Meister der Mimik und Gestik

FLAWIL. Anlässlich des Saisonauftakts der MVG Flawiler Kultur sind am Freitag rund 170 Interessierte in den Genuss eines durch tiefgründigen Humor bestechenden Leckerbissens gekommen. Clown Pic präsentierte sein Programm «Der Schlüssel».

Christine Gregorin
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So meisterhaft und hinreissend wie eh und je – Clown Pic bezaubert seine Fans im Lindensaal. (Bild: cg.)

So meisterhaft und hinreissend wie eh und je – Clown Pic bezaubert seine Fans im Lindensaal. (Bild: cg.)

FLAWIL. «Toes», doziert Pic unmittelbar nachdem er das Kinderlied «Head and Shoulders» zum besten gegeben hat und deutet dabei auf seine Füsse. Einen Augenblick später bewegt er alle zehn wirkungsvoll vor seinem Gesicht positionierten Finger in rasantem Tempo auf und ab und übersetzt mit triumphierend besserwisserischem Grinsen: «Zehen». Englisch für Anfänger nennt der St. Galler Künstler die entsprechende Nummer, in der sich einer seiner beiden Helden in seine Englischlehrerin Jean verliebt, dieselben Gefühle aber gleichzeitig auch für Kaminfegerin Chantal empfindet. Das Ganze endet im schottischen Hochmoor, wo der sympathische Protagonist ohne den passenden Schlüssel vor verschlossener Tür steht.

Ein Abbild der Gesellschaft

Genauso wie die Nachzügler auf dem Weg ins Theater das Foyer betreten, gehen sie auch durchs Leben. Sie kommen einem ziemlich bekannt vor, als hätte man sie irgendwo schon einmal gesehen. Und die Chancen stehen gut, sich selbst in diesem Zoo der Charakteren wiederzufinden. Clown Pic begeistert in ständig wechselnden Masken. Minutenlang passen sich seine Bewegungen dem gegenwärtig getragenen Larvengesicht vollkommen an. Jung, alt, dick oder dünn – die Übereinstimmung ist perfekt, meisterhaft interpretiert, hinreissend gemacht. Eine skurrile Welt, die mit detailgenauer Beobachtung die Realität enttarnt.

Und was die Zuschauer dabei tatsächlich in ihren Bann zieht, ist die Innigkeit und Liebe zu den Menschen, die in ihrer einzigartig subtil vorgetragenen Art fast greifbar scheint. Der Abend ist ein Schauspiel der Gefühle, die funkelnd ein Panoptikum menschlicher Zustände zeichnet. Einerlei ob verbal oder in der von ihm bevorzugten Körpersprache, Pic kommt ohne Denunziation und Zynismus aus.

Schweizer Kulturgut

Er tritt mit der eigenen Lächerlichkeit an und hofft, der geneigte Zuschauer lache über sich selbst. Clown Pic, der mit bürgerlichem Namen Richard Hirzel heisst, muss nicht vorgestellt werden. Seine Seifenblasennummer ist weit über die Schweizer Grenzen hinaus Kult und hat auch über vierzig Jahre nach der Premiere nichts von ihrer Faszination eingebüsst. So liess die im Lindensaal gezeigte, abschliessende Kurzversion sämtliche Zuschauer innehalten, um einmal mehr durch die schillernden Regenbogenfarben der kleinen, grossen und noch grösseren, fragilen Kunstwerke verzaubert zu werden.

Die zuvor gezeigte Bandbreite und Vielfalt des Pantomimen wusste darüber hinaus ebenfalls zu verblüffen und sorgte für einen vergnüglichen Abend, regte parallel dazu aber gleichwohl zum Nachdenken an.