen musste. «Mir gefiel es, meine eigenen Vorstellungen in die Musik einzubringen, und ich habe gelernt, mich mit dem Orchester als ganzem Klangkörper zu beschäftigen.»

In der Aula der Kanti aufgeführt

Das Konzert, das am 19.September 2019 in der Aula der Kantonsschule über die Bühne ging, geriet für Julia Engel zum «Highlight im Prozess der Maturaarbeit». «Ich bin sehr stolz, dass ich mein Werk vor Publikum aufführen konnte, und bin zugleich auch sehr dankbar für diese Erfahrung.»