«Mehrheitlich schwierige Fälle»

Die Kindes-/Erwachsenenschutzbehörde (Kesb) war national wiederholt in den Schlagzeilen. Beim Tag der offenen Tür bei der Kesb Wil-Uzwil sowie der Berufsbeistandschaft Uzwil herrschte grosser Andrang.

Kathrin Meier-Gross
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Viele Besucherinnen und Besucher informierten sich über die Tätigkeit der Kesb Wil-Uzwil. (Bild: Kathrin Meier-Gross)

Viele Besucherinnen und Besucher informierten sich über die Tätigkeit der Kesb Wil-Uzwil. (Bild: Kathrin Meier-Gross)

«Bevor es die Kesb gab, führte das Steueramt die Liste der unbeliebtesten Ämter an. Nun stehen wir an erster Stelle», scherzte Martin Widmer, Präsident der Kindes- und Erwachsenenschutzbehörde Wil-Uzwil, bei der Begrüssung. Ziel des Tages der offenen Tür sei es, die Bevölkerung über die Tätigkeiten der Kesb zu informieren, Vertrauen zurückzugewinnen und das Image zu verbessern.

918 Personen werden betreut

Zum Team in Niederuzwil gehören zwanzig Mitarbeitende, einige in einem Teilpensum. Keinesfalls nur «Fachidioten», wie sie manchmal bezeichnet würden, «sondern ausgebildete Berufsleute», betonte Widmer, gelernter Betriebsdisponent und Jurist. Aktuell werden 918 Personen betreut, davon 246 von der Berufsbeistandschaft Uzwil, 328 von der Berufsbeistandschaft in Wil und 344 Menschen von privaten Beistandspersonen. Pro Jahr werden gut 1000 Verfügungen und Beschlüsse erlassen. Bei der Verwaltungsrekurskommission wurden von unzufriedenen Klienten 17 Beschwerden gegen diese Beschlüsse eingereicht. 10 wurden im Sinne der Kesb entschieden, 2 dagegen, 5 sind noch offen. «Die Kesb hat mehrheitlich schwierige Fälle, von denen einige einseitig in der Presse abgehandelt werden», sagte Widmer. «Unerwähnt bleibt, dass 80 bis 90 Prozent der Fälle optimal verlaufen. Wir leisten Unterstützung und helfen, Lösungen zu finden.» Auf grosses Interesse stiess der Vortrag zum Thema Vorsorgeauftrag. Er musste zweimal gehalten werden. Mittels eines Vorsorgeauftrags kann jede urteilsfähige Privatperson sicherstellen, dass jemand anders bei einer Urteilsunfähigkeit die notwendigen Angelegenheiten erledigen kann. Alle Personen können so ihren Willen rechtzeitig festhalten und eine nahestehende Person oder Fachstelle zur Regelung ihrer Angelegenheiten für den Fall der Urteilsunfähigkeit beauftragen und ermächtigen. Liegt ein rechtsgültiger Vorsorgeauftrag vor, können Massnahmen der Kesb meist vermieden werden. Der Vorsorgeauftrag muss handschriftlich verfasst sein oder öffentlich beurkundet. Widmer machte darauf aufmerksam, dass auch Ersatzpersonen bestimmt werden sollten.

Informationen im Internet

Zu den Themen Vorsorgeauftrag und Patientenverfügung gibt es im Internet und bei diversen Organisationen Informationen und Vorlagen. Sowohl Vorsorgeauftrag als auch Patientenverfügung sollten von Zeit zu Zeit überprüft werden.

Beim zweiten Vortrag informierte Corinne Galbier Zerndt über die Massnahmen bei der Unterbringung von Kindern ausserhalb der Familie. Dabei wurde ebenfalls deutlich, dass die Kesb das Wohl der Betroffenen in den Vordergrund stellt und, wenn immer möglich, freiwillige und private Lösungen unterstützt.

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