Mehr Hilfe erwünscht

WIL. Der Förderverein Frühdefibrillation setzt sich seit Jahren dafür ein, in Wil öffentliche Defibrillatoren zu installieren. Mehr Hilfe wünscht sich der Verein von der Stadt Wil. Diese plant nun, bei der Turnhalle Lindenhof ein Gerät anzubringen.

Stefan Etter
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Obere Bahnhofstrasse: Walter Engelhard präsentiert den öffentlichen und rund um die Uhr verfügbaren Defibrillator. (Bild: Stefan Etter)

Obere Bahnhofstrasse: Walter Engelhard präsentiert den öffentlichen und rund um die Uhr verfügbaren Defibrillator. (Bild: Stefan Etter)

«In der Schweiz erleiden jedes Jahr rund 30 000 Personen einen Herzinfarkt – etwa jeder Sechste darunter stirbt deswegen», sagt Walter Engelhard vom Förderverein Frühdefibrillation, der sich in der Region Wil seit über zehn Jahren für die Installation von öffentlich zugänglichen Defibrillatoren einsetzt. «Ein Herzstillstand kann jedem und jederzeit passieren. Ist dann nicht gerade ein Arzt in der Nähe, hat man Pech gehabt.»

Weniger Pech haben laut Engelhard diejenigen Betroffenen, die in der Nähe eines Defibrillators einen Herzinfarkt erleiden. «Bis die Ambulanz eintrifft, dauert es mehrere Minuten. Bei einem Herzinfarkt können aber bereits wenige Sekunden über Leben oder Tod entscheiden.» Bisher habe sich in Wil erst einmal ein Notfall ereignet, bei dem ein öffentlicher Defibrillator zum Einsatz kam. «Trotzdem wäre es wünschenswert, in Wil ein breit gestreutes Netz an Defibrillatoren zu installieren.»

Zehn öffentliche Defibrillatoren

Davon ist die Stadt Wil laut Engelhard aber noch weit entfernt. Derzeit stehen der Bevölkerung zehn automatische externe Defibrillatoren zur Verfügung (siehe Kasten). «Zwar gäbe es im Stadtgebiet alle 30 Gehsekunden einen Defibrillator. Die meisten stehen aber auf privatem Grund und sind deshalb nicht rund um die Uhr zugänglich.» In Wohnblöcken, Firmengebäuden oder Restaurants. Das könnte sich aber ändern. «Es ist schade, wenn Geräte vorhanden sind, aber nicht benutzt werden können.»

Laut Engelhard wäre es ideal, wenn es in Wil rund 50 öffentliche Defibrillatoren gäbe. Dafür brauche es zum einen die Bereitschaft der Bevölkerung, solche Geräte auf privatem Grund überhaupt installieren zu lassen. «Zum anderen wäre ein verstärktes Engagement der öffentlichen Hand wünschenswert, um dieses Ziel zu erreichen.» Der Förderverein Frühdefibrillation, der in Zuzwil bereits neun automatische Defibrillatoren installiert habe, verfüge nämlich über ein kleines Budget. «Ein Gerät kostet zwischen 2000 und 2500 Franken. Wir sind für die Finanzierung aber auf Spenden und Mitgliederbeiträge angewiesen.»

Stadt soll sich stärker beteiligen

«Es wäre natürlich schön, wenn die Stadt Wil sich bei der Förderung von öffentlichen Defibrillatoren finanziell stärker beteiligen würde», sagt Stefan Gasser, Präsident des Fördervereins Frühdefibrillation. «Denn es gibt noch weitere Standorte mit Potenzial für einen Defibrillator.» Der Verein stünde bereits seit mehreren Jahren in Kontakt mit der Stadt. Eine intensivere Zusammenarbeit sei aber erst Ende 2013 zustande gekommen, als der Verein der Stadt vier Defibrillatoren übergeben hat. «Es macht grundsätzlich auch Sinn, dass die Stadt die Kontrolle und Wartung der öffentlich zugänglichen Geräte übernimmt», sagt Gasser. «Zudem sind bereits weitere Standorte für Defibrillatoren geplant.»

Zwar haben laut Gasser einige Personen Respekt davor, einen Defibrillator zu benutzen. «In Wil haben wir aber ausschliesslich vollautomatische Geräte installiert. So kann eigentlich nichts schiefgehen.» Zudem gäbe das Gerät akustische Anweisungen zur Bedienung ab. Wichtig sei bei der Benutzung eines Defibrillators, dass die beiden Elektroden des Defibrillators korrekt plaziert werden. «Das Gerät misst so die Herzströme und gibt den Strom automatisch an den Patienten ab. Man muss nicht einmal selber den Knopf drücken.»

Wichtiges Hilfsmittel

Auch Andreas Dobler, Feuerwehrkommandant und Sicherheitschef der Stadt Wil, erachtet die automatischen Defibrillatoren als wichtiges Hilfsmittel bei der Notfallversorgung. Deshalb habe die Stadt Wil auch bei verschiedenen Turnhallen, beim Rathaus, beim Stadtsaal oder bei den Technischen Betrieben Wil bereits solche Defibrillatoren angebracht.

Zudem leiste die Feuerwehr Region Wil bereits seit 2004 First-Responder-Einsätze. «Ausgebildete Feuerwehrsanitäter verkürzen die Interventionszeit für Patienten mit einem Herzinfarkt, wenn die Ambulanz vor Ort noch nicht verfügbar ist», sagt Dobler. «Ausserdem klären wir ab, ob wir bei der Turnhalle Lindenhof einen öffentlichen Defibrillator installieren. Das Ziel ist, möglichst viele Geräte zu haben, die 24 Stunden zugänglich sind.»