Mehr Arbeit zum gleichen Lohn

Länger arbeiten, um Arbeitsplätze abzubauen? Der Kirchberger SVP-Kantonsrat Linus Thalmann möchte über eine Interpellation herausfinden, wie viele Stellen der Kanton durch eine Erhöhung der wöchentlichen Arbeitszeit um eine Stunde einsparen könnte.

Hans Suter
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Linus Thalmann SVP-Kantonsrat und Gastrounternehmer aus Kirchberg (Bild: pd)

Linus Thalmann SVP-Kantonsrat und Gastrounternehmer aus Kirchberg (Bild: pd)

REGION. In seiner gestern in der Session des Kantonsrates eingereichten Interpellation stellt Linus Thalmann der St. Galler Regierung drei Fragen zur Arbeitszeit in der Staatsverwaltung. Fragen, die gehörig politischen Zündstoff bergen.

Spareffekt im Fokus

Als erstes möchte der Kirchberger SVP-Politiker und Gastrounternehmer wissen, wie viele zusätzliche Arbeitsstunden eine Erhöhung der wöchentlichen Arbeitszeit um eine Stunde ausmacht. Die zweite Frage lautet: «Welcher Spareffekt würde sich ergeben, wenn die Mitarbeitenden bei gleichem Lohn eine Stunde pro Woche mehr arbeiten würden?» Schliesslich möchte der SVP-Kantonsrat in seiner finalen Frage wissen, wie viele Stellen bei einer Erhöhung der wöchentlichen Arbeitszeit um eine Stunde theoretisch eingespart würden.

Mehrarbeit bei gleichem Lohn

Thalmann schreibt in der Einleitung zu seiner Interpellation, die Schweizer Exporte hätten sich als Folge der Aufhebung des Euromindestkurses auf einen Schlag um bis zu 20 Prozent verteuert. «Mit dem Ziel, Kosten zu sparen, haben verschiedene Firmen auf diese Entwicklung reagiert, indem sie die Arbeitszeit ihrer Mitarbeitenden bei gleichem Lohn erhöhten», schreibt Thalmann weiter und nennt ein konkretes Beispiel: die Politische Gemeinde Uzwil.

Ohnehin knapp an Ressourcen

Die Gemeinde Uzwil habe sich ein Beispiel an den betroffenen Firmen (Bühler Uzwil) genommen, und ihre rund hundert Angestellten in den Bereichen Verwaltung, Sport-/Kultur- und Freizeiteinrichtungen, Bauamt/Werkhof, Technische Betriebe, Sicherheit und Soziale Dienste arbeiteten seit dem 9. März während dreier Monate 44 statt 42 Wochenstunden. Linus Thalmann rechnet vor, dies ergebe insgesamt 2000 zusätzliche Arbeitsstunden, die für die Bewältigung des Tagesgeschäfts eingesetzt werden sollen, für welches die vorhandenen Ressourcen bei der Politischen Gemeinde Uzwil offenbar knapp seien. Dabei gelangt er zu folgender Erkenntnis: «Die Massnahme der Gemeinde Uzwil wird auch einen Spareffekt beziehungsweise einen Produktivitätszuwachs zur Folge haben, denn für den gleichen Lohn wird mehr Arbeitsleistung verlangt.»

Rechnung ohne den Wirt

Gerade für Unternehmer mögen die Ausführungen Thalmanns plausibel klingen. Bei näherer Betrachtung wird aber schnell klar, dass der SVP-Kantonsrat und Gastrounternehmer die Rechnung ohne den Wirt gemacht hat. Zum einen lässt er unbegründet, weshalb Uzwil offenbar knapp an Ressourcen ist und zur Lösung nicht mehr Personal einstellt. Zum anderen verschweigt er, dass die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter bei Bühler in Uzwil gewöhnlich eine tiefere Wochenarbeitszeit haben als die Angestellten der Uzwiler Gemeindeverwaltung.

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