Mehr Cannabis-Abhängige

Im vergangenen Jahr wurde die Suchtberatung Region Wil 20 Jahre alt. In diesem Jubiläumsjahr waren mit 238 Klientinnen und Klienten so viele wie noch nie bei der SBRW. Ein Anstieg ist vor allem bei den illegalen Suchtmitteln wie Cannabis zu verzeichnen.

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Im Jahr 2014 suchten so viele wie noch nie die SBRW auf. (Bild: Philipp Haag)

Im Jahr 2014 suchten so viele wie noch nie die SBRW auf. (Bild: Philipp Haag)

WIL. Vor rund zwei Jahrzehnten wurde die Suchtberatung Region Wil SBRW gegründet. Das vergangene Jahr stand deshalb im Zeichen des Jubiläums (siehe Kasten). Seit der Schaffung dieses Angebots befasst sich die Stelle mit legalen und illegalen Suchtmitteln respektive mit deren Auswirkungen. Betroffenen, aber auch deren Angehörigen und weiteren Personen aus dem Umfeld bietet das SBRW-Team persönliche Beratung und individuelle Begleitung an, zudem werden Informationen und Hintergrundwissen vermittelt.

Legale und illegale Suchtmittel

Im vergangenen Jahr wurden durch Stellenleiter Hermann Gander und die beiden Beraterinnen Susanne Schultz und Edith Römer insgesamt 238 Klientinnen und Klienten betreut. Damit wurden 2014 so viele Fälle bearbeitet wie noch nie. Im Bereich der legalen Süchte wie Alkohol, Essstörungen oder Spielsucht mit insgesamt 114 Klientinnen und Klienten war eine Stagnation der Fälle ungefähr auf dem Niveau der Vorjahre zu verzeichnen. Hingegen stiegen die Fallzahlen im Bereich der illegalen Suchtmittel von 114 auf 124 an. Die meisten Neuanmeldungen waren dabei im Zusammenhang mit Cannabis (49) zu verzeichnen, gefolgt von Kokain (10) und Heroin (7). Im Bereich der legalen Suchtmittel lag das Schwergewicht der Neuanmeldungen beim Alkohol (38).

Mehr als 1000 Einzelgespräche

Insgesamt wurden im Jahr 2014 1030 Einzelgespräche mit Klientinnen und Klienten durchgeführt, das waren rund 100 Gespräche mehr als noch im Vorjahr. Neben diesen Einzelberatungen, die sich an die Direktbetroffenen richten, wurden auch gut 60 Besprechungen mit Angehörigen und Drittpersonen, 33 Paar-Gespräche und 34 Familiengespräche sowie 23 Konferenzen und Gespräche unter Einbezug von anderen Fachpersonen durchgeführt. Zudem fanden rund 620 Telefonberatungen und Telefonauskünfte statt; auch diese Zahl hat im Vergleich zum Vorjahr deutlich zugenommen.

Die reinen Zahlen der begleiteten Klienten sind das eine, mindestens ebenso wichtig ist aber die Qualität der Beratung und Begleitung. Auch im vergangenen Jahr hinterfragte die Suchtberatung Region Wil die eigene Arbeit im Sinne der Qualitätssicherung kritisch. Dabei wurde auf drei Säulen abgestützt: Neben einem externen QuaTheDA-Audit (Qualität, Therapie, Drogen, Alkohol) der Zertifizierungsstelle Kassowitz und Partner AG aus Winterthur wurde einerseits eine Klientinnen- und Klientenbefragung durchgeführt.

Der Bericht des QuaTheDA-Audits ist sehr positiv ausgefallen: «Zusammengefasst kann festgehalten werden, dass sich das Qualitätsmanagementsystem der Suchtberatung Region Wil SBRW in vielen Bereichen auf höchstem Niveau befindet – es wird gut umgesetzt und auch durch die Leitung vorbildhaft gelebt», so das Fazit des Berichts.

Vertrauen als wichtiges Element

Für die ISGF-Erhebung, welche im Auftrag des Bundesamtes für Gesundheit gesamtschweizerisch durchgeführt wird, wurden 129 Fragebogen an Klientinnen und Klienten der SBRW verschickt. Die Rücklaufquote betrug 41 Prozent. Das Ergebnis war wie schon in den Vorjahren positiv. Die vom SBRW-Team betreuten Personen zeigten sich in ihren Rückmeldungen grossmehrheitlich zufrieden mit den Beratungsgesprächen und attestierten ihren Beratern hohe fachliche Kompetenz. Zudem fühlten sie sich ernst genommen, verstanden und respektvoll behandelt und hielten fest, dass sich im Zuge der Begleitung durch die SBRW ihre persönliche Situation, ihre Beziehungen zu anderen Menschen und nicht zuletzt auch ihr Gesundheitszustand verbessert haben. «Dieses Ergebnis freut uns und ist zugleich Ansporn, unsere Dienstleistungen weiterhin auf diesem Niveau anzubieten. Dafür sind vor allem eine gute, tragfähige, von gegenseitigem Vertrauen geprägte Beziehung zu den einzelnen Klienten zentral», so Stellenleiter Hermann Gander. (pd)

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